Göttingen
Update Oktober 2006
EINLEITUNG
Schon unter dem Regime von Saddam Hussein diskriminiert und bedroht, sind kleine religiöse Minderheiten im Irak auch nach dessen Zusammenbruch nicht vor Verfolgung sicher. Die Radikalisierung einzelner muslimischer Bevölkerungsgruppen führte sogar zu einer Zunahme von Übergriffen auf Minderheiten wie die Mandäer, die als „unrein“ angesehen werden. Auch die Situation der Christen, Juden, Baha`i und Yeziden ist von Unsicherheit und Angst vor religiös motivierter Diskriminierung gekennzeichnet. Der Mandäismus ist die älteste noch existierende gnostische Religion (von griechisch „gnosis“, Erkenntnis). Wann genau sie entstanden ist, ist unter Religionswissenschaftlern immer noch umstritten. Johannes den Täufer (mandäisch Jahia – Jehana) spielt in der Religion der Mandäer eine zentrale Rolle. Er ist ihr Prophet. Die Religion an sich ist jedoch älter als die Person Johannes der Täufer. Ihre Schöpfungsgeschichte ist mit Adam und Eva als erstem Menschenpaar der jüdisch-christlichen sehr ähnlich. Eines ihrer wichtigsten Rituale ist die Taufe.
Einige im Exil lebende Mandäer haben sich aus Sorge um die mandäische Gemeinde im Irak mit der Bitte um Unterstützung an die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) gewandt. Größere Gemeinden der Mandäer gibt es in Schweden, Australien, den USA und Kanada. Die Situation der etwa 800 in Deutschland lebenden Mandäer aus dem Irak ist nicht sicher. Die meisten von ihnen haben in den 90er Jahren eine Anerkennung als politisch Verfolgte bekommen, nun wurden jedoch Widerrufsverfahren eingeleitet. Die Mandäer werden zwar vorläufig nicht in den Irak zurückgeschickt, haben aber häufig nur eine Duldung, d.h. die Aussetzung der Abschiebung und keine sichere Perspektive für sich und ihre Kinder. Rund 10.000 Mandäer leben im Iran, wo sie unter dem Regime des neuen Präsidenten Machmud Ahmadinedschad verfolgt werden. Mit Hilfe dieses Memorandums sollen ihre Herkunft, Religion und die momentane Situation beleuchtet, sowie mögliche Perspektiven aufgezeigt werden.
Im Laufe der Jahre 2005 und 2006 wurde die Situation der Mandäer im Irak immer bedrohlicher. Es gab viele Fälle von Morden, Vergewaltigungen und Entführungen. Um Daten über die Situation der Mandäer zu sammeln, entsandte die GfbV im Januar 2006 den Vorsitzenden des Gesamtvereins der Mandäer in Deutschland nach Syrien, wo ein großer Teil der mandäischen Flüchtlinge aus dem Irak Zuflucht gesucht hat. Das Ziel der Reise war, sowohl die Gründe für die Flucht aus dem Irak als auch die Lage im Aufnahmeland Syrien zu erfragen. Die Ergebnisse seiner Recherchereise und schriftliche Belege über Verbrechen an den Mandäern werden unter Punkt 1.3. vorgestellt.
1. MANDÄER HEUTE
1.1. Zahlen
Die GfbV geht mit anderen Organisationen von rund 50.000 Personen aus. 15.000 leben als Flüchtlinge in Europa. 1.500 leben in den USA, 1.000 in Kanada und rund 4.000 in Australien. Große Flüchtlingsgruppen gibt es in Syrien (1750 Familien, diese Zahl steigt kontinuierlich an), 500 Familien leben in Jordanien, 50 Familien in Jemen, einige in Jordanien und in Indonesien gibt es 23 Mandäer. Nach Informationen von mandäischen Organisationen leben nur mehr 4.000 bis 5.000 Mandäer im Irak. In den 1970er Jahren wurde die Zahl der Mandäer im Irak von Prof. Dr. Sabih Al-Sohairy, Professor für Semitistik mit Schwerpunkt Mandäisch an der Universität Bagdad, auf ca. 30.000 geschätzt. Dies entspricht einem Prozentsatz von damals etwa 0,015 an der irakischen Gesamtbevölkerung und deckt sich mit den Angaben Saidis.
1.2. Heutige Situation im Irak
Seit dem Sturz Saddam Husseins 2003, ist die Situation der Mandäer noch bedrohlicher geworden. Morde an Mandäern, Vergewaltigungen von mandäischen Frauen und Mädchen, öffentliche Demütigungen, Entführungen und Zwangskonvertierungen haben in jüngster Zeit zugenommen.
Im Irak wird die Vergewaltigung einer Mandäerin nicht bestraft, denn nach vorherrschender muslimischer Überzeugung gehört dies zur Reinigung der Ungläubigen und gilt somit nicht als Verstoß gegen das Recht. Vergewaltigungsopfer erfahren hier keine Gerechtigkeit.
Desweiteren nehmen Berichte über diskriminierende Maßnahmen und Schikanen gegen Mandäer zu: grundlose Entlassungen, Hausenteignungen, Verhaftungen, Ausschluss aus Regierungsämtern und andere diskriminierende Maßnahmen werden gemeldet.
Die Frauen wurden gezwungen, Kopftücher zu tragen. Junge Männer mussten während des letzten Irakkrieges den Militärdienst antreten und der Regierung dienen, obwohl ihnen ihre Religion das Töten strengstens verbietet.
Mittlerweile sehen sich Mandäer nicht selten gezwungen, ihre eigene Religion, ihre eigene Tradition zu leugnen, was gemäß ihrer Lehren einer der größten Sünden gleichkommt. Sie konvertieren „freiwillig“ zum Islam und nehmen aus Angst vor Verfolgungen und Demütigungen muslimische Namen an. Wer dies nicht freiwillig tut, wird dazu gezwungen. Der Shiiten-Führer und Jurist Ayatollah Al-Hakeem verbreitete 2003 auf seiner Homepage, dass die Mandäer entweder getötet oder zum Islam gezwungen werden müssen.
Die antimandäische Agitation zeigt ihre Wirkung und veranlasst die muslimische Bevölkerung zu neuen Greueltaten an Mandäern:
Am 10. Oktober 2006 wurde ein mandäischer Geistlicher in seinem Haus von extremistischen Muslimen ermordet.
Am 5. Juli 2006 zwischen 10 Uhr und 10:30 Uhr passierte ein Wagen mit dem geistlichen Oberhaupt der Mandäer, Ganzevra Sattar Jabbar Hilo Al-Zahrony und seinem Bruder Tarmida Karim Jabbar Hilo al-Zahrony, der ebenfalls Geistlicher ist, durch einen Kontrollpunkt der irakischen Armee in der El Knat Straße in Bagdad. Wenige Meter weiter wurde der Wagen angehalten. Die beiden Geistlichen wurden durch die Autofenster aus dem Wagen gezerrt. Die Täter schleiften die Männer an ihren Bärten über die Straße. Die Nationalgarden, die den Kontrollposten bewachten, sahen dem Verbrechen zu, ohne einzugreifen. Die Täter hielten eine Pistole an den Kopf von Tarmida Karim und schrieen „Tötet ihn, tötet ihn!“. Die beiden Männer wurden zu einer leer stehenden Schule geschleppt. Ihnen wurde gesagt, sie sollten hier warten, bis sie erschossen würden. Einige Zeit später kam ein irakischer Offizier in die Schule. Er erkannte das geistliche Oberhaupt der Mandäer und schickte die beiden Männer nach Hause. Tarmida Karim leidet an einer Herzschwäche und hatte nach der Misshandlung einen Zusammenbruch. Seine schwangere Tochter, die während des Zusammenbruchs zugegen war, bekam starke Blutungen. Im April 2006 hatte eine weitere Gruppe versucht, Ganzevra Sattars 17-jährigen Sohn zu entführen. Ganzevra Sattar hat angesichts der Bedrohung der Mändäer im Irak Gespräche mit Vertretern der irakischen Regierung und auch mit Repräsentanten der Schiiten und Sunniten im Irak gesprochen und um Schutz gebeten. Leider scheint es, als hätten diese Gespräche das Gegenteil bewirkt und noch mehr Aufmerksamkeit auf die Mandäer gelenkt.
In den letzten Monaten wird über eine starke Zunahme an Vergewaltigungen von mandäischen Frauen und Mädchen in ihren Häusern und Wohnungen berichtet. Die Täter sagen zu den Opfern, sie seien nun „gereinigt“ und könnten ins Paradies kommen. Vor wenigen Wochen wurde die Tochter eines Mandäers entführt und zur Heirat mit einem Muslim gezwungen. Der Muslim nannte sich „Emir“, weil er zehn „Ungläubige“ getötet hatte. Dem Vater wurde gesagt, er solle diese Tochter vergessen, sonst drohe seinen vier weiteren Töchtern das gleiche Schicksal.
