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Maasai

© MISA
Maasai ©MISA

Die indigenen Maasai leben seit Jahrhunderten im Süden Kenias und im Norden Tansanias – unter anderem in der Serengeti, im Ngorongoro-Krater und in Loliondo. Schätzungsweise leben 500.000 bis eine Million Maasai in Ostafrika. Ihre halbnomadische Lebensweise richtet sich nach der Verfügbarkeit von Wasser, den Trockenzeiten und den Wanderrouten der Wildtiere. Diese Lebensweise hat wesentlich zum Erhalt der Ökosysteme und der Artenvielfalt beigetragen und ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer Identität. 

Durch Landenteignungen, Vertreibung und die Einschränkung ihrer Rechte sind die Maasai seit der Kolonialzeit bedroht. 

Um ihre Lebensweise, ihr Land und ihre Rechte zu schützen, wurde die Maasai International Solidarity Alliance (MISA) gegründet. Zu diesem Zusammenschluss von Organisationen und Einzelpersonen aus Tansania und Europa gehört auch die GfbV. In einem regelmäßig erscheinenden Newsletter informiert das Netzwerk über aktuelle Entwicklungen.

Vieh der Maasai lebt in Koexistenz mit Wildtieren. © MISA
Vieh der Maasai lebt in Koexistenz mit Wildtieren. © MISA

Historische Enteignung und koloniale Naturschutzpolitik

Während der deutschen und britischen Kolonialherrschaft wurden große Teile des Maasai-Landes an Siedler*innen verkauft oder zu Nationalparks und Schutzgebieten erklärt. Bis heute bleibt den Maasai der Zugang zu vielen dieser Gebiete verwehrt. Zentral ist dabei das koloniale Ideal des „Festungsnaturschutzes“ – die Vorstellung einer Wildnis ohne Menschen. Weltweit verbreitet wurde dieses Bild unter anderem durch Bernhard Grzimeks Buch und Film „Serengeti darf nicht sterben“. Darin wird Naturschutz als etwas dargestellt, das ohne oder sogar gegen die dort lebenden Menschen funktionieren müsse. Diese Sichtweise ignoriert den nachhaltigen Beitrag der Maasai zur Erhaltung der Savannenlandschaften und dient bis heute als Rechtfertigung für ihre Vertreibung.

Die Bundesrepublik Deutschland finanziert über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beziehungsweise die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mehrere Projekte im Serengeti-Ökosystem in Tansania. Vor Ort werden diese unter anderem von der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft (FZG) und der Tanzania National Parks Authority (TANAPA) umgesetzt. Da diese Akteure an Vertreibungen beteiligt sind, trägt Deutschland in Tansania indirekt zu Menschenrechtsverletzungen bei.

Seit 2022 führen tansanische Sicherheitskräfte in Gebieten wie Loliondo und der Ngorongoro Conservation Area in Tansania vermehrt gewaltsamen Räumungen durch. Dabei zerstören sie Häuser, beschlagnahmen Vieh und verletzen Unbewaffnete. Viele Maasai-Familien fliehen aufgrund der Gewalt nach Kenia oder in andere Regionen und leben dort unter prekären Bedingungen. Nach den umstrittenen Wahlen in Tansania 2025 gab es Berichte über landesweit Repressionen, willkürliche Verhaftungen und militärische Gewalt. Zehntausende Menschen kamen unter anderem durch Schussverletzungen von Sicherheitskräften ums Leben. Minderheiten wie die Maasai sind von dieser staatlichen Gewalt besonders betroffen.

