Das Alevitentum ist eine liberal-islamische Glaubensgemeinschaft. Sie gilt als die zweitstärkste islamische Konfession. Von den etwa 68 Millionen Einwohnern der Türkei bezeichnen sich über 20 Millionen Menschen türkischer, turkmenischer, kurdischer und arabischer Herkunft als Aleviten. Der Begriff „Alevit“ stammt von dem Namen „Ali“ und bedeutet soviel wie „Ali-Anhänger“. Die Bezeichnung „Alevit“ wird auch als Sammelbegriff für die religiösen Untergruppen wie Kizilbas-Aleviten, Bektasi-Aleviten, Tahtaci-Aleviten und weitere Gruppen benutzt.
(Hauptsiedlungsgebiete der Aleviten in der Türkei)
Anlässlich des Jahrestags des Massakers an der alevitischen Bevölkerung in der türkischen Stadt Sivas bekräftigt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ihre Solidarität mit der alevitischen Ge…
Das Massaker an der alevitischen Bevölkerung in der türkischen Stadt Sivas (Siwas) ist auch nach mittlerweile 30 Jahren weder juristisch noch politisch aufgearbeitet. Wiederholt hatten alevitische Verbände eine unabhängige Aufklärung des Verbrechens vom 2. Juli 1993 gefordert, bei dem 35 Menschen starben. Doch eine Bestrafung der Täter und ein Ende der anhaltenden Unterdrückung der alevitischen Religionsgemeinschaft sei nicht in Sicht.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker bedauert die Wiederaufnahme Syriens in die Liga der Arabischen Staaten. Das Assad-Regime musste dafür keinerlei Zugeständnisse machen. Vor genau zwölf Jahren sind die Menschen in Syrien für Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit auf die Straße gegangen. Stattdessen erhielten sie ein zerstörtes Land: Etwa 600.000 Menschen wurden getötet, 80 Prozent der Bevölkerung leben in Armut und 12 Millionen Menschen sind innerhalb und außerhalb des Landes auf der Flucht.
Die gestrigen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen waren vor allem in den kurdischen Gebieten der Türkei weder fair noch demokratisch. Wie die Gesellschaft für bedrohte Völker berichtet, wurden in der kurdischen Provinz Siirt am Wahltag zwei Mitglieder einer spanischen Wahlbeobachtungsdelegation festgenommen. In der kurdischen Provinz Sirnak sollen türkische Sicherheitskräfte aus gepanzerten Fahrzeugen wahllos Tränengasgranaten in Straßen und Wohnviertel geschossen haben. Auch bewaffnete Anhänger Erdogans hätten wahllos das Feuer eröffnet.
Ethnische und religiöse Minderheiten in den Nachbarländern der Türkei hoffen auf einen Regimewechsel, wie Dr. Kamal Sido, Nahostexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker, nach einer Reise in die Region berichtet. Besonders für die kurdischen Gebiete Syriens und des Irak könnte ein Machtwechsel das Ende der täglichen Angriffe bedeuten. Die Menschen leiden dort sehr unter der Gewalt, die von der Türkei ausgeht.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker und der Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland bemängeln, dass die kommenden Wahlen in der Türkei nicht fair ablaufen werden. Denn seit Jahren arbeiten Präsident Recep Tayyip Erdoğan und seine Partei AKP an der Aushöhlung demokratischer Strukturen im Land. Um seine Konservative Wählerschaft zu mobilisieren, setzt er immer mehr auf Hetze gegen ethnische und religiöse Minderheiten.
Einladung zur Menschenrechtsaktion in Berlin (16.3.)
Im Vorfeld des fünften Jahrestages der völkerrechtswidrigen Besetzung der nordsyrischen Kurdenregion Afrin am 18. März 2018 durch das NATO-Mitglied Türkei veranstaltet die Gesellschaft für bedrohte Völker eine Mahnwache vor dem Auswärtigen Amt in Berlin. Dazu laden wir Sie herzlich ein.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker ist enttäuscht vom Umgang des Bundespräsidialamtes mit der Gedenkveranstaltung für die Erdbebenopfer in der Türkei und Syrien. Die Kurdische Gemeinde Deutschland wurde von der Veranstaltung ausgeschlossen.
Alevitische Gemeinden in Pazarcik und Elbistan im Südosten der Türkei beklagen systematische Diskriminierung bei Hilfsgütern, Nothilfen und der Bergung von Erdbebenopfern, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker unter Berufung auf alevitische Quellen berichtet.