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Aktuelles News & Artikel Keine Staatsehren für Ratko Mladić! GfbV appelliert an EU: Serbien darf verurteilten Kriegsverbrecher nicht staatlich ehren

Keine Staatsehren für Ratko Mladić! GfbV appelliert an EU: Serbien darf verurteilten Kriegsverbrecher nicht staatlich ehren

Göttingen/Sarajevo – Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert die Europäische Union auf, die serbische Regierung unmissverständlich zum Verzicht auf staatliche und militärische Ehren für Ratko Mladić aufzufordern. Der wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilte ehemalige bosnisch-serbische Armeechef soll am 7. September in Belgrad beigesetzt werden. Die GfbV hat deshalb einen Appell an führende Vertreterinnen und Vertreter der EU gerichtet, darunter EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos, die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, und EU-Ratspräsident António Costa.

Bereits die Überführung von Mladićs sterblichen Überresten nach Belgrad habe die Grenze zwischen einer privaten Beisetzung und einer staatlich getragenen Ehrung überschritten, kritisiert die GfbV. Am 3. September wurde sein Sarg mit einem Flugzeug der serbischen Regierung aus den Niederlanden nach Belgrad gebracht. An Bord war auch der serbische Justizminister Nenad Vujić. Der mit der serbischen Flagge bedeckte Sarg wurde nach der Landung in einer militärischen Zeremonie empfangen und anschließend in die Militärmedizinische Akademie gebracht.

„Der Transport in einem Regierungsflugzeug, die Beteiligung des serbischen Justizministers und der militärische Empfang des Sarges senden ein fatales Signal an die Opfer und Überlebenden. Ein wegen Völkermords verurteilter Kriegsverbrecher darf nicht durch staatliches Zeremoniell nachträglich rehabilitiert und zum nationalen Vorbild erhoben werden“, kritisiert Belma Zulčić, Direktorin der GfbV-Sektion in Bosnien und Herzegowina. Das Recht von Mladićs Familie auf eine private Beisetzung stehe außer Frage. Eine staatliche Ehrung sei jedoch kein privater Trauerakt, sondern eine politische und institutionelle Würdigung.

Der serbische Justizminister hatte zuvor angekündigt, Mladić solle mit höchsten staatlichen und militärischen Ehren beigesetzt werden. Ob dies am 7. September tatsächlich in vollem Umfang umgesetzt wird, ist bislang nicht offiziell bestätigt. Die GfbV fordert deshalb eine eindeutige Reaktion der europäischen Regierungen und Institutionen vor der Beisetzung.

Die Organisation fordert die EU in ihrem Appell zudem auf, die Anerkennung rechtskräftiger internationaler Urteile und den Umgang mit der Beerdigung Mladićs zu einem konkreten Maßstab im EU-Beitrittsprozess Serbiens zu machen. Die Leugnung, Relativierung und Verherrlichung schwerster Kriegsverbrechen widersprächen den fundamentalen Werten der Europäischen Union.

Zugleich müsse Europa Menschenrechtsorganisationen, Überlebendenverbände, Journalisten, Wissenschaftler und zivilgesellschaftliche Initiativen in der Region unterstützen. Rückkehrer und Minderheiten müssten vor nationalistischer Einschüchterung geschützt werden. Die GfbV fordert außerdem eine faktenbasierte Erinnerungs- und Bildungsarbeit, damit junge Menschen nicht mit einer Geschichtserzählung aufwachsen, in der rechtskräftig verurteilte Täter zu Vorbildern werden und ihre Opfer aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden.

Sie erreichen Belma Zulčić, Direktorin der GfbV-Sektion in Bosnien und Herzegowina, unter 23]E6?]9:3o2D0G378 oder (+387) 61 220 883 oder (+387) 33 213 707.