Am 2. Juli 2005 wurde Hadeel Samir Aodaa verschleppt und von mehreren ihrer Peiniger wiederholt vergewaltigt. In ihrem Krankenhausbericht heißt es: „Sie war traumatisiert, hatte Verletzungen auf dem Bauch, auf dem Rücken, Schnitte, Risse und Wunden in der Vulva, Verbrennungen zweiten Grades auf dem linken Bein.“ Hadeel Samir Aodaa war schon vor diesem Verbrechen Opfer von Verfolgung geworden. Immer wieder wurde sie am Telefon bedroht. Ihr wurden Drohbriefe zugesandt. Auf offener Straße wurde sie angegriffen. Auch die US-Zeitschrift „Christianity Today“ weist in ihrer Ausgabe vom April 2005 auf Vergewaltigungen von mandäischen Frauen hin: „Bewaffnete greifen Mandäer an, ohne dass sie Strafen fürchten müssen. Sie konzentrieren sich darauf, mandäische Frauen und Mädchen zu verschleppen, sagt die 23-jährige Shayma, die selbst Opfer von Entführung und Vergewaltigung wurde. Sie wurde auf ihrem Weg zum Einkaufen im Bagdader Viertel Zayoona gekidnappt. Dann wurde sie irgendwohin aufs Land gebracht, acht Tage lang wiederholt vergewaltigt und gefoltert. Die Kidnapper verlangten ein Lösegeld von 10.000 US-Dollar. „Als sie mich misshandelten, riefen sie, „Du bist eine Ungläubige! Dein Leben, alles was du besitzt, gehört uns!“, berichtet Shayma.
Am 22.7.2005 wurde Rawdha Salomi Abdullah (53) verschleppt und ermordet. Im Polizeibericht gab ihr Bruder zu Protokoll: „Am Freitag, 22.7.2005 wurde meine Schwester von Unbekannten gekidnappt. Die Täter riefen mich an und sagten mir, sie hätten meine Schwester in ihrer Gewalt. Wir verabredeten, dass ich am 27.7. auf einem Platz in der Nähe meines Hauses das Lösegeld übergeben sollte. Nachdem sie das Geld in Empfang genommen hatten, sagten sie mir, ich solle in einer Stunde wiederkommen, um meine Schwester zu treffen. Es war 7:30 Uhr morgens und ich wartete eine Stunde und kam dann wieder. Ich fand den Leichnam meiner Schwester Rawdha.“ Im Autopsiebericht ist zu lesen: „Der Leichnam des Opfers war von Schüssen durchlöchert. Es gab mindestens fünf Schusswunden, das Kaliber der Tatwaffe ist 9 mm.“
Moaayad Ibrahim Mehsen wurde am 18.4.2005 ermordet. Am 6.7.2005 wurde der Juwelier Khalil A. Khalil aus seinem Geschäft in der Al-Rosyeenstraße gekidnappt. Die Täter trugen Waffen und waren maskiert. Sie stahlen den Schmuck aus seinem Geschäft, sowie das Bargeld. Nachdem Sie Khalil A. Khalil in ihrer Gewalt hatten, begannen sie ihn zu foltern. Nach seiner Freilassung, musste er sich in ärztliche Behandlung begeben. In dem Attest heißt es „Khalil A. Khalil suchte meine Klinik auf. Er hatte Wunden, Blutergüsse und blutete an verschiedenen Stellen seines Körpers besonders auf dem Rücken, an den Händen und den Beinen. Er war schwer zusammengeschlagen worden.“
Am 10.8.2005 wurde Nwar Menim Mohy (15) erschossen. Tareq Kh. Mohi wurde am 14.8.2005 in Al-Ramadi, einer Stadt etwa 100km von Bagdad entfernt, ermordet. Sein Leichnam wurde am 19.8.2005 aufgefunden. Seine Tochter Zena Tareq Kh. Mohi ist seit dem 11.7.2004 „verschwunden“. Tareq Al-Khamesi wurde am 19.8.2005 ermordet. Am selben Tag wurde auch der 15-jährige Nwar Al-Khamesi getötet.
Weitere Opfer sind:
Mohaned Naseem Hammady Al-Ashi, ermordet am 3.6.2005 in Bagdad
Haithem MahdiSalih Gailan, ermordet am 2.7.2005 in Bagdad
Mowafq Khayad Jaber und sein Sohn, entführt am 6.7.2005 in Bagdad
Khaled Walid Tajeh, entführt am 6.7.2005 in Bagdad
Riad Dakhil Hamady, ermordet am 7.7.2005 in Basrah
Samer Said Wadi, ermordet am 12.7.2005 in Faluja
Mazin Hameed Al-Saifi, ermordet am 27.7.2005 in Faluja
Khaled Liewas Al-Bisharah, entführt am 3.8.2005 in Bagdad
Es liegen zahlreiche Berichte darüber vor, dass Mandäer in Drohbriefen oder Drohanrufen dazu aufgefordert werden, entweder ihre Religion zu wechseln, d.h. zum Islam zu konvertieren oder das Land zu verlassen. Etwa 1.000 Familien sollen bis Januar 2006 nach Syrien oder Jordanien geflüchteten sein. Die britische Nachrichtenagentur BBC berichtet am 20.9.2005 unter dem Titel „Iraq chaos threatenes ancient faith“ (Chaos im Irak bedroht alte Religionsgemeinschaft) über die Lage der Mandäer. Nachdem ihr Familienoberhaupt von irakischen Extremisten getötet und ihre Wertgegenstände geraubt worden waren, flüchtet die Familie von Ibtisam Sabah Habib nach Syrien so die BBC. Der Text eines Flugblatts, welches an mandäische und christliche Haushalte verteilt wurde, wird mit folgenden Worten zitiert: „Entweder ihr nehmt den Islam an und lebt so unter uns oder ihr verlasst unser Land und beendet das Spiel mit unseren Werten. Anderenfalls wird das Schwert der Richter zwischen Glauben und Blasphemie uns trennen.“ Nach Angaben der BBC, die noch weitere Fälle ermordeter und gefolterter Mandäer beschreibt, leben im Moment nur noch 13.000 Mandäer im Irak.
Zur Frage nach der innerstaatlichen Fluchtalternative Nordirak ist die GfbV nach eigenen Recherchen äußerst skeptisch und kommt zu dem Schluss, dass es für die Mandäer im Moment solch eine Fluchtalternative nicht gibt. Dem liegen zwei Überlegungen zu Grunde: In den letzten Monaten haben die Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Arabern um die Vorherrschaft in verschiedenen Orten und Regionen des Nordirak zugenommen. Da man nicht davon ausgehen kann, dass Kurden zwischen den einzelnen Glaubensrichtungen im Irak differenzieren, werden sie die Mandäer, die ja eine der kleinsten Minderheiten überhaupt darstellen, höchstwahrscheinlich den Arabern zuordnen und sich gegen sie wenden. Zum zweiten ist die Sicherheitslage im Nordirak, obgleich besser als in den übrigen Teilen des Irak, nicht dergestalt, dass eventuell abgelehnte Asylbewerber dort eine Möglichkeit fänden ohne Gefahr für Leib und Leben eine neue Existenz aufzubauen. Außerdem sind die kurdischen Provinzen ohnehin mit der Aufnahme von Zehntausenden Christen aus dem Südirak überfordert.
„Verbrennt den dreckigen Ungläubigen“, riefen die muslimischen Männer nach dem Sturz Saddams 2003, als sie einen siebenjährigen mandäischen Jungen bei lebendigem Leib verbrannten (SMAA3). Karam Majeed, der eine Organisation zum Schutz mandäischer Kultur gegründet hat, stuft Gewalttätigkeiten dieser Art als höchst bedenklich ein. Anhänger einer Religion als „unsauber“ zu bezeichnen, hat in islamischen Ländern zur Folge, dass jene, die damit in Verbindung gebracht werden, als vogelfrei gelten. Muslime können Mandäer auf offener Straße ermorden und fühlen sich weniger als Täter, als vielmehr als Wohltäter.
Die SMAA berichtet von einem schrecklichen Vorfall in Hay Al-Shurta, einem Vorort von Bagdad. Dort wurde Rafid Al-Khamisy am 20. Dezember 2003 von Moslems gezwungen, seine Religion zu verleugnen und zum Islam überzutreten. Als er sich weigerte, wurde er von muslimischen Mitbürgern getötet. Dies geschah in aller Öffentlichkeit.
