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Assyrer/Aramäer/Chaldäer*innen

Blauer Pfeil

Bei den Assyrer/Aramäer/Chaldäer*innen handelt sich um ein Volk im Zweistromland Euphrat und Tigris (Mesopotamien, Beth-Nahrin) in Westasien. Die drei Bezeichnungen „Assyrer*in”, „Aramäer*in” und „Chaldäer*in” – die Reihenfolge ist nicht wichtig – beziehen sich heute auf dieselbe ethnische Gruppe. Diese ist jedoch durch eine komplexe Geschichte, verschiedene christliche Kirchenzugehörigkeiten und regionale Identitäten gespalten. Die gemeinsame Basis aller drei Volksgruppen sind die christlichen Nachfahr*innen der antiken Völker Mesopotamiens (Beth-Nahrin), dem heutigen Irak, ((Syrien)) und im Südosten der ((Türkei)).

Die Sprache dieses Volkes ist historisch gesehen das Aramäische (auch Syriac genannt), das heute in modernen Dialekten wie „Suret“, der im Osten gesprochen wird und „Turoyo“, der im Westen gesprochen wird. Wie das Hebräische und Arabische gehört das Aramäische (auch Assyrisch oder Chaldäisch) zur semitischen Sprachfamilie und hat ein eigenes Alphabet

Die Mehrheit der Assyrer/Aramäer/Chaldäer*innen gehört dem orientalischen (syrischen) Christentum an, das zu den ältesten Zweigen der Christenheit zählt.

Im Laufe der Geschichte kam es zu Spaltungen innerhalb der großen Mutterkirche der orientalischen (syrischen) Christen. Heute ist die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kirche oder politischen Ideologie meist entscheidend dafür, welcher der drei Begriffe –  „Assyrer*in”, „Aramäer*in” und „Chaldäer*in“ – als Selbstbezeichnung verwendet wird . Es kann innerhalb eines Dorfes oder sogar innerhalb einer Familie dazu kommen, dass sich Personen für unterschiedliche Konfessionen oder Bezeichnungen entscheiden. Um klarzustellen, dass wir uns für die gesamte Volksgruppe einsetzen, nennen wir immer alle drei Bezeichnungen, also: Assyrer/Armamäer/Chaldäer*in. 

Unterschiede zwischen den Assyrer/Aramäer/Chaldäer*innen

Die Gruppe, die sich als Assyrer*innen definiert, betont ihre Kontinuität und Zugehörigkeit zum antiken Assyrerreich. Kirchlich gesehen gehören sie meist zur „Heiligen Apostolischen Assyrischen Kirche des Ostens”. Diese Kirche hat etwa 400.000 Mitglieder.

Die Gruppe, die sich selbst als Aramäer*innen (Syriac) bezeichnet, ist ebenfalls politisch-national geprägt und gehört vor allem der „Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien” an. Sie identifizieren sich als Nachfahren der Aramäer*innen und sprechen die aramäische Sprache (Syriac) kontinuierlich und pflegen die alt christliche Kirchentradition.

Die dritte Gruppe sind die Chaldäer*innen, die vor allem der „Chaldäisch-Katholischen Kirche” angehören. Diese spaltete sich von der Alten Kirche des Ostens ab und schloss im 16. Jahrhundert eine Union mit der römisch-katholischen Kirche (Vatikan) ab.

Zwei Faktoren sind für die gewählte Selbstbezeichnung entscheidend. Der erste ist die konfessionelle Spaltung. Über Jahrhunderte war die Identität an die jeweilige Kirche gebunden. Wer orthodox blieb bezeichnete sich als „Suryoye” (Aramäer*in), wer katholisch wurde, nannte sich „Chaldäer*in”. 

Auch die leidvolle Geschichte des Volkes sowie die seit Jahrzehnten andauernde Verfolgung, Vertreibung und Flucht förderten die Spaltung innerhalb des Volkes. Der Völkermord (Sayfo) von 1915 im Osmanischen Reich, bei dem Hunderttausende Angehörige des Volkes getötet wurden, und die damit verbundene Flucht, Vertreibung und Zerstreuung in der ganzen Welt förderten die Entstehung verschiedener Bezeichnungen des Volkes.

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Assyrer/Aramäer/Chaldäer*innen in der Diaspora

In der Diaspora verstärkte sich die Suche nach einer nationalen Identität, was zu Diskussionen führte: Sind wir eine Nation der Assyrer*innen oder der Aramäer*innen? In der Selbstbezeichnung nutzen viele das Wort „Suryoye” (westsyrisch) oder „Suraye” (ostsyrisch), das ein Sammelbegriff für alle drei Gruppen ist. 

Heute leben viele Assyrer/Aramäer/Chaldäer*innen in der Diaspora, beispielsweise in europäischen Staaten, in den USA und Australien. In ihrer alten Heimat geht ihre Anzahl aufgrund andauernder Flucht vor Verfolgung und Diskriminierung kontinuierlich zurück. Im Irak, vor allem in Irakisch-Kurdistan, leben nur noch 150.000 bis 250.000 von ihnen, vor 2003 waren es noch etwa 1,5 Millionen. Das Gleiche gilt für Syrien.

  • Deutschland: etwa 200.000
  • Schweden: 150.000
  • USA: 500.000 bis 600.000 
  • Australien (70.000) 
  • Irak: etwa 150.000 bis 250.000 
  • Syrien: höchstens 300.000 bis 450.000

GfbV für Rechte der Assyrer/Aramäer/Chaldäer*innen ein

Die GfbV setzt sich dafür ein, dass Assyrer/Aramäer/Chaldäer*innen überall, wo sie leben, das Recht haben, ihre Sprache, Kultur und Religion zu pflegen und frei zu leben. In ihrer alten Heimat im Irak, in Syrien, im Nordwesten des Irans und in der Südosttürkei (Tur Abdin), müssen sie überall, wo sie eine Mehrheit haben oder große Gemeinschaften bilden, das Recht haben, sich selbst zu verwalten. Ferner fordert die GfbV die Anerkennung des Völkermordes Sayfo (Schwert) von 1915 durch die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) setzt sich seit 1969 weltweit für verfolgte Christ*innen und andere Religionsgemeinschaften ein. Wir fordern vollständige Glaubensfreiheit. Jeder muss seinen Glauben wechseln können. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Kritik an der Anwendung der Blasphemiegesetze. Diese werden häufig gegen Christ*innen, Ahmadiyya-Muslim*innen und ((Bahá’í)) eingesetzt. Häufig wird den Betroffenen Apostasie (Abfall vom Glauben) vorgeworfen. 

Stand: Mai 2026

Autor: Dr. Kamal Sido
Redaktion: Sarah Neumeyer

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Dr. Kamal Sido

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