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Aktuelles News & Artikel „Musik und Tanz bei indigenen Völkern“

Kurzbeschreibung des GfbV-Kalenders "Lebenszeichen 2007"

„Musik und Tanz bei indigenen Völkern“

Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen

Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Der – musikalische – Reiz des Anderen

Traditionelle Musik ist ein wichtiger Kulturträger und wird von innovativen MusikerInnen als Inspirationsquelle geschätzt. „Volksmusik“ wird aber häufig (nicht nur im deutschsprachigen Raum) als rückständig („unzeitgemäß“) belächelt – tritt sie jedoch „exotisch“ auf, wirkt der Reiz des bisher Unbekannten. Dies kommt z. B. in einer Konzertankündigung des multiethnischen österreichischen Kammerquartetts QuaRZ sehr gut zum Ausdruck: „In Musik übersetzte Eindrücke aus fernen Kulturen, mitgenommen von unzähligen Tourneen, bringen den Zuhörer zur Stille und Weite des hohen Nordens genauso wie in die Welt fernöstlicher Klangbilder sowie zu den Rhythmen Afrikas. Musik, die aus dem Augenblick entsteht und den Tiefen der Seele nachspürt, lyrisch und virtuos. Poesie in Klang und Melodie. Kompositionen zwischen Folklore, Weltmusik und einer Prise Klassik.“

Diese „Collagen nach Noten“ kommen im Zeitalter der Globalisierung als „Worldmusic“ auf den Markt und erzielen erstaunliche „Synergieeffekte“: Einerseits wird – wenn auch in veränderter Form – die Musik diverser Ethnien und Regionen weltweit bekannt, andererseits erfährt ihre traditionelle Musik eine nachhaltige Prägung: Popmusik übt bei vielen Indigenen eine große Faszination aus und wird unter Verwendung moderner Instrumente wie z. B. der E-Gitarre kreativ genützt, um die überlieferte Musik neu zu adaptieren. Die Urheberrechte tradierter Lieder und Tonkunst sind nur schwer bis gar nicht zu klären – ein Umstand, von dem die globale Musikindustrie profitiert, da Elemente herkömmlicher Musikstile ohne Berücksichtigung des Copyrights übernommen werden können.

Trendsetter „Worldmusic“

Westliche MusikerInnen holen sich seit Jahren gerne musikalische Impulse aus aller Welt und verwenden diese für neue Kompositionen, wodurch das Interesse an authentischer Musik geweckt wird. So erlebte die kubanische Musik weltweit einen Boom, nachdem der US-amerikanische Musiker Ry Cooder und der deutsche Regisseur Wim Wenders die alten Meister dieses Musikstils mit der CD- und Film-Produktion von „Buena Vista Social Club“ auf die internationale Bühne holten. Paul Simon erreichte durch die Zusammenarbeit mit südafrikanischen MusikerInnen Ähnliches. Aber viele indigene KünstlerInnen konnten sich auch ohne Protektion und unter schwierigeren Bedingungen in der Musikbranche etablieren und weltweite Anerkennung erlangen, z. B. der afro-indianische Gitarrenheros Jimi Hendrix, die zahlreichen afro-amerikanischen MusikerInnen wie Louis Armstrong oder Miriam Makeba aus Südafrika.

Nachdem die Protestmusik-Welle der Hippie-Ära so gut wie vorbei war, haben seit einigen Jahren indigene KünstlerInnen aus der so genannten „Dritten Welt“ erneut die Möglichkeit aufgegriffen, mittels origineller „Worldmusic“ politische Botschaften und Menschenrechte ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Tuareg-Gruppe Tinariwen beispielsweise besingt den Widerstandsgeist ihres Volkes, die Indianerpunkband Blackfire engagiert sich nicht nur für die Anliegen der Apachen, sondern weltweit für Menschenrechte, und die mexikanische Gruppe Panteón Rococó unterstützt die indianische Bewegung der Zapatisten in Chiapas.

