
Foto: Yann Macherez/Wikipedia CC BY-SA 4.0

in meiner Schulzeit haben wir mit der Klasse die „schönste Zeche der Welt“ besucht, das UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen. Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen; und obwohl in meiner Familie niemand direkt im Steinkohlebergbau aktiv war, klang die jahrzehntealte Industriekultur der Region im Alltag doch oft mit: Wer hart arbeitet, malocht. Ertönt irgendwo das Steigerlied, schwingt die Nostalgie des Zusammenhalts der Kumpel mit. Seit 2018 ist Schicht im Schacht.
Ende jenes Jahrs hat die letzte Zeche im Ruhrgebiet geschlossen, die Zeche Prosper-Haniel in Bottrop. Steinkohle im Ruhrgebiet zu fördern, war schon lange nicht mehr wirtschaftlich. Was vom Bergbau bleibt, ist eine durchlöcherte Region. Etwa 50.000 Schächte durchziehen die Böden des Ruhrgebiets und erreichen dabei Tiefen von bis zu 1.500 Metern. Abermillionen Tonnen Kohle und Gestein wurden im Verlauf der Jahre an die Erdoberfläche befördert.
Dass der Untergrund einem Schweizer Käse gleicht, hat Folgen: Das Ruhrgebiet ist gewaltig abgesackt. Die Essener Innenstadt liegt heute zum Beispiel circa 30 Meter tiefer als früher. Dass der Boden in Bewegung ist, verursacht Risse in Hauswänden und Straßen. In den stillgelegten Gruben sammelt sich darüber hinaus salziges und durch Chemikalien kontaminiertes Wasser. Pumpen sorgen dafür, dass das Grubenwasser sich zum einen nicht mit dem Grundwasser vermischt; und zum anderen nicht an die Oberfläche steigt und das Ruhrgebiet in eine Seenplatte verwandelt. Der Betrieb der Pumpen bedeutet Kosten für die Ewigkeit.
Alles, was wir konsumieren, besteht auf die eine oder andere Art aus Rohstoffen. Was zum Beispiel an Rohstoffen in dieser Zeitschrift steckt, erfahren Sie ab Seite 10. Der Abbau von Rohstoffen hat immer Auswirkungen auf die Umwelt und auf die vor Ort lebenden Menschen. Das kann Risiken und Chancen beinhalten. Leid ist in der Regel die Folge eines ausbeuterischen Umgangs mit den Rohstoffen dieser Welt. Den indigenen Yagua in Peru etwa geht der Fisch als Nahrungs- und Einkommensquelle aus, weil kommerzielle Fischer flussaufwärts die Fischgründe plündern.
Chancen tun sich dagegen dann auf, wenn lokale Bevölkerungen in Pläne einbezogen werden. In Bolivien profitieren Indigene Gemeinschaften zum Beispiel vom Abbau einer Hülsenfrucht, die sie vor Ort nicht nur ernten, sondern auch verarbeiten und vermarkten. Einen ähnlichen respektvollen Umgang fordern auch die Nama in Namibia ein. Auf ihrem Land soll die Produktion von grünem Wasserstoff vorangetrieben werden. Doch die Nama sagen: „Keine Entscheidung über uns – ohne uns!“
Woher stammen die Materialien, die wir in verschiedenster Form täglich in den Händen halten? Gehen Sie mit dieser Ausgabe einigen Stoffen, ihren Abbaumethoden und deren Folgen auf den Grund.
Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!
Herzliche Grüße
Johanna Fischotter
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