Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker gratuliert Mustafa Dschemilew zu seinem 72. Geburtstag. Dschemilew wird diesen Festtag jedoch nicht in seiner Heimat auf der Krim feiern können. Die russischen Behörden hatten ihn 2014 mit einem fünfjährigen Einreiseverbot belegt. Gerade seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch die russische Föderation ist Dschemilew weltweit für die Sache der Krimtataren unterwegs. Er bekleidet außerdem das Amt des Bevollmächtigten des ukrainischen Präsidenten für die Belange der Krimtataren und ist Abgeordneter des ukrainischen Parlamentes. Dieses, und das ist ein Erfolg für Dschemilew, hat gestern die kollektive Deportation der Krimtataren unter Stalin 1944 als Völkermord anerkannt. 44% der Krimtataren verloren dabei ihr Leben.
Die friedliche, demokratische Nationalbewegung der Krimtataren ist untrennbar mit dem Namen Dschemilew verbunden. Lange Jahre saß er für sein selbstloses und mutiges Engagement in Arbeitslagern, hat Gerichtsprozesse ausgefochten, trat in einen der längsten Hungerstreiks überhaupt. Sein Name steht auch für die Dissidentenbewegung in der Sowjetunion. Er selbst war während der Kollektivdeportationen ein Kleinkind. Doch der Kampf um Anerkennung und die Rückkehr auf die Krim bestimmten sein Leben und sein Engagement. Letztlich hatte Dschemilew Erfolg: Die Krimtataren kehrten nach und nach in ihre Heimat zurück. Sie haben an ihren Werten, an ihrer Sprache, Kultur und dem Glauben auch an sich als indigenes Volk der Krim festgehalten. Umso schrecklicher ist es seit 2014 für sie, dass ihre Halbinsel nun besetzt, von Russland annektiert ist. Sie empfinden die Russische Föderation als Nachfolgestaat der Sowjetunion, in deren Namen ihrem Volk solch großes Leid angetan wurde. Heute werden sie für ihren Widerstand gegen die russische Annexion systematisch verfolgt. Dschemilews Engagement dauert an. Umso mehr gratulieren wir ihm zum Geburtstag und wünschen ihm weiterhin viel Kraft für seinen Einsatz für die Krimtataren.
Header Foto: Ministry of Foreign Affairs of Poland via Flickr

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