Die Kurden zählen zu den indoeuropäischen Völkern. Mit 30-35 Millionen Menschen sind sie weltweit das größte Volk ohne eigenen Staat. Ihr Siedlungsgebiet wurde nach dem 1. Weltkrieg zwischen den neu entstandenen Staaten Syrien, Irak, Türkische Republik und Iran aufgeteilt. Eine kurdische Streuminderheit lebt in der ehemaligen Sowjetunion.
Ein kurdischer Bauer im Nordosten von Syrien, in direkter Nachbarschaft von Idlib. Foto: Sido/GfbV (2015)
Al-Baghdadi in Idlib
Abu-Bakr al-Baghdadi, der Anführer des sogenannten Islamischen Staates (IS), lebte offenbar monatelang unbehelligt in der Region Idlib, direkt an der Grenze zur Türkei. „Idlib steht seit Jahren unter Kontrolle der türkischen Armee und mit ihr verbündeter islamistischer Milizen“, erinnert Kamal Sido, Nahostexperte Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV).
GfbV Aktion in Berlin am 14. Oktober 2019. Foto: Hanno Schedler/ GfbV.
Türkische Militär-Intervention in Syrien
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert, sämtliche Zahlungen Deutschlands und der Europäischen Union an die Türkei unverzüglich einzustellen, bis die türkische Militärintervention in Nordsyrien gestoppt wird. Insbesondere dürfe Europa die Einrichtung der umstrittenen Schutzzone weder direkt noch indirekt unterstützen. „Europa darf keinesfalls aus Angst vor Flüchtlingen Verbrechen gegen die Menschlichkeit fördern“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. Ziel der sogenannten Schutzzone sei ein völkerrechtswidriger Bevölkerungsaustausch.
Wenn der sogenannte Islamische Staat wieder erstarkt, können viele tausend in Nordostsyrien festgesetzte Kämpfer nach ihrer Freilassung Terror in Europa verbreiten. Niemand erwarte ernsthaft, dass die Türkei die Kämpfer des IS für ihre Verbrechen strafrechtlich belangen werde, warnte die Menschenrechtsorganisation. Bild: Syrisches Flüchtlingslager Al Hol. GfbV/2019
Geplante türkische Militärintervention in Syrien
Terrorgefahr durch freikommende IS-Kämpfer:
• Wenn die Türkei angreift, können die SDF die Gefangenenlager nicht mehr sichern
• GfbV fordert Sondersitzung des Weltsicherheitsrates
• Internationale Initiative zum Umgang mit inhaftierten Terroristen und ihren Familien nötig
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert eine Sondersitzung des Weltsicherheitsrates, um die Türkei vor den dramatischen Folgen einer Militär-Intervention in Syrien zu warnen. „Eine Offensive der Türkei würde nicht nur Frieden und Stabilität in Syrien in weite Ferne rücken lassen, sie wäre auch eine ernste Gefahr für Europa“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen.
Durch die türkische "Schutzzone" werde nicht die Zivilbevölkerung geschützt. Im Gegenteil: Es würde eine Massenflucht der lokal ansässigen Bevölkerung ausgelöst. Ethnische Spannungen sind vorprogrammiert. Foto: Flüchtlingslager Al-Hol in Nordsyrien. GfbV/2019
Kritik an geplanter türkischer Militärintervention in Syrien
Kritik an sogenannter „Schutzzone“ in Nordsyrien:
• Der Euphemismus „Schutzzone“ verschleiert das völkerrechtswidrige Projekt
• Es würde eine Massenflucht der ansässigen kurdischen Bevölkerung ausgelöst
• Diese werde durch arabischstämmige Flüchtlinge aus anderen Landesteilen ausgetauscht
Wenn die Türkei mit Panzern aus deutscher Produktion in die Region einmarschiert, ist ein zweites Afrin zu befürchten – mit hunderten Toten, zehntausenden neuen Flüchtlingen und massiven Menschenrechtsverletzungen durch die türkische Armee. Foto: Menschenrechtsaktion der GfbV im Januar 2018 vor dem Auswärtigen Amt in Berlin. GfbV/2018
Baldiger türkischer Angriff auf Nordsyrien
Baldiger türkischer Angriff auf Nordsyrien: Bei dem bevorstehenden Angriff ist ein zweites Afrin zu befürchten.
