Die Shabak (auch Schabak) sind eine ethnisch-religiöse Minderheit im Nordirak, deren Name sich vom arabischen Wort „shabaka“ ableitet – „sich verflechten“. Dieser Begriff beschreibt treffend ihre Geschichte: Die Minderheit setzt sich aus verschiedenen Gemeinschaften zusammen und vereint unterschiedliche kulturelle und religiöse Einflüsse.
Die Shabak leben vor allem in einigen Dörfern östlich von Mossul in der Ninive-Ebene sowie in kleinerer Zahl direkt in der Stadt Mossul. Auch wenn viele sich zum Kurdentum bekennen, verstehen sich die meisten von ihnen als eigenständige ethnische Gruppe – also weder als Araber*innen noch als Kurd*innen.
Shabak: Seit dem 16. Jahrhundert im Irak
Ihre Sprache, Shabaki, vereint Einflüsse aus dem Türkischen, Persischen, Kurdischen und Arabischen. Die Gemeinschaft existiert seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts im heutigen Irak und umfasst heute etwa 250.000 Menschen, von denen die meisten als Landwirt*innen tätig sind.
Über 70 Prozent der Shabak sind schiitisch, etwa 30 Prozent sunnitisch – ein Verhältnis, das unter anderem auf historische Zwangsbekehrungen zum Sunnitentum im 19. Jahrhundert zurückgeführt wird. Sie haben neben dem Koran ein weiteres heiliges Buch, das „Buyruk“. Es besteht aus zwei Teilen und soll ursprünglich in Zentralasien verfasst worden sein. Ähnlich wie bei den Yezid*innen und Alevit*innen/Alawit*innen ist die Gesellschaft der Shabak spirituell hierarchisch organisiert: Jeder Erwachsene ist einem geistlichen Führer, einem sogenannten „Pir“, aus einem bestimmten Gemeinschaft zugeordnet.
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Gerade diese kulturelle Vielfalt führt jedoch bis heute dazu, dass die Shabak von außen vereinnahmt oder fälschlicherweise anderen Gruppen zugerechnet werden – etwa den Kurd*innen, Araber*innen oder Turkmen*innen. Ihre eigene Identität wird dadurch politisch und gesellschaftlich oft unsichtbar gemacht.
Ihre Heimaregion, die Ninive-Ebene, ist seit Jahren von Konflikten geprägt. In diesem fragilen Umfeld gehören sie zu den besonders schutzlosen Minderheiten. Wiederholt wurden sie Opfer von Gewalt, Vertreibung und gezielten Angriffen.
Terrorherrschaft des IS im Irak
Insbesondere während der Terrorherrschaft des „Islamischen Staates“ (IS) von 2014 bis 2017 gerieten die Shabak – wie auch andere Minderheiten – ins Visier extremistischer Gewalt. Viele wurden vertrieben, ihre Dörfer zerstört, ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Noch heute sind zahlreiche Angehörige der Gemeinschaft auf der Flucht oder leben unter unsicheren Bedingungen.
Auch nach dem militärischen Zurückdrängen extremistischer Gruppen hat sich die Lage der Shabak kaum nachhaltig verbessert. Die Region bleibt politisch umkämpft, verschiedene Akteure ringen um Einfluss. In diesem Machtgefüge geraten Minderheiten wie die Shabak häufig zwischen die Fronten – ohne ausreichenden Schutz durch staatliche Institutionen.
Gleichzeitig fehlt es an politischer Repräsentation und langfristigen Strategien zum Schutz ihrer Rechte. Die Folge ist eine fortdauernde Marginalisierung, die sich in fehlender Sicherheit, eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten und unzureichender Anerkennung ihrer kulturellen Identität zeigt. Ohne gezielte Schutzmaßnahmen droht den Shabak ihre weitere Verdrängung und langfristig auch der Verlust ihrer kulturellen Existenz.
Stand: Juni 2026
Autor: Kamal Sido Redaktion: Sarah Neumeyer
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