Im Libanon leben rund 6 Millionen Menschen. Fast die gesamte Bevölkerung gehört zur arabischen Mehrheitsbevölkerung. Daneben existiert eine armenische Minderheit, die etwa vier Prozent der Bevölkerung ausmacht, sowie weitere kleinere Minderheiten. Zudem halten sich im Land circa 1,5 Millionen syrische Geflüchtete und 210.000 bis 450.000 palästinensische Geflüchtete auf (Stand: 2025).
Eine einzelne dominierende Religionsgemeinschaft existiert nicht: Die sunnitischen Muslim*innen stellen mit etwa 30 Prozent die größte Gruppe. Weitere bedeutende Religionsgemeinschaften sind schiitische Muslim*innen, maronitische Christ*innen, Drus*innen und griechisch-orthodoxe Christ*innen.
Der Libanon ist eine parlamentarische Republik mit einem konfessionellen politischen System. Die wichtigsten Staatsämter sind nach religiöser Zugehörigkeit verteilt und die politische Macht wird zwischen den großen Religionsgemeinschaften geteilt. Das Land leidet seit Jahren unter politischer Instabilität, einer wirtschaftlichen Krise sowie Korruption und Vetternwirtschaft, was staatliche Institutionen erheblich schwächt.
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Die wirtschaftliche und politische Krise hat zu einer starken Verarmung großer Teile der Bevölkerung geführt. Kinderarbeit ist im Libanon nach wie vor weit verbreitet. Gleichzeitig hat das Land eine große Zahl von Geflüchteten aufgenommen. Zu den bereits im Land befindlichen palästinensischen Geflüchteten kamen ab 2011 viele aus Syrien hinzu. Zusätzlich gibt es aufgrund der andauernden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Milizviele viele Binnengeflüchtete aus dem Süden des Landes. All dies verschärft die Spannungen im Land zusätzlich.
Die angespannte Sicherheitslage an der Grenze zu Israel belastet den Libanon zusätzlich. Rund eine Million Menschen sind wegen der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon auf der Flucht. Wiederholte israelische Luftangriffe schwächen die ohnehin fragile staatliche Infrastruktur und verschärfen die wirtschaftliche und humanitäre Lage. Gleichzeitig nutzen im Libanon ansässige bewaffnete Gruppen wie die Hisbollah die instabile Situation als Nährboden für ihren Einfluss. Von libanesischem Gebiet aus kommt es immer wieder zu Angriffen auf Israel, was zu militärischen Gegenreaktionen führt und die Gefahr einer weiteren Eskalation erhöht. Die anhaltenden Spannungen tragen zur Destabilisierung des Landes bei und verschlechtern die Lebensbedingungen der Zivilbevölkerung.
Die schiitische Hisbollah wird vor allem vom Iran unterstützt, der die Organisation finanziell, politisch und militärisch fördert. Die Unterstützung stärkt den Einfluss der Hisbollah im Libanon und trägt zur politischen Instabilität des Landes bei. Die GfbV warnt, dass die zunehmende Einflussnahme der ((Türkei)) die Lage zusätzlich destabilisiert. Diese Eingriffe tragen zur Verschärfung innergesellschaftlicher Spannungen bei und gefährden das fragile Gleichgewicht zwischen den Religionsgemeinschaften.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker beobachtet besonders die Lage der Geflüchteten im Libanon und fordert eine stärkere internationale Unterstützung für deren Schutz und Versorgung. Zudem warnt die GfbV vor einer zunehmenden Gefährdung religiöser Minderheiten, insbesondere der christlichen Gemeinschaften, durch Instabilität und die Radikalisierung der Bevölkerung. Nach Einschätzung der GfbV bedrohen regionale Machtinteressen und die Unterstützung religiös geprägter Milizen das Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die Organisation fordert deshalb verstärkte politische und wirtschaftliche Unterstützung für den Libanon sowie einen besseren Schutz religiöser Minderheiten.
Stand: Mai 2026
Autor: Dr. Kamal Sido Redaktion: Sarah Neumeyer
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Berichte über Zwangsrückführungen: Keine Sicherheit für Rohingya in Myanmar
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt eindringlich vor der drohenden Zwangsrückführung tausender Rohingya aus Malaysia nach Myanmar: „Für die Rohingya gibt es keinen sicheren Ort. Sie fliehen vor Verfolgung durch das Militär und die De-facto-Herrschaft der Arakan Army im Bundesstaat Rakhine in Myanmar. In Malaysia wüten Hetzkampagnen und Inhaftierungswellen gegen sie”, berichtet Mirjam Kobold, GfbV-Referentin für Asien. „Die Zurückdrängung in die weiterhin gefährliche Lage in Myanmar verletzt eindeutig das völkerrechtliche Refoulement-Verbot, das auch für Malaysia gilt.” Neben den mehr als eine Million Rohingya, die seit Jahrzehnten – in immer neuen Fluchtwellen – ohne Perspektive in den Lagern von Cox’s Bazar in Bangladesch festsitzen, registriert das UNHCR rund 126.000 geflüchtete Rohingya in Malaysia. Das Land hat die Genfer Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet.
Europäischer Völkermord-Gedenktag für Sinti und Roma (2.8.): Roma in der Ukraine fordern gleichberechtigtes Gedenken und Unterstützung in der Kriegssituation
Anlässlich des europäischen Völkermord-Gedenktages für Sinti und Roma am 2. August fordern Roma in der Ukraine, dass der Genozid an ihren Vorfahren stärker in das nationale Bewusstsein und in die Erinnerungskultur der Ukraine integriert wird, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) berichtet: „In den von ihnen besetzten Gebieten ermordeten die Nationalsozialisten unsere Vorfahren systematisch: im Distrikt Galizien, im Reichskommissariat Ukraine und in der von der Wehrmacht kontrollierten Zone“, erklärt Natalia Tomenko von der GfbV-Partnerorganisation Youth Agency for the Advocacy of Roma Culture (ARCA), deren Großmutter den Völkermord an den Roma der Ukraine überlebte.