In Falluja wurden, laut Berichten der SMAA, 35 Familien im Januar 2004 zwangskonvertiert. Vor allem Frauen und Kinder sind hier die Leidtragenden. Berichten von Erica Hunter zufolge, die sich im Zuge ihrer Professur an der Universität von Melbourne, Australien, u.a. mit dem Mandäismus beschäftigt, werden sie entführt und ihren Familien entrissen, um an der Seite eines fremden Mannes zu leben. Hinzu kommt, dass sie zur Ausübung einer Religion gezwungen würden, die nicht die ihre wäre. Derartige Entführungen von Frauen, die mit Zwangskonvertierung gleichbedeutend sind kommen laut Hunter häufig vor.
Außerdem berichtet Hunter, dass mandäische Ehepaare zur Scheidung gezwungen würden, wonach sie mit muslimischen Partnern zwangsverheiratet wurden.
Ist man einmal zum Islam übergetreten, sei es nun freiwillig oder unter Androhung von Gewalt, besteht keine Möglichkeit, diesen Schritt rückgängig zu machen. Man würde sich in einem islamischen Land in Lebensgefahr begeben.
1.3. Ergebnisse der Recherchereise von Herrn Dr. Saidi Qais vom
3.-26.1.2006 nach Syrien
Ziel der Reise war es, einen Überblick über die Situation der Mandäer im Irak und die Lage der Flüchtlinge in Syrien zu bekommen. Dazu wurde ein Fragebogen mit 17 Fragen formuliert, der von 85 Personen, davon 11 Frauen und 74 Männer, ausgefüllt wurde. Die Altersverteilung der Befragten war folgendermaßen: Sieben Personen zwischen 20-30 Jahren, 19 zwischen 30 und 40 Jahren, 23 zwischen 40 und 50 Jahren und 36 Personen, die älter als 50 Jahre waren. Vom Ausbildungsgrad her haben 21 Mittelschulabschlüsse, 32 Institute besuch und 32 eine Fachhochschul- oder Hochschulausbildung. Die Mehrzahl der Befragten findet sich in folgenden Berufsgruppen: Lehrer, Ingenieure, Ärzte, Goldschmiede, Kaufleute. 10 der Befragten haben den Irak 2003 verlassen, 35 im Jahr 2004 und 40 im Jahr 2005. 72 Mandäer haben vor ihrer Flucht in Bagdad gelebt, zwei der Befragten kamen aus der Stadt Wasit, einer aus Missan, zwei aus Karkook, vier aus Faloge, drei aus Diqar und zwei aus Basra. Alle Befragten gaben an, selbst Opfer von Gewalt geworden zu sein, bzw. Familienangehörige zu haben, die Opfer von Übergriffen und Willkür wurden. Konkret waren sie betroffen von Morden, Vergewaltigungen, Zwangsislamisierung, Verschleppungen, dem Plündern ihrer Geschäfte. Arbeitsstellen wurden ihnen verwehrt und sie wurden wegen ihrer Religionszugehörigkeit diskriminiert.
Besonders die Frauen wurden gezwungen, sich den islamischen Regeln gemäß zu kleiden. Die Kinder in den Schulen wurden genötigt, am islamischen Religionsunterricht teilzunehmen. Nachdem sie als Flüchtlinge in Syrien angekommen waren, haben nur drei der Befragten angegeben, humanitäre Hilfe erhalten zu haben. Sechs der Befragten sind Asylsuchende, neun besitzen den Flüchtlingsstatus, 43 haben zeitlich befristete Aufenthaltserlaubnisse und 27 leben illegal in Syrien.
Die humanitäre Lage der Flüchtlinge ist besorgniserregend: Alle Befragten sind arbeitslos. Sie können sich keine medizinische Behandlung leisten, weil sie sich selbst hier die geringen Gebühren für eine Behandlung nicht leisten können. Auch die Medikamente müssen bezahlt werden. Dieser Zustand ist besonders schwierig für Menschen, die schwere Krankheiten haben, darunter mehrere Krebspatienten.
Ein Großteil der Kinder der Befragten (52) geht nicht in die Schule, weil kein Geld für Schuluniformen und Schulmaterialien da ist und sie auch in Syrien befürchten müssen, zum islamischen Religionsunterricht gezwungen zu werden. Zu den religiösen Riten befragt, gaben Mandäer an, sie hätten Probleme, den Taufritus durchzuführen, weil dafür fließendes Wasser notwendig sei. Besonders schwierig sei es, dass Tote nicht nach den vorgeschriebenen Riten beerdigt werden könnten. Sie versuchen sogar, ihre Toten zurück in den Irak zu bringen, damit sie in Heimaterde beerdigt werden können oder versuchen, von Christen die Erlaubnis zu bekommen, ihre Toten auf deren Friedhöfen zu beerdigen.
Die mandäischen Flüchtlinge suchen gerade in den Gebieten in Syrien oder auch in den Vierteln der Hauptstadt Damaskus Zuflucht, wo Christen leben, weil sie von ihnen keine Verfolgung fürchten müssen. Auf die Frage, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen können, bzw., ob sie in Syrien bleiben, in den Irak zurückkehren oder in ein Drittland weiterwandern wollen, antwortete nur ein Flüchtling, er wolle wieder in die irakische Heimat gehen. Die übrigen sagten, sie wünschten sich die Möglichkeit, in einem anderen Land in Sicherheit und Frieden leben zu können. Dies spiegelt wie vielleicht keine andere Antwort die Dringlichkeit der Lage. Es ist den Mandäern lieber, die Unsicherheit und Fremde der Diaspora auf sich zu nehmen und sich endgültig von ihrer Heimat zu verabschieden, als in den Irak zurückzukehren bzw. in Syrien oder Jordanien auszuharren.
Der Bericht von Herrn Saidi schließt mit der Warnung, dass die Mandäer Jahrhunderte überlebt haben, nun aber in der Angst leben, dieses Jahrhundert könnte ihr Ende bringen. Wissenschaftler, die sich für die Mandäer interessieren, behandeln sie teils heute schon als Geschichte und tun zu wenig, um die kleine religiöse Gemeinschaft zu retten. Einer kleinen Minderheit von 60.000 Menschen, die sich durch eine vollkommen friedliche Geschichte auszeichnet, das Aramäische spricht und ein eigenes Alphabet entwickelt hat, deren letzter Prophet Johannes der Täufer ist, jener Johannes, der der Bibel nach, Jesus im Jordan taufte, ist vom Untergang bedroht, wird ihr nicht eine helfende Hand gereicht.
1.4. Ausblick
Was passiert, wenn die USA, Großbritannien und deren Verbündete ihre Truppen aus dem Irak abziehen und die bedrohten Minderheiten ihrem Schicksal überlassen?
Schon 2003 legten amerikanische Militärs den noch im Irak lebenden Mandäern nahe, ihr Land so bald wie möglich zu verlassen und Schutz im Exil zu suchen. Laut Berichten der „World Evangelical Alliance“ sei ihnen gesagt worden, als Besatzungsmacht sei man nicht in der Lage, Mandäern und Christen Schutz zu gewähren.
Und so verließen viele Mandäer ihre Heimat. Sie verfolgen nun im Exil die Situation im Irak über die Medien und sind ernüchtert. Zur Zeit können sie nicht zurückkehren. Die Gefahr wäre zu groß. Im Exil versuchen sich die Mandäer nun zu integrieren. Ihre Kinder lernen die entsprechenden Sprachen und besuchen die dortigen Schulen. Aber gleichzeitig versuchen sie ihre Religion am Leben zu erhalten. Prof. Dr. Kurt Rudolph berichtet, dass mandäische Priester im Exil wie z.B. in England, den Niederlanden, Schweden, Australien und Nordamerika in jüngster Zeit die mandäische Gemeinde in der Ausübung ihrer religiösen Traditionen unterstützen.
Außerdem werden mandäische Texte übersetzt und es gibt ein mandäisches Magazin, das in den Niederlanden, England und Irak erscheint. Die Mandäer nutzen auch das Internet, so gibt es spezielle Internetseiten4, über die sie in speziellen Foren Kontakt zueinander aufnehmen können und somit den Zusammenhalt ihrer Gemeinde untereinander stärken. Eine „Special Commission für Mandaeans protection“ wurde in Syrien und Jordanien gegründet.
