Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Am kommenden Sonntag, den 18. Oktober, wird in Bolivien gewählt. „Evo Morales, der erste indigene Präsident Südamerikas, hat das Land bezüglich der Repräsentation Indigener in Politik und Gesellschaft, der Anerkennung indigener Rechte und ihrer politischen Partizipation deutlich vorangebracht“, erinnert Juliana Miyazaki, Referentin für indigene Völker bei der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). „Doch sein Verhalten gegen Ende seiner Amtszeit hat dem Ansehen der bolivianischen Demokratie geschadet. Dass die Wahl dieses Mal sauber abläuft und eine reibungslose Machtübergabe gelingt, ist auch im Interesse der indigenen Bevölkerung im Land.“ Die vorherigen Wahlen wurden vor fast genau einem Jahr abgehalten. Nach Unregelmäßigkeiten und Protesten musste Morales das Land verlassen, wirkliche politische Stabilität ist seitdem nicht eingekehrt.
Obwohl große Teile der Bevölkerung indigene Wurzeln hat – mehr als 60 Prozent der Menschen in Bolivien bezeichnen sich als indigen – stellen sich in diesem Jahr keine weiteren Indigenen für eine der aussichtsreichen Parteien zur Wahl. Die besten Chancen scheinen derzeit Luis Arce und Carlos Mesa zu haben. Arce war Finanzminister unter Evo Morales und tritt für dessen sozialistische Partei MAS an. Mesa kandidiert für die bürgerliche Comunidad Ciudadana. Der christlich-fundamentalistische Kandidat Fernando Camacho von der Partei Creemos („Wir glauben“) ist im Wahlkampf durch anti-indigene Rhetorik aufgefallen. „Wir sind besorgt, dass anti-indigene Tendenzen in der Bevölkerung, die seit den Wahlen 2019 wieder stärker zum Vorschein kommen, auch politisch an Einfluss gewinnen und die positiven Entwicklungen zurückgedreht werden“, warnt Miyazaki.
Auch Bolivien war in den letzten Monaten stark von der Coronavirus-Pandemie betroffen. Unter den elf Millionen Einwohnern des Landes wurden bisher knapp 140.000 Infektionen nachgewiesen, etwa 8.400 Menschen starben bisher in Bolivien an Covid-19. Wie sich das Infektionsgeschehen und die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen auf die indigene Wahlbeteiligung auswirken werden, ist schwer vorherzusagen.

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