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Drus*innen

2026_01_19. und 20.01.2026 Aktionen abgesagter Besuch al-Schaara Berlin Berlin
Flagge der Drus*innen bei Aktionen abgesagter Besuch al-Schaara Berlin am 20.01.2026. Foto: Daniel Matt / GfbV

Die Drus*innen sind eine Religionsgemeinschaft im Nahen Osten. Sie bezeichnen sich selbst als „al-Muwahhidun“, also Monotheist*innen, die an die Einzigartigkeit Gottes glauben. Eine weitere Selbstbezeichnung lautet „Bani Maaroof“, was ursprünglich „Nachfahren der Menschen der göttlichen Taten“ bedeutete, heute jedoch als „Menschen der guten Taten“ verstanden wird. Obwohl der Glaube der Drus*innen stark von schiitischen, insbesondere ismailitischen Traditionen geprägt ist, unterscheidet sich ihr Glaube so deutlich vom Islam, dass man das Drusentum als eigenständige Religion betrachten muss. Ihre Koraninterpretationen weichen oft stark von denen der Sunnit*innen und Schiit*innen ab. 

Da sie überzeugt sind, dass alles von Gott vorbestimmt ist, lehnen sie Missionierung und Konvertierung strikt ab. Man kann nur als Drus*in geboren werden – einen anderen Weg in die Religionsgemeinschaft gibt es nicht. In dieser Hinsicht ähneln sie den ((Yezid*innen)), den Ahl-e Haqq und den ((Zoroastrier*innen)), die vor allem in Kurdistan und im ((Iran)) beheimatet sind.

Weltweit gibt es etwa 1,5 Millionen Drus*innen. Die meisten, etwa 700.000, leben in ((Syrien)), gefolgt vom ((Libanon)) mit etwa 250.000, Israel mit etwa 153.000 und Jordanien mit etwa 20.000 Drus*innen. In Deutschland leben schätzungsweise 10.000 Drus*innen (Stand 2026).  

Syrien: Das größte Siedlungsgebiet der Drus*innen

Die Provinz al-Suwaida im Süden Syriens bildet das Zentrum der drusischen Gemeinschaft. Viele Drus*innen leben auch in Damaskus, einige wenige im Nordwesten in der Provinz Idlib. Die Provinz al-Suwaida umfasst 5.550 Quadratkilometer, ihre gleichnamige Hauptstadt liegt etwa 100 Kilometer südlich von Damaskus. Früher nannte man das Siedlungsgebiet der Drus*innen im Süden Syriens „Berg der Drusen“. 

Nach der Unabhängigkeit Syriens 1946 wurde der Name arabisiert und in „Berg der Araber“ geändert. Seit dem Massenmord an der drusischen Gemeinschaft im Jahr 2025 verwenden Drus*innen die Bezeichnung „Berg Baschan“ für ihre Heimat. Mit der Verwendung dieser biblischen Bezeichnung wollen sie ihre Distanz zum arabisch-sunnitischen Syrien betonen.

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Gezielte Angriffe auf Drus*innen in Syrien durch das Regime von Ahmed al-Scharaa

In Syrien hat sich die Lage der Drus*innen in den letzten Jahren deutlich verschärft, insbesondere seit dem Sturz der Assad-Diktatur und der Machtübernahme der islamistischen HTS-Miliz unter Ahmed al-Scharaa im Dezember 2024. Besonders in der südlichen Provinz al-Suwaida, einem traditionellen Siedlungsgebiet der drusischen Gemeinschaft, kam es ab April 2025 zu gezielten und koordinierten Angriffen auf drusische Dörfer und Gemeinden durch das neue islamistische Regime. Seit Juli 2025 wird die Region al-Suwaida blockiert. Auch in den südlichen Stadtvierteln von Damaskus wurden Drus*innen gezielt angegriffen. Angehörige der Minderheit haben wiederholt Hilferufe an internationale Organisationen gerichtet. Unter dem Druck der in Israel gut integrierten drusischen Bevölkerung griff Israel als einziger Staat ein, um den Drus*innen in Syrien beizustehen. Ohne diese Unterstützung bestand die Gefahr, dass die syrischen Islamisten einen Völkermord an den Drus*innen verüben oder diese aus ihrem Gebiet vertreiben.

Drus*innen brauchen Schutz

Die GfbV warnt davor, dass den Drus*innen ein ähnliches Schicksal drohen könnte wie zuvor anderen Minderheiten im Land, etwa den Alawit*innen, die ebenfalls Opfer schwerer Gewalt geworden sind. 

Vor diesem Hintergrund fordert die GfbV: 

  • eine unabhängige internationale Untersuchung der Übergriffe auf die drusische Bevölkerung,
  • humanitäre Hilfe und Schutzmaßnahmen durch internationale Organisationen, darunter die Vereinten Nationen,
  • gezielte Sanktionen und diplomatischen Druck auf das syrische Regime und dessen Verbündete bei erwiesener Verantwortung,
  • Soforthilfeprogramme zum Schutz religiöser Minderheiten, insbesondere der Drus*innen.

Die Drus*innen selbst fordern einen Teilstaat im Rahmen eines dezentralen, föderalen Syriens. Damit wollen sie verhindern, dass die seit Dezember 2024 in Damaskus herrschenden Islamisten die Kontrolle über ihre Heimatregion erlangen. Denn sie lehnen die islamistische Ordnung mit ihren strengen Scharia-Regeln und der damit einhergehenden Frauenfeindlichkeit strikt ab. Stattdessen fordern sie das Recht, ein freies und selbstbestimmtes Leben in ihrer Heimat zu führen.

Stand: März 2026

Autor: Dr. Kamal Sido
Redaktion: Sarah Neumeyer

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