Dr. Saidi sieht eine Zukunft für die kleine Religionsgemeinschaft. Denn inzwischen haben die Mandäer wieder die Möglichkeit sich mit ihrer Religion auseinanderzusetzen und mehr über ihre Religion zu erfahren. Und sie nutzen diese Chance, um eine Jahrtausendealte Religion zu erhalten. Nach Aussagen von Prof. Alsohairy sind viele Mandäer jedoch davon überzeugt, dass sie Unterstützung von außen brauchen, um als Religionsgemeinschaft zu überleben.
1.5. Forderungen
Die Gesellschaft für bedrohte Völker fordert
– Kirchen und kirchliche Hilfswerke auf, die mandäischen Flüchtlinge in Syrien und Jordanien mit humanitärer Hilfe zu versorgen.
– die irakische Regierung auf, Schutzmaßnahmen für Angehörige religiöser Minderheiten im Irak und besonders für die Mandäer durchzusetzen und die weit verbreitete Straflosigkeit für die Verbrechen
gegen die Mandäer zu beenden.
– die Bundesregierung auf, ein Kontingent mandäischer Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen.
– die Regierungen der Nachbarländer Deutschland auf, gleichfalls Kontingente mandäischer Flüchtlinge aufzunehmen
– die Bundesregierung auf, den Mandäern in Deutschland ein Bleiberecht zu gewähren.
2. ZUM HINTERGRUND
2.1. Der Mandäismus
Die Mandäer, bzw. Sabier (aramäisch-mandäisch „getauft“), wie sie von muslimischer Seite genannt werden, glauben an eine Religion, über deren zeitlichen und geographischen Ursprung noch immer im Rahmen der so genannten „Mandäerfrage“ diskutiert wird. Religionshistoriker, wie z.B. Prof. Dr. Kurt Rudolph5, nehmen an, dass sich die Existenz der Mandäer aufgrund von babylonischen, persischen und islamischen Zeugnissen bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. zurückverfolgen lässt.
Andere Historiker berufen sich auf die Entstehungsgeschichte des Gnostizismus und datieren den Mandäismus sogar auf den Beginn der christlichen Zeitrechnung.
Religionswissenschaftlern vermuten, dass die Mandäer aus Palästina stammen. Verfolgung und Unterdrückung führten während des ersten Viertels des 1. Jahrhunderts n.Chr. zu ihrem Auszug in die Stadt Harran in Syrien. Durch die Anfeindungen der christlichen und später auch der islamischen Religionsgemeinschaften sahen sie sich bald gezwungen, auch diese Landstriche zu verlassen und in den Süden Babyloniens bis in die Marsch-Gebiete des südlichen Irak umzusiedeln, wo auch heute noch viele Mandäer leben. Andere Forscher beziehen sich auf sumerische und babylonische Rituale, die in den Texten der heiligen mandäischen Bücher ihre Erwähnung finden. Sie sind der Meinung, dass die Mandäer in Mesopotamien, in der Nähe der Flüsse Euphrat und Tigris ihren Ursprung haben.
Der Mandäismus ist die älteste noch existierende gnostische Religion („Gnosis“ (gr.) und bedeutet „Wissen“, „Erkenntnis“), wobei auch diese Definition unter den Religionswissenschaftlern umstritten ist. Ihre Weltanschauung basiert auf dem gnostischen Dualismus, welcher die Welt in zwei Ebenen teilt: Dem mandäischen Verständnis nach leben die Menschen in der von Finsternis beherrschten Welt, die ein jeder mit dem eigenen Tod verlässt und in der alle Seelen nach dem Passieren mehrerer Wachtstationen- samt Höllenwächter- Erlösung im Lichtreich finden. Die Mandäer glauben an einen Boten, der alle Seelen aus der Welt der Finsternis ins Licht führt und somit das Weltenende hervorruft. Die Welt der Finsternis erlischt. Es bleibt allein die Lichtwelt und die Zeit des Leidens und der Qualen sind vorüber.
Die Schöpfungsgeschichte der Mandäer ist der jüdisch-christlichen sehr ähnlich. Beide Religionen begreifen Adam und Eva als das erste Menschenpaar. Der Mandäismus jedoch beschreibt die Geburt Evas nicht mit der Entstehung aus Adams Rippe, sondern sie ist ein Geschenk der Lichtwelt an Adam. Daraus lässt sich die Gleichberechtigung der Frau in den mandäischen Gemeinschaften ableiten. So bekommt ein Kind zum Beispiel den Nachnamen der Mutter. In der Geschichte der Mandäer gab es auch Priesterinnen. Der Mandäismus ist eine monotheistische Religion. Die Jahrhunderte lange Herrschaft der Perser über die Mandäer hinterließ deutliche Spuren innerhalb des Mandäismus. Trotzdem sei, laut Kurt Rudolph, ihre Religion als eigenständig zu begreifen.
Das heilige Buch der Mandäer, die Sidra Rabba oder auch Ginza („Schatz“) genannt wird und 1925 von Mark Lidzbarski6 auch ins Deutsche übersetzt wurde, ist in zwei Teile untergliedert: Die Glaubenslehren und Mythen sind in der „Rechten Ginza“ zu finden, die heiligen Schriften sowie alle Regelhinweise zur Durchführung traditioneller Rituale sind in der „Linken Ginza“ enthalten.
Im Mandäismus ist neben der Bestattung und der Totenfeier, die Taufzeremonie zentral. Im Mittelpunkt der Religion stehen Wasserriten Die Taufe wird nicht nur ein einziges Mal im Leben vollzogen, wie es zum Beispiel im Christentum der Fall ist, sondern kann jede Woche stattfinden. Die Mandäer haben die Vorstellung, dass sie während einer Taufe, Masbútá genannt, der Lichtwelt am nächsten sind. Sie muss sonntags und am Tag vollzogen werden, nur während des Pangafestes kann sie auch an anderen Tagen stattfinden. Durch das rituelle „Untertauchen“, so glauben die Mandäer, werden Sünden vergeben, Krankheiten geheilt und Dämonen vertrieben. Zur Reinigung des Körpers nach Menstruation und Geschlechtsverkehr wird eine „Tamascha“, d.h. ein Untertauchen ohne Priester, durchgeführt. Die mandäische Taufe findet traditionell in einem fließenden Gewässer („Jordan“ (Jerdena) genannt) statt. Im weißen Gewand, das für den Gläubigen aus sieben und für den Priester aus neun Stoffteilen besteht, wird der Gläubige von einem Priester in das Gewässer geführt und untergetaucht. Die eigentliche Taufhandlung:
1. Selbsttaufe: der Täufing, der hinter einem Priester steht , taucht dreimal unter.
2. Taufe: Der Priester zieht den Täufling an seine rechte Seite und taucht ihn dreimal unter.
3. Zeichnung: Der Priester streicht dem Täufling Wasser über die Stirn. Am Ufer knieend wird der Täufling zusätzlich mit Öl gezeichnet, wobei er nach Norden blickt, was der Gebetsausrichtung der Mandäer entspricht.
4. Wassertrunk: Der Täufling bekommt drei Handvoll Wasser aus dem Fluss zu trinken. Dies soll die Heilkräfte des Wassers transportieren.
5. Bekränzung: Der Täufling wird mit einem Myrenkranz bekränzt.
6. Handauflegen: Der Priester legt dem Täufling die Hand auf
Der Vorstellung nach hält das Leben bei der Taufzeremonie, die mehr als zwei Stunden dauert für einen kurzen Moment an, um nach der Taufe als frisch und klar von Neuem zu beginnen. Die mandäische Taufe wird als Himmelsreise der Seele verstanden. Beten, Fasten und die Fürsorge für andere sind ebenfalls wichtige Pfeiler der Religion.
Die Masbútá ist so wichtig, weil sie zusammen mit der Seelenmesse die Voraussetzung für die Erlösung der Seele bildet. Die Taufe hat eine derart zentrale Bedeutung, dass ungetaufte Kinder nicht zur mandäischen Religionsgemeinschaft zählten.
Der Mandäismus ist keine missionarische Religion. Es existiert kein Gesetz, das den Angehörigen dieser Religionsgemeinschaft das Übertreten zu einer anderen Religion verbietet oder Angehörigen anderer Religionen das Konvertieren zum Mandäismus verwehrt. Durch Heirat oder Zwangsheirat mit einem Andersgläubigen bzw. Zwangskonvertierung verlieren Mandäer jedoch ihre Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft.
2.2. Jahrhunderte lange Verfolgung
Im Laufe der Geschichte sind die Mandäer immer wieder von Moslems verfolgt und aus ihren Siedlungsgebieten vertrieben worden. Für die Moslems sind sie- im Unterschied zu Christen und Juden- keine Angehörigen der im Koran erwähnten Buchreligionen. Sie gehören somit auch nicht zu jenen Menschen, die dem Schutz der islamischen Gesellschaft unterstehen. Doch auch Christen respektierten ihre Religion nicht. So versuchten portugiesische Missionare, die mandäische Gemeinde im Irak nach Muskat, Goa oder Ceylon umzusiedeln. Dort, nahm man an, wären sie leichter zum katholischen Christentum zu bekehren (vgl. Lupieri, The Mandaeans, S. 85ff.).
