Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist eine junge Religionsgemeinschaft. Sie entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Indien, als das Land noch unter britischer Kolonialherrschaft stand. Ihr Name geht auf ihren Gründer Mirza Ghulam Ahmad (1835–1908) zurück. Die Gründung der neuen Gemeinschaft kann als islamischer Reformversuch bewertet werden. Da der traditionelle Islam Reformen ablehnt, wurden die Mitglieder der Gemeinschaft von Anfang an verfolgt. Die Ahmadiyya-Muslim*innen glauben, dass Mirza Ghulam Ahmad der „verheißene Messias und Mahdi“ war, was sie von anderen islamischen Gemeinschaften unterscheidet. Theologisch folgen die Ahmadiyya-Muslim*innen dem Koran und den zentralen Grundsätzen des Islams. In der Selbstdarstellung der Gemeinschaft ist der Leitsatz „Liebe für alle, Hass für keinen“ von zentraler Bedeutung. Gewalt zur Verbreitung ihres Glaubens lehnen die Ahmadiyya-Muslim*innen daher laut eigener Aussagen strikt ab. Im Unterschied zum sunnitischen Islam werden die Ahmadiyya-Muslim*innen von einem Kalifen geführt. Aufgrund der Verfolgung durch radikale Muslim*innen hat der Kalif seinen Sitz nicht in einem islamischen Land, sondern in London.
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Die Ahmadiyya-Gemeinschaft ist in fast allen Ländern der Welt vertreten und zählt schätzungsweise zwischen 15 und 20 Millionen Mitglieder. Große Ahmadiyya-Gemeinden gibt es in Pakistan, das zum Zeitpunkt der Gründung der Gemeinschaft noch zu Indien gehörte. In Pakistan leiden die Ahmadiyya-Muslim*innen unter starker Verfolgung, während sie im benachbarten Indien frei praktizieren können. Dort haben sie einen legalen Sitz und wichtige heilige Stätten, etwa die Stadt Qadian im Nordwesten des Landes, wo Mirza Ghulam Ahmad geboren wurde. Weitere große Gemeinden existieren in Nigeria, Ghana und Indonesien. Eine der größten Ahmadiyya-Gemeinden befindet sich in Deutschland. In Deutschland sollen laut Schätzungen 50.000 Ahmadiyya-Muslim*innen leben. Ihre zentrale Einrichtung, die Nur-Moschee, befindet sich in Frankfurt am Main. In einigen Bundesländern haben Ahmadiyya-Gemeinden als erste muslimische Gemeinschaft den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts inne.
Die Ahmadiyya-Muslim*innen sind vor allem in Pakistan systematischer Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Mitglieder werden durch Blasphemie-Gesetze auch staatlich verfolgt. Die GfbV fordert Glaubensfreiheit, ein Ende der Verfolgung sowie die Bestrafung der Täter*innen.
Stand: März 2026
Autor: Dr. Kamal Sido Redaktion: Sarah Neumeyer
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Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ruft Papst Leo XIV. vor seiner Reise in die Türkei dazu auf, klare Worte zugunsten verfolgter Minderheiten, für Frieden und für die Einhaltung grundlegender Menschenrechte zu finden. GfbV-Nahostreferent Dr. Kamal Sido betont die Dringlichkeit des Appells: „Wir hoffen, dass der Papst seine einzigartige moralische Autorität nutzt, um auf Gerechtigkeit zu drängen und den Schutz religiöser und ethnischer Gemeinschaften einzufordern. Die Lage vieler Menschen bleibt prekär – die Türkei trägt dafür innen- wie außenpolitisch Verantwortung.“
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und das Institut für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien (ICATAT) laden zu einer Veranstaltung zur Geschichte, Kultur und aktuellen Lage der Krimtataren ein – einem der Indigenen Völker der von Russland besetzen Krim. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen krimtatarische Künstler, Aktivisten und authentische Informationen über die politische und menschenrechtliche Lage auf der Krim. Die Veranstalter wollen damit auch ein Zeichen gegen russische Propaganda und Desinformation über die Krim setzen, die teils auch in Deutschland verfängt.
Zum Abschluss der Internationalen Klimakonferenz COP30 im brasilianischen Belém zieht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine gemischte Bilanz bezüglich der indigenen Repräsentation bei den Klimaverhandlungen: „Die indigenen Teilnehmer des sogenannten ‚Indigenous Caucus‘ der COP30 haben gemeinsame Positions- und Forderungspapiere erstellt und unermüdlich daran gearbeitet, dass sie in den Verhandlungen berücksichtigt werden“, berichtet Dr. Eliane Fernandes, GfbV-Referentin für Indigene Völker, am heutigen Abschlusstag der Konferenz in Belém.
Vor dem EU-Afrika-Gipfel in Luanda fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) von der Europäischen Union den längst überfälligen Bruch mit neokolonialen Strukturen: „Europas Politik muss endlich auf Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und Menschenrechten beruhen – nicht auf Ausbeutung und Doppelmoral. Europa muss aufhören, seine politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Krisen auf den Globalen Süden abzuwälzen. Afrikanische Gesellschaften zahlen den Preis für unseren Wohlstand“, kritisiert Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV.
Zum Abschluss der bundesweiten Aktionswochen Westsahara erinnert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) an den 50. Jahrestag des völkerrechtlich nicht anerkannten Madrider Abkommens vom 14. November 1975 – einen der Ausgangspunkte der bis heute andauernden Besatzung der Westsahara durch Marokko.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) kritisiert die polemische Stimmungsmache in einem Meinungsbeitrag der „Welt“ in der Debatte um Dorothee Bärs Aussagen zu sogenannten „Indianerkostümen“: „Dieser Versuch, strukturellen Rassismus zu einer Frage der Laune zu degradieren, ist ein altbekanntes Muster“, erklärt Jan Königshausen, Referent für Indigene Völker bei der GfbV.