Der Sudan liegt in Nordostafrika und ist mit einer Fläche von rund 1,9 Millionen Quadratkilometern das drittgrößte Land Afrikas. Er grenzt an sieben Staaten: Ägypten, Libyen, Tschad, die Zentralafrikanische Republik, den Südsudan, Äthiopien und Eritrea. Im Norden wird das Land vom Roten Meer begrenzt.
Sudan: Eines der ärmsten Länder der Welt
Im Sudan leben etwa 50 Millionen Menschen, die sich auf über 500 ethnische Gruppen verteilen. Die größten Gruppen sind sudanesische Araber*innen (etwa 70 Prozent), gefolgt von Schwarzen Ethnien wie den Fur, Beja, Nuba, Masalit, Zaghawa und Fallata. Amtssprachen sind Arabisch und Englisch. Die Mehrheit der Bevölkerung ist sunnitisch-muslimisch, es gibt jedoch auch christliche und traditionelle Glaubensgemeinschaften.
Der Sudan verfügt über bedeutende Rohstoffvorkommen, darunter Gold, Öl und fruchtbare Agrarflächen. Dennoch gehört das Land zu den ärmsten Ländern der Welt. Der seit 2023 andauernde Bürgerkrieg im Sudan sorgt für chronische Instabilität der stark agrarisch geprägten Wirtschaft.
Geschichte des Sudan
Die Geschichte des Sudan ist geprägt von Kolonialherrschaft, innerstaatlichen Konflikten und kurzen Phasen der Hoffnung auf Demokratie. Ab dem 19. Jahrhundert stand das Gebiet unter osmanisch-ägyptischer, später unter britischer Herrschaft. Die Briten förderten die Spaltung zwischen dem arabisch-islamischen Norden und dem afrikanisch geprägten Süden. Das Zentrum um Khartum wurde bevorzugt, Regionen wie Darfur und der heutige Südsudan wurden vernachlässigt. Die Folgen dieser Kolonialpolitik prägen die Konflikte im Sudan bis heute. 1956 erlangte der Sudan die Unabhängigkeit, auf die Jahrzehnte der Instabilität folgten. Der Norden und der Süden kämpften in zwei Bürgerkriegen gegeneinander (1955–1972 und 1983–2005). 2011 spaltete sich der Südsudan dann offiziell ab. Der anhaltende Konflikt in Darfur, der 2003 begann, mündete in einen Völkermord an den nicht-arabischen Bevölkerungsgruppen.
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Krieg im Sudan: Keine politische Lösung in Sicht
2019 stürzten Massenproteste den Langzeitdiktator Omar al-Bashir, der das Land 30 Jahre lang regiert hatte. Eine zivil-militärische Übergangsregierung sollte den Weg zu Demokratie und Wahlen ebnen, doch 2021 putschte das Militär erneut. Seit April 2023 tobt ein brutaler Krieg, der auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen wird und zwischen der sudanesischen Armee (SAF) unter General Abdel Fattah al-Burhan und der paramilitärischen Gruppe „Rapid Support Forces“ (RSF) unter Mohammed Hamdan Daglo („Hemedti“) begonnen hatte. Beide Seiten werden von regionalen und internationalen Akteuren unterstützt, was den Konflikt weiter anheizt.
Der Sudan ist aktuell de facto in zwei Machtblöcke gespalten: Die RSF kontrollieren weite Teile des Westens und Südens, darunter Darfur, während die SAF den Norden und Teile der Hauptstadt halten. Friedensverhandlungen scheitern wiederholt, eine politische Lösung ist nicht in Sicht. Verschiedene Akteure, darunter die UN, die Afrikanische Union und regionale Mächte wie ((Ägypten)), ((Saudi-Arabien)) und die Vereinigten Arabischen Emirate, versuchten zu vermitteln – bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Die RSF werden vor allem von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt, die SAF von Ägypten und anderen arabischen Staaten.
Größte humanitäre Krise der Welt
Die humanitäre Krise im Sudan ist die größte der Welt: Rund zwei Drittel der Bevölkerung – etwa 33,7 Millionen Menschen – sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Über zwölf Millionen sind auf der Flucht, darunter 7,3 Millionen Binnenvertriebene. Besonders betroffen ist die Region Darfur, wo die RSF systematisch Gewalt gegen die Zivilbevölkerung ausüben. Die UN warnen vor einer drohenden Hungersnot: 4,2 Millionen Menschen leiden an akuter Mangelernährung. 800.000 Kinder sind aufgrund der Unterernährung in Lebensgefahr. Krankenhäuser und Hilfsorganisationen werden regelmäßig angegriffen, die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten ist in vielen Regionen zusammengebrochen.
Kriegsverbrechen im Sudan
Die Menschenrechtssituation ist katastrophal.Beide Seiten werden beschuldigt, Kriegsverbrechen zu begehen, darunter Massenhinrichtungen, Vergewaltigungen und die gezielte Vertreibung von Zivilist*innen, wobei die RSF-Miliz mit besonderer Grausamkeit vorgeht. Ethnische und religiöse Minderheiten, insbesondere als afrikanisch gelesene Gemeinschaften in Darfur, werden systematisch verfolgt, vertrieben und ermordet. Zivile Ziele wie Geflüchtetenlager und Krankenhäuser, Felder und Dörfer werden gezielt angegriffen. Für diese Verbrechen sind überwiegend jedoch nicht ausschließlich die RSF verantwortlich. Nach der Rückeroberung von Khartum nahmen die SAF Rache an der Zivilbevölkerung.
Nach Analysen und Einschätzungen der GfbV, aber auch vieler internationaler Beobachter wie der UN-Fact-Finding-Mission für den Sudan haben die RSF in der Hauptstadt von West-Darfur, El Geneina, im April 2023 und bei der Belagerung und Eroberung von El Fasher im Oktober 2025 Völkermord begangen. Die UN spricht im Falle von El Fasher von bis zu 70.000 Getöteten. Frauen und Mädchen sind besonders von sexualisierter Gewalt betroffen.
Zivilgesellschaftliche Gruppen, die sich für Frieden und Demokratie einsetzen, werden unterdrückt. Die Revolution von 2019, die von Frauen und jungen Menschen getragen wurde, zeigte kurzzeitig Fortschritte – etwa die Abschaffung der Scharia und die Stärkung von Frauenrechten. Doch der aktuelle Krieg hat diese Errungenschaften zunichtegemacht. Trotzdem sind es gerade zivilgesellschaftliche Akteure wie die Partnerorganisation der GfbV, die Bana Group for Peace and Development, sowie die Emergency Response Rooms, die die humanitäre Versorgung aufrechterhalten und die vom Krieg betroffene Zivilbevölkerung so gut es geht schützen und unterstützen. Viele Aktivist*innen sind aus dem Sudan geflohen oder wurden ermordet.
Stand: Mai 2026
Autorin: Sarah Reinke
Redaktion: Sarah Neumeyer
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