Seit dem Machtantritt Saddam Husseins 1979, sehen sich die Mandäer verstärkt Anfeindungen gegenüber: Von 1991 bis 1993 wurden die in den Marschen (Sumpfgebiete im Süden des Irak) lebenden Mandäer Opfer eines erneuten Vernichtungsfeldzuges. Das Regime Saddam Husseins ging mit brutaler Härte gegen die Bevölkerung in den Sümpfen zwischen Basra, Amara und Nasirija vor. Davon waren insbesondere die Marscharaber betroffen, die seit 5.000 Jahren in den Marschgebieten lebten. Als nach Aufständen der Schiiten im Gefolge des 2. Golfkrieges 1991 zahlreiche Aufständische und Deserteure in das unwegsame, 150.000 km² große Gebiet flüchtete, nahm Saddam Hussein dies zum Anlass, die gesamte Region und vor allem ihre Bevölkerung zu vernichten. Er ließ das Marschland trocken legen. Denn die Marscharaber sind Schiiten, wie die Mehrheit der irakischen Bevölkerung, die in den 70er und 80er Jahren besonders verfolgt wurde. Auch wegen der geographischen Nähe zum Iran galten sie als Unsicherheitsfaktoren. Von Trockenlegungen, Vertreibungen und vollkommenen Zerstörung der Marschgebiete waren auch die Mandäer betroffen. Viele von ihnen wurden getötet. So schrumpfte die Gemeinde in den Marschgebieten von 5.000-7.000 Mandäer auf 1.000-2.000. Außerdem wurden die Zentren ihrer Kultur zerstört und ihnen somit ihre Heimat genommen, in der sie nachweislich seit dem 5. Jahrhundert lebten. Überlebende flüchteten in die größeren Städte des Irak wie z.B. Bagdad.
2.3. Veränderungen in der Religionsausübung
Die in Schweden lebenden Mandäern können ihre Religion seit Oktober 2003 öffentlich praktizieren. Dort haben Mandäer in Eigenregie und ohne staatliche Hilfe den ersten mandäischen Tempel erbaut, der es den Gläubigen nun ermöglicht, die traditionelle Taufzeremonie am fließenden Gewässer durchzuführen.
Der Bau dieser Anlage stellt eine Ausnahme dar, denn vor allem in der Diaspora sind die Mandäer heute gezwungen, ihre traditionellen Riten den neuen Lebensverhältnissen anzupassen. So hat sich ihre Religionsausübung in den vergangenen Jahrzehnten nachweislich stark verändert. Traditionen haben sich gelockert, Rituale haben sich in der industrialisierten Welt angepasst.
Dr. Qais Saidi zufolge betrifft dies auch die Mandäer in Deutschland. Die Taufe in fließenden Gewässern wird wie im Mai 2004 in Mannheim am Rhein nur von Zeit zu Zeit gefeiert. Dem Vorbild der schwedischen Mandäer können sie nicht folgen, weil die finanziellen Mittel fehlen. Allein aufgrund der oft ungünstigen geographischen Lage wird mittlerweile, sowohl im Irak und Iran, als auch im Exil Duschen in Privathäusern als Taufe akzeptiert.
Prof. Dr. Sabih Al-Sohairy berichtet von Jugendlichen aus Bagdad und Basra, welche die Jordantaufe aus hygienischen Gründen ablehnen und sich für ein Taufbecken aussprechen.
Auch die einst strengen Ernährungsregeln haben sich verändert. Früher wurden ausschließlich Schafe und Geflügel geschlachtet, da alle anderen Tiere als unrein angesehen werden. Bestimmte Rituale wie u.a. das Taufen des Schlachttieres, oder das Gebot, dass allein ein Priester (Halali) diesen Vorgang durchführen darf, werden in der heutigen Zeit teilweise übergangen. Al-Sohairy berichtet von jungen Mandäern, die nicht mehr ausschließlich rituell geschlachtetes Fleisch essen, sondern das Tier entweder selbst schlachten, auf dem Markt kaufen oder auch im Restaurant speisen (vgl. Sabih Al-Sohairy: Die irakischen Mandäer in der Gegenwart, Hamburg 1975).
Ein weiteres Problem ist das drohende Aussterben der mandäischen Priesterschaft. Durch zwei schwere Cholera-Epidemien in den Jahren 1831 und 1833 starben viele mandäischen Priester. Der Nachwuchs verlor seine Lehrer. Heute gibt es kaum mehr Diakone und auch die Zahl der jungen Novizen ist sehr gering. Ursprünglich gab ein Priester seinen Beruf an den eigenen Sohn weiter. In der modernen Zeit hat sich das Berufsziel junger Priestersöhne jedoch gewandelt. Al-Sohairy führt hier als Begründung die Zunahme von Freizeitaktivitäten und im Gegensatz zu früher vielfältigere Möglichkeiten in der Berufswahl an. Ein Leben nach strengen Vorschriften könnten sich immer weniger Jugendliche vorstellen. Außerdem hätte sich die Stellung der mandäischen Priester innerhalb ihrer Gemeinde massiv gewandelt.
Ihr Ansehen ist innerhalb studentischer Kreise, aus denen sich Nachwuchs rekrutieren könnte, stark gesunken. Die Studenten kritisieren, dass die Priester ihre Gemeinde nicht ausreichend über den Mandäismus aufklären. Somit seien die Kenntnisse über die eigene mandäische Schriftsprache sowie die Religion innerhalb der Glaubensgemeinschaft sehr begrenzt. Mit der Priesterschaft würde auch die Religion der Mandäer untergehen. Weder im Irak noch im Iran gibt es mandäischen Religionsunterricht in den Schulen. Den Kindern und Jugendlichen wird auch von dieser Seite der Zugang zur eigenen Religion verwehrt. Schon 1969 bemerkte Kurt Rudolph, dass die Teilnahme an mandäischen Zeremonien zurückging. Heute, 35 Jahre später, hat sich dieser Zustand noch um einiges verschlechtert.
Wenn sich an dieser Situation nicht bald etwas ändert, wenn der geistliche Nachwuchs und die Kenntnis junger Menschen von ihrer Religion in Zukunft nicht massiv gefördert werden- sei es nun in ihrer Heimat oder in der Diaspora, dann sind die pessimistischen Wortmeldungen, der Mandäismus sei dem Untergang nahe, durchaus begründet.
2.3. Veränderungen in Sprache und Berufswahl
Sabih Al-Sohairy berichtete 1975 von einem dramatischen Rückgang im Gebrauch des Mandäischen durch Anpassung der Mandäer an ihre sprachliche Umgebung. Heute sprechen sie Arabisch oder die Sprache ihres Exillandes. Das Mandäische wird nur noch während der Gottesdienste verwendet. (vgl. Sabih Al-Sohairy: Die irakischen Mandäer in der Gegenwart, Hamburg 1975) Das klassische Mandäisch ist ein aramäischer Dialekt, der dem Aramäischen des babylonischen Talmud nahe steht. Neben dem klassischen Mandäisch existiert auch eine moderne gesprochene Form des Mandäischen, die Neumandäisch genannt wird und große Anteile des Arabischen aufweist. Dieses Neumandäisch wird nur von den Mandäern im Iran in der Provinz Khuzistan gesprochen.
Ihre traditionellen Berufe des Silber- und Goldschmiedes können die Mandäer in der Gegenwart nur sehr schwer ausüben. Denn obwohl sie seit Generationen in diesem Berufsfeld tätig sind und von den in Bagdad lebenden Mandäern 1975 noch rund die Hälfte als Silber- und Goldschmiede arbeiteten, hat der Verband iranischer Juweliere beschlossen, Lizenzen nur noch an muslimische Juweliere zu vergeben, wie Mary Elizabeth Hansen Anfang 2004 in einem Artikel für „Coalition for the Defense of Human Rights“ berichtet.
Auch in Bagdad kann man heute eine deutliche Veränderung in der Berufswahl junger Menschen feststellen. Junge Mandäer wählen überwiegend akademische Karrieren.
