Die Ahwazis sind eine ethnisch-arabische Minderheit im Iran, die überwiegend in der Provinz Chuzestan im Südwesten des Landes lebt. Diese Region, historisch Al-Ahwaz genannt, war bis 1925 ein weitgehend autonomes Emirat, bevor die iranische Zentralregierung ihre Herrschaft dort festigte. Die Ahwazis sprechen einen arabischen Dialekt und gehören größtenteils dem schiitischen Islam an. Es gibt jedoch auch Ahwazis sunnitischen Glaubens.
Schätzungen gehen von rund 4 bis 4,5 Millionen Angehörigen dieser Minderheit aus (Stand: 2026), was sie zu einer der größten ethnischen Minderheiten im Iran macht. Insgesamt machen sie etwa 6 Prozent der Bevölkerung aus.
Heimat der Ahwazis: Die ölreiche Region Chuzestan im Iran
Die überwiegend von Ahwazis bewohnte Provinz Chuzestan gehört zu den ölreichsten Regionen des Irans und besitzt für den iranischen Staat eine erhebliche sicherheitspolitische Bedeutung. Trotz des reichen Ölvorkommens sind die Ahwazis stark sozial und wirtschaftlich benachteiligt.
Die geopolitische Instrumentalisierung der Provinz Chuzestan trägt zur fortschreitenden Militarisierung der Region bei. Teile Chuzestans wurden faktisch zu militärischen Zonen erklärt. Der starke Sicherheitsapparat vor Ort führt dazu, dass internationalen Beobachter*innen sowie ausländischen Medien der Zugang zur Region weitgehend verwehrt bleibt.
Diskriminierung der Ahwazis im Iran
Viele Ahwazi-Gemeinden leiden unter struktureller Armut, unzureichender Infrastruktur, mangelnder Gesundheitsversorgung und hoher Arbeitslosigkeit. Besonders deutlich wird die soziale Ungleichheit im Vergleich zwischen Städten mit persischer und arabischer Bevölkerungsmehrheit: Während die Arbeitslosenquote in der überwiegend persisch geprägten Stadt Dezful bei rund 7 Prozent liegt, beträgt sie in der mehrheitlich arabischen Stadt Abadan etwa 31 Prozent und in Khorramshahr sogar rund 50 Prozent. Ahwazis erleben im Iran systematische Diskriminierung in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens:
- Sprach- und Bildungsbarrieren: Die offizielle Sprache des Iran ist Persisch (Farsi). Der Unterricht und viele staatliche Angebote finden ausschließlich auf Persisch statt, was Ahwazi-Araber*innen den Zugang zu Bildung deutlich erschwert, da viele von ihnen Arabisch als Muttersprache sprechen. Dies führt zu einer hohen Analphabetenrate in der Gemeinschaft.
- Assimilation und „Iranisierung“: Seit der Revolution 1979 verfolgt die iranische Regierung Programme, die den arabischen Einfluss reduzieren und eine stärkere Integration der Ahwazis in die persische Mehrheitskultur erzwingen sollen. Dazu zählen Landenteignungen und gezielte Ansiedlungen nicht-arabischer Iraner*innen in der Provinz Chuzestan.
- Strukturelle Benachteiligung im öffentlichen Sektor: Wirtschaft, Handel, Dienstleistungs- und Industriesektoren Chuzestans befinden sich überwiegend in den Händen nicht-arabischer Akteure. Auch in der Verwaltung sind Ahwazis kaum vertreten: Obwohl Araber*innen etwa 70 Prozent der Bevölkerung Chuzestans stellen, besetzen sie weniger als 5 Prozent der Schlüssel- und Regierungspositionen in der Region.
Zusätzlich belasten massive Umwelt- und Wasserprobleme die Bevölkerung: Durch große Wasserentnahme- und Staudammprojekte wurden Flüsse ausgetrocknet, Feuchtgebiete zerstört und die Lebensgrundlage vieler Gemeinden zerstört, was zu Protesten in der Bevölkerung führte.
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Einsatz der GfbV für die Rechte der Ahwazis
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) setzt sich für die Recht der Ahwazis ein und macht auf die umfassende strukturelle Diskriminierung aufmerksam. Sie fordert die Sensibilisierung internationaler Akteure wie der USA, damit diese ihren politischen Einfluss für den Schutz der Ahwazis und ihrer kulturellen Rechte nutzen.
Zudem engagiert sich die GfbV für die Unterstützung politischer Gefangener und Verfolgter, indem sie auf deren Freilassung, faire Gerichtsverfahren und Schutz vor weiterer staatlicher Repression drängt. Ziel der GfbV-Arbeit ist es insgesamt, rechtliche und soziale Gleichstellung der Ahwazis im Iran zu fördern, diskriminierende Strukturen abzubauen und langfristig die Lebens- und Menschenrechtslage der Minderheit zu verbessern.
Stand: Mai 2026
Autor: Dr. Kamal Sido
Redaktion: Sarah Neumeyer







