Pressemitteilung

24.04.2015

China soll verschleppten Panchen Lama nach 20 Jahren endlich freilassen

Tibet: Entführter Panchen Lama wird 26 Jahre alt (25.4.)

© SFT HQ/Flickr

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat die Regierung der Volksrepublik China aufgefordert, den vor 20 Jahren verschleppten tibetischen Panchen Lama endlich freizulassen. Seit seiner Entführung am 17. Mai 1995 fehlt jedes Lebenszeichen von einer der bedeutendsten Persönlichkeiten im tibetischen Buddhismus. „Die willkürliche Entführung des Panchen Lama ist ein massiver Eingriff der chinesischen Behörden in die Glaubensfreiheit der Tibeter“, erklärte der GfbV-China-Experte Ulrich Delius am Freitag in Göttingen. Lange Zeit war der im Alter von sechs Jahren entführte Gedhun Choekyi Nyima der jüngste politische Gefangene der Welt. Am morgigen Samstag wird der verschleppte Panchen Lama 26 Jahre alt.

Wenige Tage vor seiner Verschleppung war der Junge vom Dalai Lama, dem bedeutendsten religiösen Würdenträger des tibetischen Buddhismus, als Reinkarnation und 11. Panchen Lama erkannt worden. Eine Suchkommission führender tibetischer Mönche hatte dem Dalai Lama eine Liste möglicher Kandidaten für die Nachfolge des 1989 verstorbenen 10. Panchen Lama zugeleitet. Chinas atheistische Behörden mischten sich jedoch in elementare Fragen des tibetischen Buddhismus ein und bestritten die Kompetenz des Dalai Lamas bei der Erkennung der Reinkarnation. Stattdessen bestanden sie auf einem eigenen Auswahlrecht, um mehr Kontrolle über den tibetischen Buddhismus zu bekommen. Nur kurze Zeit nach der Verschleppung von Gedhun Choekyi Nyima präsentierten die chinesischen Behörden ihren eigenen Panchen Lama. Der fünf Jahre alte Gyaltsen Norbu stammte aus einer Familie von tibetischen Mitgliedern der Kommunistischen Partei, um sicherzustellen, das er als willfähriges Werkzeug von Chinas Behörden agieren würde.

Chinas Behörden ließen nicht nur den 11. Panchen Lama und seine Familie entführen, sondern nahmen auch die 30 Mönche fest, die dem Auswahlkomitee für den Panchen Lama angehört hatten. Der Vorsitzende des Komitees, der Abt Chadrel Rinpoche wurde später zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

Die „Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen über unfreiwilliges oder erzwungenes Verschwinden“ hat sich mehrfach mit dem Schicksal des Entführten beschäftigt und China aufgefordert, seinen Verbleib bekannt zu machen. Auch die Staaten der Europäischen Union und die USA haben immer wieder an China appelliert, das Schicksal des Panchen Lama zu klären. In einem Schreiben vom 4. September 2009 versichert Chinas Regierung der UN-Arbeitsgruppe, Gedhun lebe mit seiner Familie in Tibet, stehe nicht unter Hausarrest und erhalte eine gute kulturelle Bildung. Doch nähere Informationen über seinen Verbleib blieb China schuldig. Stattdessen versuchen die Behörden den von ihnen eingesetzten 11. Panchen Lama mit öffentlichen Auftritten in Tibet und Peking hoffähig zu machen. Doch die Tibeter lehnen ihn ab und verlangen die Wiedereinsetzung des Verschleppten.


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