3. ANMERKUNGEN
1 Dr. Qais Saidi, ehemaliger Generalsekretär des höchsten geistlichen Rates der Mandäer im Irak. Heute ist er Vorsitzender des Gesamtvereins der Mandäer in Deutschland. 2004 wurde sein Buch „Ich lerne Mandäisch“, das erste Lehrbuch für diese Sprache, herausgegeben. Sein Wörterbuch des Mandäischen wird gerade gedruckt
2 Prof. Dr. Sabih Al-Sohairy, Prof. für Semitistik Bagdad, Gastprofessur in Heidelberg, er ist der einzige mandäische Professor, der sich selbst mit seiner Religion auseinandergesetzt hat. Heute lebt er in Nürnberg, wo er Vorsitzender eines mandäischen Vereins ist.
3 SMAA (Sabian Mandaean Association Australia)
4 Zum Beispiel die Seiten: www.mandaeans.org; www.mandaeanworld.com
5 Prof. Dr. Kurt Rudolph (*1929) ist deutscher Gnosis- und Manichäismusforscher, er studierte ev. Theologie, Religionsgeschichte und Semitistik. Während seines Wirkens an den Universitäten Leipzig, Chicago und Marburg hat er sich einen internationalen Ruf als Kenner der Gnosis und des Mandäertums erworben. Darüber hinaus haben ihn auch der Islam und methodische Fragen der Religionswissenschaft beschäftigt. Seit seiner Emeritierung 1994 hat Kurt Rudolph Ehrendoktorwürden in Aarhus und Leipzig erhalten. Seine wichtigsten Werke sind: Die Mandäer I, Das Mandäerproblem, 1960; Die Mandäer II, Der Kult, 1961; Die Gnosis – Wesen und Geschichte einer Spätantiken Religion, 1977.
6 Mark Lidzbarski (*1868 in Plock, Polen) Studium der Semitischen Philologie 1889-1892 in Berlin. Habilitation für Orientalische Philologie an der Universität Kiel (Februar 1896) Seit 1907 ordentlicher Professor in Greifswald, ab 1917 Professor in Göttingen. Gestorben in Göttingen am 13. November 1928. In Berlin, Kiel, Greifswald und Göttingen hat Lidzbarski Werke von bleibender Bedeutung geschaffen. Auf drei Gebieten der Wissenschaft vom Vorderen Orient war er tätig, der neuaramäischen Dialektkunde, der semitischen Epigraphik und der mandäischen Philologie; und auf den beiden letzteren Gebieten war er anerkannte Autorität. Er übersetzte die heiligen Bücher der Mandäer: Ginza. Der Schatz oder Das große Buch der Mandäer. Berlin 1925; Mandäische Liturgien. Berlin 1920; Das Johannesbuch der Mandäer. Töpelmann, Giessen 1915, 1966.
Listen von Ermordeten und Entführten, Schreckenstaten gegenüber Mandäern seit 2003:
Anmerkung: Es gibt im Moment keine Stelle, die die Verbrechen an Mandäern systematisch dokumentiert. Häufig haben die Opfer bzw. die Angehörigen der Opfer Angst davor, Verbrechen zu melden bzw. ihre Namen Preis zu geben. Daher sind die folgenden Listen unvollständig und in ihrem Informationsgehalt unterschiedlich. Man kann sie als Spitze des Eisbergs bezeichnen und sie können nur eine Ahnung dessen vermitteln, was die Mandäer des Irak seit 2003 erlitten haben und heute noch erleiden.
A Liste ermordeter Mandäer
1. 23.04.2003: Sadam Hummadi Obaid, 40 Jahre alt, Goldschmied, Maisan/Msharah.
Das Opfer wurde vor den Augen einer großen Menge um 11:00 des oben genannten Datums umgebracht.
2. 26.4.2003: Sabih Shibib Elbab, 60 Jahre alt, Goldschmied, , Bagdad. Der Mord an Elbab folgte der Plünderung seines Ladens. Während die Plünderung und der Mord stattfanden, wurden die ganze Zeit anti-mandäische Sprüche gerufen.
3. 15.05.2003: Hassani Rahim Al Othmani, Souwerah. Er wurde beschuldigt „Magie“ zu praktizieren.
4. 06.2003: Zaman Abd Alhamid Adeed, Goldschmied, Karada, Bagdad.
5. 11.07.2003: Mhand Abd-Alsahab Almhanawi, Goldschmied, Bagdad. Er war ein junger Mandäer. Morgens auf dem Weg zur Arbeit wurde er getötet.
6. 12.07.2003: Mohannad Abdul-Saheb Al-Meannawi Al-Zuhairi, 35 Jahre alt, Goldschmied.
7. 07.2003: Fakriah Khthir Kattan, ca. 40 Jahre alt, Hausfrau, Bagdad.
8. 07.2003: Aonthar Hasson Moli, 25 Jahre alt, Arbeiter, Bagdad.
9. 08.2003: Yahya Bardan Aflog, Goldschmied, Baqoubah.
10. 08.2003: Ahsan Bardan Aflok, Goldschmied, Baqoubah.
11. 09.2003: Salim Mohan Aljayzani, Goldschmied, Hai alshaab, Bagdad.
12. 9.10.2003: Farooq Ati Lasam Al-Zuhairi, Goldschmied, Bagdad.
13. 22.10.2003: Fadaa Saddam Hamady Al-Zuhairi, Goldschmied, 45 Jahre alt, Misan.
14. 22.10.2003: Satar Radi Zboon, 45 Jahre alt, Goldschmied, Neu Bagdad, Bagdad.
15. 10.2003: Firas Faraj Saleh, Regierungsangestellter, Habaniya, Ramadi.
16. 11.2003: Dafar Abd Alrahim Khoga, Goldschmied, Mansour, Bagdad.
17. 11.2003: Nasir Sabah Abdallah, Übersetzer, Bagdad.
18. 01.2004: Baha’a Abdalahad Mtashar, Student, Maisan.
19. 07.02.2004: Kasam Lafta Katan Al-Zuhairi, Goldschmied, Bagdad.
20. 10.02.2004: Riyad Badri Zbari Al-Zuhairi, Goldschmied, Bagdad.
21. 02.2004: Asad Hadi Khafi, Arbeiter, Bagdad.
22. 02.2004: Shafa’a Nasar Majeed, getötet, Bagdad.
23. , 02.2004: Raad Arbi Abeed, Bagdad.
24. 03.2004: Ahmad Mahar Abdallah, Bagdad.
25. 05.2004: Salman Abdallah Al-Khamisi, Bagdad.
26. 12.10.2004; Mazin Majad Hazam Al-Sabiri, 45 Jahre alt, wurde in seinem Laden getötet, Baya’a, Bagdad.
27. 01.11.2004: Laith Anis Amoor, Goldschmied, Bagdad.
28. 03.01.2005: Hadi Salim Mutar, Sadr City, Bagdad. Mutar wurde ermordet, nachdem er um Lösegeld zu erbringen entführt worden war. Mutars Familie zahlte das ganze Lösegeld, erhielt jedoch kurz darauf nur den Leichnam. Er wurde getötet, nachdem er sich weigerte zum Islam überzutreten. Islamistische Zeremonien wurden ihm während seines Todes auferlegt.
29. 16.01.2005: Read Radhi Habib, 40 Jahre alt, Ingenieur, Basrah. Er war der Leiter des Mandaean Council in Basrah.
30. 01.02.2005: Jamal Khmas Tamol, Tierarzt, Bagdad.
31. 05.02.2005: Wasfi Majid Khashkool, 35 Jahre alt. Er wurde in seinem Laden von einem Bewaffneten getötet. Nichts wurde gestohlen.
32. 28.02.2005: Waleed Hasan Thabit, 45 Jahre alt, Unternehmer, wurde vor seinem Haus getötet, Dora, Bagdad.
33. 04.03.2005: Salwa Samir Aziz ist am in Baya’a, Bagdad, einem Anschlag zum Opfer gefallen. Er hatte sich geweigert die islamische Hijab zu tragen.
34. 14.03.2005: Muhannad Khazaal Lafta wurde brutal erstochen, nach regelmäßigen Drohungen, die ihn zwangen seinen Wohnort mehrere Male zu wechseln.
35. 21.03.2005: Mohanad Khzal Lafta, Bagdad. Lafta wurde mit Hämmern zu Tode geknüppelt.
36. 24.03.2005: Salwa Samir Azez, 25 Jahre alt, Übersetzer, getötet in Bagdad.
37. 03.2005: Ryad Radi Habib, 45 Jahre alt, Ingenieur, Basrah.
38. 02.04.2005: Khairy Abdul Razaq, Immobilienmakler, Hai el- Mechanic, Bagdad. Nachdem er sich geweigert hatte, sein Haus zu verkaufen; wurde er mit einem Maschinengewehr in seinem Büro erschossen.
