Mauretanien ist ein Wüstenstaat im Nordwesten Afrikas mit rund 4,7 Millionen Einwohner*innen. Trotz der formellen Abschaffung der Leibeigenschaft vor mehr als 30 Jahren besteht moderne Sklaverei in Mauretanien weiterhin fort. Viele Betroffene verrichten unentgeltlich Hausarbeit, hüten Vieh oder arbeiten auf Feldern – oft unter Zwang und ohne Aussicht auf eigene Rechte.
Mauretanien: Warum Sklaverei weiterbesteht
Die Haratin sind historisch in einem gesellschaftlichen System verankert, das sie gegenüber den politisch und wirtschaftlich dominanten Bidhan strukturell benachteiligt. Schätzungen gehen von bis zu 600.000 Menschen in sklavereiähnlichen Verhältnissen aus; rund 90 Prozent davon sind Frauen und Kinder. Kinder von versklavten Müttern gelten weiterhin als Eigentum der „Herren“, sodass sich moderne Sklaverei über Generationen fortsetzt.
Obwohl der offene Handel mit Sklav*innen nicht mehr existiert und Sklaverei seit 2007 strafbar ist, bleibt die erblich weitergegebene Leibeigenschaft in vielen Regionen verbreitet. Die mauretanische Gesellschaft ist von einem ethnischen Pluralismus geprägt, der einer doppelten Logik folgt: Vielfalt einerseits und monolithische Herrschaft andererseits.
Staat und Tradition in Mauretanien: Ein verflochtenes System
In Mauretanien sind Staat und traditionelle Gemeinschaftsstrukturen eng miteinander verflochten. Es besteht eine Verbindung aus Macht, die sich auf traditionelle Strukturen stützen, und religiösem Scheichtum, da diese sozialen Normen selbst nach der Einführung staatlicher Institutionen ihre Autorität bewahrt haben. Dadurch sind staatliche Institutionen oft zu bloßem Dekor ohne tatsächlichen Einfluss geworden. Sie agieren weder fair noch neutral, da Ämter und Positionen so vergeben werden, dass sie die bestehende traditionelle Hierarchie festigen.
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Initiativen zur Befreiung von Menschen aus sklavereiähnlichen Abhängigkeiten scheitern oft an der mangelnden Umsetzung der Anti-Sklaverei-Gesetze. Viele Betroffene bleiben daher weiterhin ohne rechtliche Unterstützung. Menschen, die sich gegen Sklaverei einsetzen, leben in Mauretanien gefährlich. Behörden behindern ihre Arbeit, verweigern die Registrierung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Es werden immer wieder Verhaftungen und Razzien durchgeführt. Einigen Aktivist*innen wurde mit dem Tod gedroht, viele sind daher ins Exil geflohen.
Menschenrechtsaktivist Biram Dah Abeid: Eine Stimme gegen die Sklaverei
Der mauretanische Menschenrechtsaktivist Biram Dah Abeid ist Gründer und Präsident der Anti-Sklaverei-Organisation IRA (Initiative pour la Résurgence du Mouvement Abolitionniste, deutsch: Initiative zur Wiederbelebung der Abschaffungsbewegung). Die Organisation wurde 2008 gegründet und kämpft gegen die religiöse Rechtfertigung der Sklaverei. Sie hat sich seitdem an Sitzstreiks vor dem Justizministerium, Hungerstreiks und Demonstrationen in ganz Mauretanien beteiligt.
Biram Dah Abeid ist eine der prominentesten Stimmen im Kampf gegen moderne Sklaverei. Er will Sklav*innen, die durch Analphabetismus, Armut und geografische Abgeschiedenheit isoliert sind, auf die Möglichkeit eines Lebens außerhalb der Knechtschaft aufmerksam machen. Wegen seines Engagements wird er stark verfolgt. Er wurde mehrfach verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Internationaler Druck führte zu seiner Freilassung im Mai 2016. Immer wieder begleiten europäische Botschafter*innen seine öffentlichen Auftritte, um ihn vor Übergriffen zu schützen. Die GfbV nominierte Biram Dah Abeid 2011 für den Weimarer Menschenrechtspreis und 2013 für den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen. Beide Auszeichnungen wurden ihm verliehen und würdigen sein herausragendes Engagement.
Stand: März 2026
Autorin: Laura Mahler Redaktion: Sarah Neumeyer
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Religiöse Unterdrückung in Syrien: Priester verhaftet, Erzbischof zurückgerudert
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) appelliert an die beiden großen christlichen Kirchen, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Römisch-Katholische Kirche, sowie an den Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Lars Castellucci, Glaubensfreiheit in Syrien als Menschenrecht ernst zu nehmen und sich dafür einzusetzen. Hintergrund ist der Verhaftung des kurdisch-christlichen Priesters Nihad Hasan (46) in Afrin am 20. Juli. Die Region wird seit 2018 von der Türkei besetzt. Inzwischen gibt es Berichte, dass Nihad Hassan nach fast drei Wochen Haft wieder freigelassen wurde.
