Anlässlich des Welttourismustags am 27. September macht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) gemeinsam mit der Maasai International Solidarity Alliance (MISA) auf die menschenrechtlichen Folgen des Tourismus in Nord-Tansania aufmerksam.
Durch den wachsenden Tourismus werden die Maasai immer weiter von ihrem Land zurückgedrängt: Weideflächen schwinden und der Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen wird eingeschränkt. Insbesondere die Trophäenjagd stellt laut MISA ein Tourismusmodell dar, das zu Landraub beiträgt und gegen Menschenrechte verstößt.
„Die Jagd auf Wildtiere gilt als größter Treiber von Landraub und wirft schwerwiegende ethische und ökologische Fragen auf. Doch auch Safari-Tourismus darf nicht dazu führen, dass die Maasai ihr Land und damit ihre Lebensgrundlage verlieren. Wer auf dem Land der indigenen Bevölkerung Tourismus betreiben will, muss ihre Rechte respektieren und sie an den Entscheidungen beteiligen“, sagt Laura Mahler, GfbV-Referentin für Subsahara-Afrika.
2026 hat MISA mit Unterstützung der GfbV die Auswirkungen des Tourismus auf die Maasai dokumentiert und alternative Modelle untersucht. Im Zuge dessen wurde mit mehr als 500 Menschen in vier Maasai-Distrikten gesprochen, darunter traditionellen Anführer*innen, Frauen und Jugendlichen. Die lokale Bevölkerung berichtete, wie sie den Tourismus auf ihrem Land erlebt und welche Zukunft sie sich wünscht. Die Gespräche haben gezeigt: Der Tourismus setzt das Land der Maasai zunehmend unter Druck.
„Gemeinden sollten selbst entscheiden können, ob, wo und unter welchen Bedingungen auf ihren Gebieten Tourismus betrieben wird“, erklärt MISA.
Auf Grundlage der Gespräche erarbeitet MISA eine Maasai-Vision für nachhaltigen Tourismus in ihrem Gebiet mit folgenden Kernforderungen:
- Kein Landraub: Tourismus muss die pastorale Lebensweise respektieren und schützen.
- Ein vollständiges Verbot der Trophäenjagd sowie nationale und internationale Importverbote.
- Keine Tourismusprojekte ohne freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC): Gemeinschaften müssen selbst über Tourismus auf ihrem Land entscheiden können.
- Ein neues Tourismusmodell: gemeindegeführt, gemeindeeigen und mit fairer Beteiligung an den Erträgen.
Die GfbV unterstützt diese Forderungen. Die Maasai Tourism Vision wird in den kommenden Monaten veröffentlicht und knüpft an die bereits publizierte Conservation Vision an.
Die Maasai International Solidarity Alliance (MISA) ist ein internationales Netzwerk von Maasai-Vertreter*innen, kirchlichen, Menschenrechts- und zivilgesellschaftlichen Organisationen. MISA setzt sich für die Landrechte, Selbstbestimmung und Lebensgrundlagen der Maasai in Nord-Tansania ein. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist Mitglied des MISA-Netzwerks und unterstützt gemeinsam mit den anderen Mitgliedsorganisationen die Anliegen der Maasai auf nationaler und internationaler Ebene.

Laura Mahler
Referentin für Subsahara-Afrika
Thematische Schwerpunkte:
- Namibia
- Ovaherero und Nama
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- Westsahara
E-Mail: l.mahler@gfbv.de
Telefon: +49 3051 695 825 3