Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Koptische Christen in Ägypten fühlen sich durch die hohe Zahl von Blasphemie-Verfahren eingeschüchtert und in ihrer Glaubensfreiheit verletzt. In den Jahren 2011/2012 wurden dort 36 Verfahren wegen Blasphemie eingeleitet und zehn Personen aufgrund der Vorwürfe verurteilt, berichtete die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Mittwoch in Göttingen.
Am vergangenen Samstag hatte ein Gericht in Assiut den koptischen Rechtsanwalt Romani Mourad Saad wegen „Beleidigung des Islam“ zu einem Jahr Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, im Mai 2012 auf der Facebook-Seite seines Rechtsanwaltsvereins bei einem Streit mit einem islamistischen Juristen über die Präsidentschaftswahlen den Islam beleidigt zu haben. Außerdem hatten Zeugen behauptet, Mourad habe sich in einer Bibliothek des Vereins abfällig über den Islam geäußert. Obwohl die Zeugen ihre Aussagen nicht glaubhaft machen konnten und das Gericht den Ermittlungsbehörden mehrfach schlampige Arbeit vorgeworfen hatte, erging das Urteil gegen Mourad in Abwesenheit.
„Bei Blasphemie-Verfahren hört jede Rechtsstaatlichkeit auf“ warnte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. „Denn angesichts des massiven Drucks von muslimischen Extremisten sehen sich viele Richter nicht mehr dazu in der Lage, die Vorwürfe unbefangen zu untersuchen.“ Fünfzehn ägyptische Menschenrechtsorganisationen haben gegen das jüngste Urteil von Assiut protestiert.
Vor allem Lehrerinnen und Lehrer sind dem Vorwurf der Blasphemie ausgesetzt. Erst Anfang Mai 2013 wurde die Lehrerin Demyana Emad wegen angeblicher Blasphemie inhaftiert. Die 23 Jahre alte Koptin war von Schülerinnen und deren Eltern angezeigt worden. Sie wird weiter in Haft gehalten, obwohl Menschenrechtsorganisationen ihre Freilassung gefordert hatten.

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