Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Mit dem dringenden Appell, sich bei der Regierung von Marokko für die sofortige Freilassung von sieben Menschenrechtlern aus der marokkanisch besetzten Westsahara einzusetzen, hat sich die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Donnerstag an das Auswärtige Amt in Berlin, einzelne Bundestagsabgeordnete und Stiftungen gewandt. „Wir bitten Sie um sofortige persönliche Intervention für die Inhaftierten, unter ihnen der Vizepräsident des Vereins der Sahrauischen Menschenrechtler (CODESA), Ali Salem Tamek, der 2007 Ihr Gast war“, heißt es in den Schreiben der Menschenrechtsorganisation. Tamek war im Februar 2007 auf Einladung der GfbV in Berlin, hatte Gespräche mit dem Auswärtigen Amt und Bundestagsabgeordneten aller Parteien geführt und über die katastrophale Lage der Menschenrechte in der marokkanisch besetzten Westsahara berichtet. Wegen seines Menschenrechtsengagements habe Tamek in Marokko bereits fünf Haftstrafen verbüßen müssen.
Die sieben Inhaftierten sollen sich wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“
und „Zusammenarbeit mit dem Feind“ vor einem Militärgericht verantworten. Ihnen drohen langjährige Haftstrafen. Wie erst jetzt bekannt wurde, wurden sie bereits am 8. Oktober 2009 auf dem Flughafen von Casablanca von marokkanischen Sicherheitskräften abgeführt, als sie von einem Besuch in den Flüchtlingslagern von Sahrauis in Südalgerien zurückkehrten. Vier Tage lang wurden sie mit verbundenen Augen an einem unbekannten Ort festgehalten, bevor ihre Angehörigen über die Festsetzung informiert wurden. Am 15. Oktober überwies ein Richter in Casablanca ihr Verfahren an ein Militärgericht.
„Ihr einziges Verbrechen ist es gewesen, sich für Menschenrechte in der
Westsahara einzusetzen“, berichtete der Afrikareferent der Gesellschaft für
bedrohte Völker (GfbV), Ulrich Delius. Neben Ali Salem Tamek wurden
auch die ehemaligen politischen Gefangenen Yahdih Ettarouzi, Brahim
Dahane und Ahmad Nassiri sowie die Menschenrechtler Saleh Lebayhi,
Rachid Sghayar und die Menschenrechtsverteidigerin Dagja Lachgar
angeklagt.
Die Westsahara wurde 1975 völkerrechtswidrig von Marokko besetzt. Mehr
als 500 Sahrauis „verschwanden“ unter marokkanischer Besetzung.
Mindestens 32 Sahrauis sind zurzeit aus politischen Gründen in Marokkos
Gefängnissen inhaftiert. Rund 165.000 ursprüngliche Bewohner der
Westsahara leben heute in Tindouf im Süden Algeriens im Exil.
Ulrich Delius ist erreichbar unter asien@gfbv.de

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