39. 11.04.2005: Moaiad Ibrahim Mohie, Goldschmied, Bagdad.
40. 14.04.2005: Rahman Sabri Almajadi, Bagdad.
41. 04.2005: Wisam Majid Khaskool Al-Mesodni, Amriya, Bagdad.
42. 05.2005: Muayad Ibrahim Muhy Kzar, Sadr City, Bagdad.
43. 01.06.2005: Salah Lafta Saleh, 20 Jahre alt, Student, Ramadi. Saleh wurde von einer Extremistengruppe, die gehört hatte, dass er Mandäer war, aus seinem Studentenwohnheim entführt. Seine Leiche wurde auf einer Straße gefunden.
44. 06.06.2005: Mahar Sharad Zbala, Goldschmied, Bagdad. Zbala wurde vor den Augen seiner Familie ermordet.
45. 15.06.2005: Abdul Raheem Al-Musodani, Dora, Bagdad. Al-Musodani wurde ermordet, nachdem er mit Hämmern auf den Kopf geschlagen worden war.
46. 28.06.2005: Nawar Hameed Dakheel, Dakheel wurde vor seinem Haus ermordet. Er
wurde beschuldigt mit „Ungläubigen“ (Truppen der Koalition) zu tun gehabt zu haben.
47. 06.2005: Amar Daif Karem, 18 Jahre alt, Goldschmied, Nasreah.
48. 15.07.2005: Basim Shenshal Al-Sunaid, zu Hause in Al-Mansour, Bagdad ermordet.
49. Mitte Juli 2005: Haitham Mahdi Saleh.
50. 31.07.2005: Fawzi Mezban Al-Khameesi, 50 Jahre alt, Goldschmied, Bagdad. Er wurde aus seinem Haus entführt, gefoltert, getötet und in Teile zerschnitten. Es wurde kein Lösegeld gefordert und auch nichts aus seinem Haus gestohlen.
51. 15.08.2005: Anwar Manam Saleh, 20 Jahre alt, Student, Ramadi.
52. 24.08.2005: Saeed Naeem Thahab, 40 Jahre alt, Goldschmied, Bagdad.
53. 28.09.2005: Issam Jabar Hamadi, Regierungsangestellter, Bagdad.
54. 01.10.2005: Dr. Jamal Khamas Tamoul Al-Zuhairi, 50 Jahre alt, Arzt, Abu-Ghraib.
55. 10.10.2005: Kamal Rathi Zabon, Goldschmied, Bagdad.
56. 13.11.2005: Basam Kasam Sokawi 19 Jahre alt, Student, Bagdad.
57. 18.11.2005: Majad Hadad Meshkor Al-Zuhairi, Soldat, Bagdad.
58. 11.10.2006: Raad Mutar Saleh, Scheich, Bagdad.
59. 11.10.2006: Alla Al-Khafaji, Abu Ghraib, Bagdad.
B Fälle von Entführungen, Verletzungen, Vergewaltigungen und Schikanen
• 03.05.2003: Mejbel Jabbar Helou, Bruder des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou,. Eine bewaffnete Terroristengruppe suchte das Haus der Familie auf und versah dort seine Frau mit Schlägen und Tritten. Daraufhin verlor sie ihr ungeborenes Baby. Das Haus wurde zerstört und geplündert, alle Wertsachen gestohlen und zuletzt entführten sie noch den Sohn Naseer Mejbel.
• April bis Juni 2003: Zerstörung von Häusern und Unternehmen mit Sprengsatz in Sowerah, Kut. Die Verbrecher die diese Bombenangriffe ausgeführt haben waren bekannte muslimische Extremisten aus der Gegend. Hier folgt eine Liste der Opfer:
1. Haitham Faiqe Al Othmani, 20. April 2003
2. Raad Mutar Falih Al Othmani, 13. Juni 2003
3. Ehsan Faiqe Al Othmani, 15. Juni 2003
4. Qaise Tua’mah Al Othmani, 20. Juni 2003
5. Abdullah Menkhi Al Chohaili, 20. Juni 2003
• Mai 2003: Die mandäische Gemeinde in Bagdad war schockiert über den brutalen Angriff auf Herrn Mahir Sherad Zebala, seine schwangere Frau und die vier Kinder im Alter von 10, 7, 4 und 2 Jahren in deren Haus in Sidiah, Bagdad von Verbrechern die Verunglimpfungen über die mandäische Religion riefen.
• Das Abbrennen eines Hauses mitsamt persönlichem Eigentum in Hawijah, Kirkuk. Dieser Fall von Brandstiftung wurde vollendet mit dem Mord an einem 23 jährigen behinderten mandäischen Mädchen, das nicht in der Lage war aus dem Haus zu fliehen.
• 10. Juni 2003, die Häuser von Fadhel Muhannawi Al Kuhaily und Kamil Gonfuth Al Kuhaili wurden durch zwei verschiedene Granatenangriffe beschädigt. Die Anwohner wurden aufgefordert auszuziehen, sonst wären sie getötet worden.
• 10. Juni 2003, eine Bombe explodierte in dem Haus von Halima Fadhel Gzar in Kadessia Stadt. Nachdem die Bombe nicht den erwarteten Schaden angerichtet hatte, wurde mit Maschinengewehren auf das Haus gefeuert, bis es zerstört war.
• 15. Juni 2003, Sam Hannon Al Othmani wurde in Sowerah mit Gewehrschüssen angegriffen.
• 26. Juni 2003, Karim Askar Al Othmani wurde von einer Gruppe angegriffen die ihn beschuldigte Magie zu praktizieren und wurde kurz darauf in Sowerah erschossen.
• Jabbar Muhattam litt unter Gewehrschüssen und der Zerstörung seines Ladens. Dieses Verbrechen wurde von unbekannten Personen begangen; der Grund der für diesen Überfall angegeben wurde war der „Verkauf von alkoholischen Getränken“ in seinem Laden.
• 2. Juli 2003, ein bewaffneter Überfall mit versuchter Tötung war auf Sheikh Karim Selman Uraibi und seinen Bruder Talib gerichtet, der Grund dafür war dass sie mandäische Priester waren.
• Sechs mandäische Juweliergeschäfte wurden in einer einzigen Nacht in Sadr Stadt durch Gewehrschüsse beschädigt. Das eigentliche Ziel war die Besitzer zu töten. Die folgende Mitteilung war auf eine der sechs Läden geschrieben: „Dein Tag kommt noch sub’ba!“ Sub’ba (Subi) ist der Name der häufig von den örtlich ansässigen Muslimen verwendet wird, anstatt des Begriffs Mandäer.
• Anbringen von Flugblättern in dem Juwelier-Einkaufszentrum von Al Jamhuria Stadt in Basra in welchem die Mandäer der Magie und Unzucht beschuldigt werden, und dann mit ernsthaften Bestrafungen bedroht werden.
• 3. Juli, Yosif Beshir Gatea und Behjet Frhan Gatea wurden körperlich bedroht und ihr Juweliergeschäft in Habibia, Bagdad wurde geplündert. Dieser Vorfall ereignete sich mittels Nutzung von Granaten und vor einer großen Menschenmenge.
Frau Rafah Dawod Selman wurde überfallen; eine Zahlung von Lösegeld wurde gefordert. Sie wurde überdies bedroht getötet zu werden, falls sie nicht aus ihrem Haus auszieht.
• Juli 2003, Herr Salam Sabri in Karada, Bagdad, wurde angegriffen und mit vorgehaltener Pistole vor Zeugen überfallen. Dieser Vorfall ereignete sich in Verbindung mit ethnischen und religiösen Verunglimpfungen.
• Der Sohn von Herrn Basim Mohi wurde in Basrah entführt. Die Entführer forderten ein Lösegeld. Er wurde mit Hilfe von britischen Einheiten freigelassen. Kurz nachdem der Junge zurückgekehrt war, terrorisierten die Entführer wieder die Familie, dieses mal mit Botschaften, dass alle „Sb’ba“ (Mandäer) sterben würden. Die Familie floh aus diesem Gebiet.
• 23.04.2004: Wessam Majed Saad Helou, Großcousin des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou,. Er und seine Familie waren Opfer mehrerer Überfälle und Drohungen von Terroristengruppen. Diese versuchten ihn zu erschießen und schossen ihm dabei in sein rechtes Bein.
•
• 18.05.2004: Abeer Jassem Saad Helou, Neffe des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou,. Er wurde Opfer eines bewaffneten Überfalls einer Terroristengruppe. Seine Frau wurde schwerwiegend geschlagen und ihr wurden die Kleider vom Leib gerissen bei dem Versuch sie zu vergewaltigen. Seine Eltern, Jassem Saad Helou und Laila Jabbar Helou, wurden von derselben Terroristengruppe heimgesucht und wurden von diesen geschlagen und gefoltert.