Mit dem Segen der USA stünde einer ethnischen Säuberung der Region nichts mehr im Weg. Die deutsche Politik muss mäßigend auf die Türkei einwirken und das Schlimmste verhindern
Am 2. September 2019 wird Selahattin Demirtas von türkischen Richtern angehört. Er sitzt in einer Hochsicherheitszelle in Edirne, im äußersten Westen der Türkei, weit weg von seinem Geburtsort im asiatischen Teil des Landes. Die türkische Justiz wirft ihm „Terrorpropaganda“ in über 100 Fällen vor. Bild: GfbV 2019
Türkisch-kurdischer Oppositionspolitiker erneut von Gericht
Der in Deutschland lebende Bruder des kurdischen Oppositionspolitikers Selahattin Demirtas fordert von deutschen Politikern mehr Engagement für die Freilassung seines seit dem 3. November 2016 inhaftierten Bruders.
Im Film berichten vier starke Frauen über das Trauma der Vergewaltigung im Krieg und die Freude einer Mutter über ihr Baby. Bild: GfbV
„Geliebt & Geächtet – Kinder des Krieges“
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und das Zentrum der Eziden Göttingen zeigen am Donnerstag, den 8. August, den Film „Geliebt & Geächtet – Kinder des Krieges“. Die Vorführung im Victor-Gollancz-Haus der Gesellschaft für bedrohte Völker, Geiststraße 7 in Göttingen beginnt um 19:00 Uhr. Im Anschluss diskutiert Lina Stotz, GfbV-Referentin für ethnische, religiöse und Sprachliche Minderheiten und Nationalitäten Ilyas Isa, Vorstand des Zentrums der Eziden Göttingen, und dem yezidischen Menschenrechtler Mirza Dinnayi über die Themen Vergewaltigung als Kriegswaffe, Kinder des Krieges weltweit und die Lage der yezidischen Vergewaltigungsopfer und ihrer Kinder im Nordirak.
Im Film berichten vier starke Frauen über das Trauma der Vergewaltigung im Krieg und die Freude einer Mutter über ihr Baby. Bild: GfbV
„Geliebt & Geächtet – Kinder des Krieges“
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und die Ezidische Akademie zeigen am Dienstag, den 6. August, den Film „Geliebt & Geächtet – Kinder des Krieges“. Die Vorführung in der Schulenburger Landstraße 150 in Hannover beginnt um 17:30 Uhr. Im Anschluss diskutiert Lina Stotz, GfbV-Referentin für ethnische, religiöse und sprachliche Minderheiten und Nationalitäten mit Hatab Omar, dem Vorsitzenden der Ezidischen Akademie über die Themen Vergewaltigung als Kriegswaffe, Kinder des Krieges weltweit und die Lage der yezidischen Vergewaltigungsopfer und ihrer Kinder im Nordirak. Die Filmvorführung ist Teil einer Ausstellung der Ezidischen Akademie vom 3. bis 15. August.
Nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte befinden sich derzeit 8360 Kämpfer des „Islamischen Staates“ (IS) in der Hand kurdischer Kräfte im Nordosten Syriens – täglich kommen neue hinzu. Etwa 1.400 von ihnen sollen aus Europa kommen.
Der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdul Rahman, fordert Deutschland und andere EU-Staaten auf, zumindest ihre Staatsbürger, die in den Reihen des IS gekämpft haben, aufzunehmen und vor Gericht zu stellen. Schwerste Menschenrechtsverletzungen dürtfen nicht ohne Konsequenzen bleiben. Picture: Schedler/GfbV (2019)
Über 8000 gefangene IS-Kämpfer in Nordsyrien:
Nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte befinden sich derzeit 8360 Kämpfer des „Islamischen Staates“ (IS) in der Hand kurdischer Kräfte im Nordosten Syriens – täglich kommen neue hinzu. Etwa 1.400 von ihnen sollen aus Europa kommen. Der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdul Rahman, fordert Deutschland und andere EU-Staaten auf, zumindest ihre Staatsbürger, die in den Reihen des IS gekämpft haben, aufzunehmen und vor Gericht zu stellen. Schwerste Menschenrechtsverletzungen dürften nicht ohne Konsequenzen bleiben.