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Editorial: Minderheiten bereichern Europa

Editorial: Minderheiten bereichern Europa
Bild: Matthias Rietschel/ picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen

Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Vielfalt bewahren – Minderheiten stärken: Seit unserer Gründung setzten wir uns für die Rechte der Minderheiten und Nationalitäten in Europa ein. Konsequent machen wir auf Missstände aufmerksam. Sei es auf die verzweifelte Lage der Krimtataren auf der russisch besetzten Krim oder auf die unsägliche Situation der Roma. Das Schicksal der Wolfskinder haben wir über Jahre begleitet und für die Anerkennung des an ihnen verübten Unrechts gekämpft. Mit Erfolg!

Es ist uns ebenfalls ein wichtiges Anliegen, auf die Vielfalt aufmerksam zu machen, mit der die Minderheiten Europa bereichern: Seien es die Sorben in der Lausitz, die Rätoromanen in der Schweiz oder die Ungarn in der Slowakei. Leider ist dieser Reichtum akut gefährdet. Wir erleben derzeit ein schleichendes Kultur- und Sprachensterben, das weitestgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt bleibt. Bis auf Sonntagsreden ist wenig von den Entscheidungsträgern auf nationaler oder europäischer Ebene zu erwarten.

Empirische Untersuchungen belegen, dass jeder siebte Europäer einer Minderheit angehört; insgesamt 100 Millionen Menschen. Die Europäische Kommission spricht von 40 Millionen, die allein in der EU eine Regional- oder Minderheitensprache sprechen. Die Bandbreite reicht von den Sami im Norden bis zu den Katalanen im Süden, den Friesen im Westen und den Russlanddeutschen im Osten, um einige Beispiele zu nennen. Mehr als 300 unterschiedliche Minderheitengruppen gibt es in Europa.

Seit 1949 ist die Federal Union of European Nationalities (FUEN) als Dachverband der Minderheiten aktiv, der heute mehr als 90 Mitgliedsorganisationen angehören. Ihr Vorsitzender Loránt Vincze, ein Ungar aus Rumänien, hat uns 2017 bei der Jahresversammlung unserer Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen besucht. Wir freuen uns über die enge Partnerschaft, die in den nächsten Jahren noch wachsen soll – ganz im Sinne unseres Auftrages, uns gemeinsam mit den Minderheiten für ihre Belange einzusetzen.

Es ist ein Skandal, dass es eines mehrjährigen Prozesses am Europäischen Gerichtshof bedurfte, bevor die Europäische Kommission nun endlich eine Bürgerinitiative der FUEN für mehr Minderheitenrechte in der EU zugelassen hat. Derzeit sammeln die Minderheitenverbände und ihre Aktivisten Unterschriften. Eine Million müssen bis zum April 2018 zusammenkommen, um die EU-Kommission dazu zu zwingen, sich politisch mit den Forderungen auseinanderzusetzen.

Die Minderheiten brauchen unsere Unterstützung: Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift (digital oder per Postkarte, die dieser Ausgabe beiliegt), einen Minderheitenschutz umzusetzen, der den Namen verdient.

 

Jan Diedrichsen, GfbV-Deutschland & Wolfgang Mayr, GfbV-Südtirol

 

aus „bedrohte Völker – pogrom“ Nr. 304, 01/2018

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