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Aktuelles Publikationen Durchbruch am Knüppelfreitag

Westfriesen in den Niederlanden

Durchbruch am Knüppelfreitag

aus: Pogrom 249-250, 4-5 | 2008
Der 16. November 1951 war „Kneppelfreed“, was auf Friesisch soviel bedeutet wie Knüppelfreitag. An diesem Tag, der in die friesische Geschichte eingehen sollte, wurde eine aufgebrachte Menge Friesen, die sich vor dem Gerichtsgebäude in Leeuwarden (friesisch: Ljouwert), der Hauptstadt der Provinz Westfriesland, versammelt hatte, von der Polizei unter Einsatz von Schlagstöcken und Wasserwerfern auseinander getrieben. Das klingt nicht besonders angenehm – und war es wohl auch für viele der Beteiligten am bewussten Tag auch nicht – verhalf aber letzten Endes dem Anliegen der Protestierenden zum Durchbruch. Knüppelfreitag Ausgangspunkt für die Ereignisse des Knüppelfreitag war ein Prozess gegen den Journalisten Fedde Schurer, der in der Zeitung „Friese Koerier“ kritisch die Amtsführung des Richters Mijnheer Wolthers kommentiert hatte. Dieser war innerhalb kurzer Zeit zwei Mal mit Entscheidungen auffällig geworden, die die friesische Sprache diskriminierten. Im ersten Fall hatte er einen Milchmann verurteilt, der seine Waren nur in friesischer Sprache ausgezeichnet hatte. Im zweiten Fall hatte er einem wegen einer Verkehrswidrigkeit vor Gericht stehenden Tierarzt untersagt, sich auf Friesisch zu verteidigen. Schurer bezeichnete dieses Vorgehen des Richters als „kindisch und schikanös“. Daraufhin wurde gegen ihn Anklage wegen Beleidigung erhoben. Der Prozess schlug schon im Vorfeld einige Wellen, so dass man einen großen Andrang von Vertretern der friesischen Volksgruppe befürchtete. Um dem zu begegnen, wurde der Prozess in einem kleinen Saal geführt. Als Folge sammelte sich eine stetig wachsende Zahl Prozessinteressierter vor dem Gerichtsgebäude und begann zu skandieren: „Wir wollen Schurer sehen!“ Der zuständige Staatsanwalt geriet daraufhin in Panik und veranlasste die Polizei, den Platz mit Gewalt zu räumen. Der Knüppelfreitag löste in der friesischen Öffentlichkeit wütende Reaktionen aus. Das hinderte die Staatsanwaltschaft aber nicht daran, weiter Öl ins Feuer zu gießen. Als Reaktion auf eine Protestschrift, die sich vehement gegen ihr Vorgehen am wandte, führte sie eine nächtliche Razzia durch, in deren Rahmen sogar minderjährige Schüler aus ihren Betten gezerrt wurden.

Zweite Staatssprache

Die Lage eskalierte so weit, dass die niederländische Regierung, einen Aufstand der Friesen befürchtete. Sie entsandte daraufhin zwei Minister, die zwei Wochen damit verbrachten, die Wogen im nördlichen Landesteil wieder zu glätten. Vor allem aber beschloss sie, die Hauptforderungen der friesischen Bewegung zu erfüllen und dem Friesisch offiziellen Status zu verleihen. 1955 wurde es offizielle Amts und Unterrichtssprache in der Provinz Friesland, 1956 zweite offiziellen Gerichtssprache. 1992 schließlich unterzeichneten die Niederlande die Europäische Charta der Regional- und Minderheitssprachen und 1995 das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten. Damit haben die Friesen das Recht, sich im gesamten Rechtsverkehr ihrer Sprache zu bedienen. Friesisch ist heute – womit zu Zeiten des Kneppelfreed kaum jemand zu rechnen gewagt hätte – offiziell zweite Staatssprache.

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