Der Südsudan liegt in Ostafrika und ist ein Binnenstaat, der im Norden an den Sudan, im Osten an Äthiopien, im Südosten an Kenia, im Süden an Uganda und im Südwesten an die Demokratische Republik Kongo grenzt. Die Bevölkerung setzt sich aus über 60 ethnischen Gruppen zusammen, darunter die Dinka, Nuer, Shilluk und Toposa. Die Vielfalt der Volksgruppen prägt das Land, führt aber auch immer wieder zu Spannungen und Konflikten.
Südsudan: Unabhängig nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg
Der Südsudan erlangte am 9. Juli 2011 nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs gegen den Norden die Unabhängigkeit vom Sudan. Die beiden Bürgerkriege (1955–1972 und 1983–2005) waren geprägt von der strukturellen Unterdrückung der nicht-muslimischen Bevölkerung im Süden durch die Zentralregierung in Khartum. Nach einem Referendum 2011, bei dem sich 98,8 Prozent der Bevölkerung für die Unabhängigkeit aussprachen, wurde der Südsudan zum jüngsten Staat der Welt.
Doch die Hoffnung auf Frieden erfüllte sich nicht: Bereits 2013 brach ein interner Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem damaligen Vizepräsidenten Riek Machar aus, der in einen blutigen Bürgerkrieg mündete. Trotz mehrerer Friedensabkommen (2015, 2018) und der Bildung einer Übergangsregierung bleibt die Lage fragil. Die für 2024 geplanten Wahlen wurden mehrfach verschoben, zuletzt auf Dezember 2026. Die politische Elite nutzt die Einnahmen aus der Ölförderung, um ihre Macht zu sichern, während die Bevölkerung unter Armut und Gewalt leidet.
Humanitäre Katastrophe im Südsudan
Die humanitäre Lage im Südsudan ist katastrophal. Über 7,5 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die UN warnen regelmäßig vor Hungersnöten, die durch Dürren, Überschwemmungen und den anhaltenden Konflikt verschärft werden.
Viele Menschen fliehen in Geflüchtetenlager im eigenen Land oder in Nachbarstaaten wie Uganda, wo das Lager Bidi Bidi zu den größten der Welt gehört. Die Analphabetenrate in ländlichen Gebieten liegt bei über 85 Prozent, die Gesundheitsversorgung ist völlig unzureichend. Die Zivilbevölkerung leidet unter wahlloser Gewalt, Luftangriffen, gezielten Tötungen, Entführungen und sexualisierter Gewalt.
Ohne starke Verbündete ist unsere Arbeit nicht möglich!
Ihre Spende sorgt dafür, dass wir Betroffene vor Ort stärken, Missstände dokumentieren und politischen Druck aufbauen können – konsequent, unabhängig und solidarisch.
Jeder Euro zählt – jeder Euro schützt.
UN warnen vor Genozid im Südsudan
Kleinere ethnische Gruppen wie die Nuer, Shilluk und Toposa fürchten, von der Dinka-Mehrheit vertrieben oder vernichtet zu werden. Es gab bereits gezielte Massaker an Minderheiten. Die UN warnen vor einem drohenden Genozid.
Schwere Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen
Sowohl Regierungstruppen als auch bewaffnete Gruppen begehen schwere Menschenrechtsverstöße: dazu zählen willkürliche Verhaftungen, Folter, Massenvertreibungen, die Zerstörung ziviler Infrastruktur, die Rekrutierung von Kindersoldaten und außergerichtliche Hinrichtungen. Die UN-Mission UNMISS hat den Schutz der Zivilbevölkerung als Kernaufgabe, doch ihr Einfluss ist begrenzt.
Frauen sind besonders von Gewalt betroffen: Sie werden häufig Opfer von Vergewaltigungen, Zwangsheirat und sexueller Versklavung. Trotz formaler Gleichberechtigung in der Verfassung sind Frauen in der Politik unterrepräsentiert und in der Gesellschaft oft rechtlos.Korruption und Straflosigkeit prägen das Land, hochrangige Verantwortliche für Kriegsverbrechen bleiben ungestraft. Internationale Sanktionen und ein Waffenembargo konnten die Gewalt bisher nicht stoppen. Die internationale Gemeinschaft fordert eine sofortige Einstellung der Kämpfe und die Einhaltung des humanitären Völkerrechts, doch die Konfliktparteien ignorieren diese Appelle.
Stand: Mai 2026
Autorin: Sarah Reinke
Redaktion: Sarah Neumeyer
Wofür wir uns einsetzen
Ihre Ansprechpartnerin

Sarah Reinke
Geschäftsführerin Menschenrechtsreferate
E-Mail: s.reinke@gfbv.de
Telefon: +49 551 49906 13