Berichte über Zwangsrückführungen: Keine Sicherheit für Rohingya in Myanmar
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt eindringlich vor der drohenden Zwangsrückführung tausender Rohingya aus Malaysia nach Myanmar: „Für die Rohingya gibt es keinen sicheren Ort. Sie fliehen vor Verfolgung durch das Militär und die De-facto-Herrschaft der Arakan Army im Bundesstaat Rakhine in Myanmar. In Malaysia wüten Hetzkampagnen und Inhaftierungswellen gegen sie”, berichtet Mirjam Kobold, GfbV-Referentin für Asien. „Die Zurückdrängung in die weiterhin gefährliche Lage in Myanmar verletzt eindeutig das völkerrechtliche Refoulement-Verbot, das auch für Malaysia gilt.” Neben den mehr als eine Million Rohingya, die seit Jahrzehnten – in immer neuen Fluchtwellen – ohne Perspektive in den Lagern von Cox’s Bazar in Bangladesch festsitzen, registriert das UNHCR rund 126.000 geflüchtete Rohingya in Malaysia. Das Land hat die Genfer Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet.
Europäischer Völkermord-Gedenktag für Sinti und Roma (2.8.): Roma in der Ukraine fordern gleichberechtigtes Gedenken und Unterstützung in der Kriegssituation
Anlässlich des europäischen Völkermord-Gedenktages für Sinti und Roma am 2. August fordern Roma in der Ukraine, dass der Genozid an ihren Vorfahren stärker in das nationale Bewusstsein und in die Erinnerungskultur der Ukraine integriert wird, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) berichtet: „In den von ihnen besetzten Gebieten ermordeten die Nationalsozialisten unsere Vorfahren systematisch: im Distrikt Galizien, im Reichskommissariat Ukraine und in der von der Wehrmacht kontrollierten Zone. Die Verbündeten der Nationalsozialisten – die Rumänen unter der Führung von Ion Antonescu – deportierten und ermordeten Roma im Gouvernement Transnistrien, das sie auf dem Gebiet der Ukraine eingerichtet hatten. Roma in Transkarpatien wurden von den Ungarn – einem weiteren deutschen Verbündeten unter der Führung von Miklós Horthy – ermordet“, erklärt Natalia Tomenko von der GfbV-Partnerorganisation Youth Agency for the Advocacy of Roma Culture (ARCA), deren Großmutter den Völkermord an den Roma der Ukraine überlebte.
12. Jahrestag des Völkermordes an den Yeziden (3.8.): Weiter unsichere Situation für Minderheiten im Irak
Anlässlich des 12. Jahrestags des Völkermords an der yezidischen Bevölkerung im Irak durch den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) wirft die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) der deutschen Bundesregierung vor, die Aufarbeitung verschleppt und keine wirksamen Konsequenzen gezogen zu haben. Mit der Anerkennung des Völkermordes durch den Deutsche Bundestag im Jahr 2023 wäre das erforderlich gewesen. „Auch wenn es noch nicht dazu gekommen ist, werden immer wieder Stimmen laut, Yeziden, die Opfer des Völkermordes geworden sind, in den unsicheren Staat Irak abzuschieben“, kritisierte Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der GfbV, am heutigen Donnerstag in Göttingen. „Auch Angehörige christlicher und anderer Minderheiten sind im Irak und dem islamistisch regierten Syrien nicht sicher. Sie aus populistischen Motiven abzuschieben, würde ihr Leben unmittelbar gefährden.“
Anschlag auf den CSD in Berlin: Wer Islamisten hofiert, stärkt sie
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat heute in einem dringenden Appell an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit mit islamistischen Regimen gefordert. Anlass ist der Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day am 25. Juli 2026, der nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation ein Weckruf für die deutsche Außen- und Migrationspolitik sein muss: „Durch ihre laufende Kooperation mit islamistischen Regimen, zum Beispiel in der Türkei, Afghanistan, Katar oder Syrien macht die Bundesregierung den radikalen politischen Islam salonfähig. Ihre Außenpolitik legitimiert und stärkt damit militante Kräfte, die den gesamten Nahen Osten destabilisieren und auch unsere Sicherheit in Deutschland bedrohen“, betont Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV.
Gefangenenaustausch mit Russland vor zwei Jahren (1.8.): Freiheit für indigene Aktivistinnen Daria Egereva und Natalia Leongardt gefordert
Zwei Jahre nach dem Gefangenenaustausch zwischen westlichen Staaten und Russland sowie Belarus am 1. August 2024, bei dem 16 politische Gefangene freigelassen wurden, fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) einen verstärkten Einsatz für politische Gefangene in Russland: „Die indigenen Menschenrechtsverteidigerinnen Daria Egereva und Natalia Leongardt sitzen seit dem 17. Dezember 2025 in russischer Haft und sind wegen angeblichen Terrorismus angeklagt. Die Frauen sind unschuldig, das Verfahren politisch motiviert, die drohenden Haftstrafen drakonisch“, erklärt Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV. „Die Bundesregierung muss sich mit Nachdruck für ihre Freilassung einsetzen. Denn der Gefangenenaustausch vor zwei Jahren hat gezeigt: Zähe Verhandlungen können Erfolg haben. Doch dafür braucht es öffentlichen Druck und politischen Willen. Am 5. August ist der nächste Verhandlungstermin in Moskau. Es geht um die Verlängerung der Untersuchungshaft. Die Tage davor sollten für verstärkte diplomatische Initiativen genutzt werden, fordert Reinke.