Viele Aspekte, mit denen indigene MusikerInnen konfrontiert werden, sind in den folgenden Auszügen eines Interviews mit der samischen Sängerin Mari Boine enthalten:

„Vor ungefähr 20 Jahren begann ich, Musik zu spielen. Anfangs sang ich noch Balladen, Rock- und Popsongs, aber schon damals waren die Texte sehr wichtig. Ich sang sehr politische Lieder, denn ich wollte über die Situation meines Volkes erzählen. Ich wollte über seine Geschichte schreiben, wie es unterdrückt wird, welche Konsequenzen das für mein Volk hat. Diejenigen Sami, die noch immer traditionell leben, haben es immer schwerer. Das Land ist geteilt und da müssen Gesetze von vier verschiedenen Ländern befolgt werden. Die Rentierzüchter meines Volkes brauchen große Gebiete, wohin die Herden ziehen können und allein das ist sehr schwierig. Die Natur wurde zerstört, Rohstoffe werden ausgebeutet, Kraftwerke gebaut und die Regierungen fragen die Sami niemals, wie sie es denn wollen. Alles wird im Süden entschieden. Auch die Tschernobyl-Katastrophe hat den Süden des Samilandes stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Musik hat für mich einen heilenden Effekt. Indem ich mich mit dem Joik-Gesang beschäftigte und selber joikte (Singstil der Sami, der auf uralte schamanische Traditionen und Riten zurückgreift), konnte ich die Verletzungen, die die norwegische Gesellschaft den Samen zugefügt hat, verarbeiten. Einflüsse von außen haben wir nicht nur in der heutigen Zeit. Kulturen haben sich auch früher getroffen. Ich glaube nicht an das Authentische. Das ist eine tote Kultur. Das ist nur ein Kopieren. Kultur ist etwas Lebendiges. Ich kann doch nicht so tun, als sei ich eine Samin aus dem 18. Jahrhundert und den Joik nur so vorführen, wie man es damals gemacht hat. Wenn du in einer Tracht erscheinst, erzeugst du einen Abstand zum Publikum. Ich will wie ein normaler Mensch für das Publikum sein. Ich will, dass das, was ich singe, einen Widerklang bei den Leuten erzeugt, dass sie denken, vielleicht ist sie ja doch nicht so anders.“

In diesem Sinn wünscht die „Lebenszeichen“-Redaktion ein gutes neues Jahr 2007 mit viel Musikgenuss.

Titelbild: Die Mahotella Queens

Schon seit den 1960er Jahren singen die Mahotella Queens zusammen. Gemeinsam mit Musikern wie Simon Nkabindé Mahlathini („Der Löwe von Soweto“) und der Makgona Tsothle Band schufen sie Mbaquanga, einen feurigen und kraftvollen Sound, der traditionelle Musik und den südafrikanischen Marabi-Jazz mit R&B, Gospel und Soul kombiniert. Mbaquanga war Musik für und über die BewohnerInnen der Townships und wurde begeistert aufgenommen. Die Queens gaben den Unterdrückten eine Stimme und wurden dadurch zu Identifikationsfiguren für die schwarze Gemeinschaft und die internationale Anti-Apartheid-Bewegung. Ende der 1970er Jahre legten die Musikerinnen eine mehrjährige Pause ein, um sich ihren Familien zu widmen, Mitte der 80er Jahre feierten sie ihr Comeback und nahmen mit Mahlathini das berühmte Album „Paris – Soweto“ mit dem weltweiten Hit „Kazet“ auf. 1999 starb Simon Mahlathini, mit dem sie in den Jahren zuvor Konzerte auf der ganzen Welt mit fulminanten Bühnenshows gegeben hatten. Unterstützt von jungen südafrikanischen MusikerInnen entschlossen sich die Mahotella Queens zum Weitermachen. Im Jahr 2000 erschien ihr Album „Sebai Bai“, das sie Mahlathini und zwei anderen verstorbenen Musikerkollegen widmeten. Im selben Jahr wurden sie auf der Weltmusikmesse Womex in Berlin als „World Music Artist of the Year“ ausgezeichnet. Im Mai 2006 veröffentlichten sie ihre bislang letzte CD „Reign & Shine“.

Foto: Martin Beck

Der Kalender kostet jetzt nur noch 10,00 Euro (plus 6,- Euro Versandkosten) und kann bei der GfbV bestellt oder abgeholt werden.

Kalenderdaten:

13 großformatige Farbbilder

39 schwarz/weiß-Bilder

Format DIN A3

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