• 20.06.2004: Adnan Jabbar Helou, Bruder des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou, Bagdad-Alsadr Stadt. Er befand sich in Bagdad-Alsadr Stadt, als eine bewaffnete Terroristengruppe ihn zu Hause aufsuchte und ihn schlug, trat und beleidigte, seine Möbel zertrümmerte und sein Haus plünderte. Danach versahen sie seine Frau mit Schlägen und Beleidigungen und vergewaltigten sie. Sie war schwanger und verlor daraufhin ihr Kind.
• 15.08.2004: Atheer Jassem Saad Helou, Neffe des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou. Er wurde oft von fundamentalistischen Terroristengruppen bedroht und unter Druck gesetzt seine Religion zu ändern. Auf ihn wurde mit einem scharfen Gegenstand eingestochen.
• 10.10.2004: Laila Jabbar Helou, Schwester des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou, Dora. Sie wurde überfallen, als eine bewaffnete Terroristengruppe das Haus in Dora überfiel und die Familie gewaltsam erniedrigte.
• 18.10.2004: Nasser Jassem Saad, Neffe des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou. Seine Familie wurde überfallen und sie versuchten den Sohn zu entführen. Sie wurden geschlagen und getreten und seiner Frau wurden in der Öffentlichkeit vor allen Menschen die Kleider vom Leib gerissen.
• 02.11.2004: Sabreen Jaleel Saad Helou, Cousine des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou , Dora. Sie sollte gezwungen werden einen Terroristen zu heiraten, nachdem ihre Familie bedroht worden war ihre Religion aufzugeben. Dies veranlasste ihren Cousin heimlich in das Land zurückzukehren, sie zu heiraten und mit ihr aus dem Land zu fliehen. Dies ereignete sich in Dora, der Hochburg der Terroristen.
• 20.11.2004: Jameel Saad Helou, Cousin des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou. Sein Sohn wurde entführt und er musste viel Lösegeld bezahlen, um ihn zurück zu bekommen.
• 24.12.2004: Sara Raad Jabbar Helou, Nichte des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou, , nach vielen Drohungen wurde sie von einer bewaffneten Terroristengruppe entführt.
• 25.12.2004: Najilaa Saad Helou, Nichte des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou. Sie wurde gezwungen einen Terroristen zu heiraten, davor gab es viele Drohungen von radikalen Terroristen ihre Religion aufzugeben.
• Saleem Katie Youssef, Geistlicher (Hochwürden Tarmiza), ein Cousin des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou, (kein Datum vorhanden), Dyala. Er wurde von einer fundamentalistischen Terroristengruppe angegriffen, die mehrmals auf ihn schossen. Es gelang ihm jedoch zu fliehen.
• Kareem Salman Oreibi, Geistlicher (Hochwürden Tarmiza), ein Cousin des Gemeindeoberhaupts Kanzabra Sattar Jabbar Helou. Er wurde Opfer einer der schlimmsten religiös begründeten Bedrohungen und ist nun in Australien.
• 10.1.2005: Ein bewaffneter Angriff ist auf Salem Turfi Aziz‘ Haus in Kirkuk verübt worden. Aziz ist das Gemeindeoberhaupt der Gemeinde in Kirkuk.
• 29. 1.2005: In Al-Saidyah wurde der Mandäer Aseel Raad Fayadh durch Schüsse schwer verletzt.
• 20.1.2005: Auf Naser Jasim Dhamins Haus wurde ein Anschlag verübt. Dhamin wurde durch Schüsse schwer verletzt.
• 20.3.2005: Salah Rumi Rhaima wurde entführt. Er war immer wieder bedroht und aufgefordert worden, zum Islam überzutreten
• 23.3.2005: Ein bewaffneter Überfall ist auf Adel Dishar Zamils Haus in Kut verübt worden. Zamil ist das Gemeindeoberhaupt der Gemeinde in Wasit. Eine Drohung war auf die Haupteingangstür des Hauses geschrieben worden: „Ihr Ungläubigen, zahlt euer Tribut, oder ihr werdet getötet“.
• 27.3.2005: Newman Jabber Farmhand, Student, wurde am 27.März 2005 entführt und wieder freigelassen, nachdem ein Lösegeld bezahlt worden war.
• März 2005: Shirk Bard Kumar wurde im März 2005 entführt und freigelassen nachdem ein Lösegeld bezahlt worden war.
• 3.4.2005: Basil Assam Latin, ein Kind wurde entführt.
• 8.5.2005: Zamia Audi Left wurde in Al-Sadr Stadt entführt und wurde sehr schlecht behandelt bis das Lösegeld bezahlt war und er freigelassen wurde.
• 8.5.2005: Jamal Nair Mohr wurde in Al-Sadr Stadt entführt und wurde sehr schlecht behandelt bis das Lösegeld bezahlt war und er freigelassen wurde.
• 8.5.2005: Selah Malawi wurde in Al-Sadr Stadt entführt, misshandelt bis Lösegeld gezahlt und er freigelassen wurde.
• 26.5.2005: Die Familie des Ingenieurs Akram Salman wurde von Unbekannten angegriffen. Die Ehefrau, im dritten Monat schwanger, wurde geschlagen und verlor ihr ungeborenes Kind. Der Sohn Sinan wurde entführt.
• 10.6.2005: Rumi Rhaimas Haus wurde angegriffen. Seine schwangere Schwiegertochter Eman Kraidy Rhaima wurde heftig geschlagen und verlor das ungeborene Kind.
• 13.6.2005: Das Geschäft von Adel Aziz Khisaf wurde überfallen. Er hatte sich geweigert an die Mujahideen (einer islamistischen Extremistengruppe) zu zahlen. Sein Geschäft wurde zerstört und sein Leben bedroht.
• 16.6.2005: Khalid Akram Khalid wurde in der Provinz Anbar überfallen und schwer geschlagen.
• 21.6.2005: Anther Abdul Kari Atria wurde entführt. Sein Auto wurde gestohlen; er wurde freigelassen, nachdem Lösegeld bezahlt worden war.
• 24.6.2005: Fadhil Khalawi wurde in Basra überfallen und schwer geschlagen.
• 24.6.2005: Jameel Jebra wurde in Basra überfallen und schwer geschlagen.
• November 2005: Khalid abed al Sadaha wurde entführt. Seine Familie verkaufte alle Habseligkeiten, um 80.000$ Lösegeld bezahlen zu können. Er wurde am 10. November freigelassen. Während seiner Gefangenschaft wurde er Zeuge von drei Enthauptungen.
Namen von Entführten der Al-Zuhairi Familie:
1. Sheikh Kareem Salman Oriebi Al-Zuhairi (versuchte Entführung)
2. Raed Jasseb Al-Zuhairi
3. Anhar Latif Ouda Aziz Al-Zuhairi
4. Abbadi Nema Al-Zuhairi
5. Maha Saleem Obied Al-Zuhairi
6. Emad Jabbar Khalaf Almaanawi Al-Zuhairi
Bedrohungen und versuchter Mord an der Al-Zuhairi Familie:
1. Khazaal Sabah Zeman Al-Zuhairi
2. Zahroon Khalaf Khioon Al-Zuhairi
3. Jabbar Mohattam Jawhar Al-Zuhairi
4. Iyad Zahroon Khalaf Al-Zuhairi
5. Benwan Zahroon Al-Zuhairi
6. Emad Zahroon Al-Zuhairi
7. Fahmy Shanan Helou Al-Zuhairi
8. Majed Saad Helou Al-Zuhairi
9. Sabah Helou Banda Al-Zuhairi
10. Mahdi Sabah Helou Al-Zuhairi
11. Raad Jabbar Helou Al-Zuhairi
12. Iyad Jabbar Khalaf Al-Zuhairi
13. Bashir Abdul-Monem Gomair
14. Ehab Jabbar Khalaf Al-Zuhairi
15. Khalid Mejbel Jabbar Al-Zuhairi
16. Raed Mejbel Jabbar Al-Zuhairi
17. Diaa Mubarak Emara Al-Zuhairi
18. Rafid Louaiby Hasan Al-Zuhairi
19. Abdul-Kareem Louaiby Hasan Al-Zuhairi
20. Iyad Louaiby Hasan Al-Zuhairi
21. Gomar Waham Gomair Sal-Zuhairi
22. Emad Louaiby Hasan Al-Zuhairi
23. Alaa Mubarak Emara Al-Zuhairi
24. Bassem Waham Gomair Sal-Zuhairi
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