Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Göttingen
Vor wenigen Tagen ist der Leiter unseres Kosovo-Teams, der Träger des Weimarer Menschenrechtspreises und Buchautor Paul Polansky nach Deutschland zurückgekehrt.
Am kommenden Dienstag (15. Mai)
um 18 Uhr
in der Katholischen Kirchengemeinde
St. Michael, Turmstraße 6 in Göttingen
wird er aus erster Hand über die aktuelle Lage der Minderheiten der Roma, Aschkali, „Ägypter“, Bosniaken, Türken und Goranen im Kosovo informieren und Fragen beantworten.
Wir möchten Sie herzlich zu diesem Vortragsabend einladen. Denn Betroffene leben auch in Göttingen: Hier haben etwa 400 Roma, Aschkali und Ägypter aus dem Kosovo Schutz gesucht.
Seit acht Jahren dokumentiert Polansky im Auftrag der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) – Ort für Ort und Haus für Haus – die katastrophalen Bedingungen, unter denen die meisten noch im Kosovo verbliebenen Minderheitenangehörigen leben müssen. Dort haben Roma, Aschkali und Ägypter, Bosniaken, Türken oder Gorani kaum eine Zukunft: Sie müssen zusammengedrängt in wenigen Enklaven leben, in denen sie keine oder zu wenig humanitäre Hilfe erhalten, oft Hunger leiden müssen und medizinisch nur sehr unzureichend betreut werden, haben Roma. Sie haben weder Zugang zum Arbeitsmarkt noch zum Gesundheits- oder Bildungssystem. Besonders Besorgnis erregend ist ihre Sicherheitslage. Immer wieder werden Minderheitenangehörige — selbst Kinder! — Opfer von Angriffen extremistischer Albaner. Doch diese werden nicht registriert, geschweige denn als ethnisch motivierte Übergriffe eingestuft. Die Täter werden strafrechtlich nicht verfolgt.
Kosovo-Flüchtlinge, die in Deutschland Zuflucht gesucht haben, werden hier nur geduldet. Die meisten von ihnen müssen ständig damit rechnen, in den Kosovo und damit in Unsicherheit und Elend zurückgeschoben zu werden. Da die Chancen gering sind, dass die Belange der Minderheiten bei den in Wien im Februar 2006 begonnenen Verhandlungen zwischen serbischen und albanischen Repräsentanten über den Status des Kosovo berücksichtigt werden, sind die Zukunftsaussichten für die kleineren Volksgruppen umso deprimierender.
Wir würden uns sehr freuen, Sie am 15. Mai begrüßen zu dürfen!

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