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Traditionelle Bomas der Maasai in Tansania. © MISA
Traditionelle Bomas der Maasai in Tansania. © MISA

Vertreibung der Maasai für den Tourismus 

Offiziell sollen die Räumungen und die Vertreibung der Maasai in Tansania dem Schutz von Tierwanderungen und Ökosystemen dienen. Tatsächlich verlieren die Maasai dadurch jedoch ihre wirtschaftliche und soziale Sicherheit. Schulen, Märkte und Gesundheitsstationen wurden geschlossen – darunter auch der jahrzehntelang aktive Flying Medical Service, der Menschen in entlegenen Gebieten medizinisch versorgte. Seit dessen Einstellung haben Tausende Maasai keinen Zugang mehr zu grundlegender Gesundheitsversorgung. Dieser Entzug zentraler Infrastruktur wirkt als stilles Druckmittel, das Gemeinden zur Aufgabe ihres Landes zwingt.

Tourismusunternehmen, Luxushotels und die Jagdindustrie profitieren von der Vertreibung und den freien Zugängen zu Wasser und Weideflächen. Ranger*innen verweigern Maasai häufig den Zutritt zu ihren Gebieten mit der Begründung, Tourist*innen wollten lieber Wildtiere als Menschen mit ihrem Vieh sehen. Der Vorwurf der „Überbevölkerung“ steht im deutlichen Widerspruch zur geringen Bevölkerungsdichte der Region, während jährlich Millionen Tourist*innen in die Schutzgebiete kommen. Diese Widersprüche zeigen, wie tief koloniale Denkmuster im Naturschutz fortwirken. Nachhaltiger Schutz ist nur möglich, wenn die Rechte derjenigen respektiert werden, die seit Jahrhunderten zum Erhalt dieser Landschaften beitragen.

Bis vor wenigen Jahren stellte der Flying Medical Service den Maasai medizinische Versorgung zur Verfügung. © MISA
Bis vor wenigen Jahren stellte der Flying Medical Service den Maasai medizinische Versorgung zur Verfügung. © MISA

Klimapolitik als neues Instrument der Enteignung

Auch der globale Klimaschutz setzt die Maasai zunehmend unter Druck. Ihre Weideflächen sollen als CO₂-Senken genutzt werden – etwa in Projekten großer Konzerne wie Volkswagen. Durch die Speicherung von Kohlenstoff im Boden soll der CO2-Ausstoß des Unternehmens kompensiert werden. Vorgesehen ist, dass die Maasai dafür über 40 Jahre hinweg ihre Weiden alle zwei Wochen wechseln. Diese Vorgabe ist wissenschaftlich nicht belegt und praktisch nicht mit ihrer traditionellen Lebensweise vereinbar. Seit Generationen passen die Maasai ihre Routen flexibel an Umweltbedingungen und die Bedürfnisse ihrer Tiere an, nicht an externe Vorgaben.

Klimaschutz wird so zu einem neuen Instrument kolonialer Kontrolle. Die Maasai sollen ihre Lebensweise ändern, um Emissionen des Globalen Nordens zu kompensieren. Die Lasten werden auf Gemeinschaften abwälzt, die selbst kaum zur Klimakrise beigetragen haben, während die  eigentlichen Verursacher nahezu unangetastet bleiben.

Maasai-Vision für nachhaltigen Klima- und Naturschutz

Mit der ((Maasai Conservation Vision)) haben Maasai-Vertreter*innen aus 26 Dörfern im Norden Tansanias zudem ein Dokument erarbeitet, das die Ansichten, Hoffnungen und Erwartungen von über 520 Gemeindemitgliedern wiedergibt und Alternativen zu kolonialen Konzepten von Natur- und Klimaschutz aufzeigt. Darin sprechen sie sich ebenfalls gegen Kohlenstoffprojekte aus.

Die GfbV und das MISA-Netzwerk kritisieren die geplanten Kohlenstoffprojekte in Tansania scharf. In einem Bericht von 2025 dokumentiert MISA die Auswirkungen zweier großflächiger Kohlenstoffprojekte auf die Maasai. Darin fordert MISA:

  • einen vollständigen Stopp aller Bodenkohlenstoff-Projekte in Maasai-Weidegebieten bis 2030,
  • eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung und angemessene nationale und internationale rechtliche Rahmenbedingungen.

Stand: März 2026

Autorin: Laura Mahler
Redaktion: Sarah Neumeyer

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