Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Vor einer neuen humanitären Katastrophe im Westen des Sudan hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Donnerstag gewarnt, nachdem die Sicherheit der 11.000 internationalen Helfer nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) in weiten Teilen Darfurs nicht mehr garantiert werden kann. „Rund 650.000 Notleidende in Flüchtlingslagern im Westen und Süden Darfurs werden von der Außenwelt abgeschnitten und allein gelassen“, warnte der GfbV-Sudanexperte Ulrich Delius. Wegen zunehmender Übergriffe mussten am Mittwoch zwei Drittel Darfurs für humanitäre Helfer gesperrt werden.
„Die Europäische Union unternimmt zu wenig, um die Gewalt in Darfur einzudämmen“, kritisierte Delius, „außer vielen Worten und Betroffenheitserklärungen kommt keine konkrete Initiative, um diesen Völkermord zu stoppen.“ Vergeblich hätte man auch beim jüngsten Sudan-Besuch des EU-Außen- und Sicherheitsbeauftragten Javier Solana vergangene Woche auf neue europäische Initiativen gewartet, um die von der sudanesischen Regierung geförderte Aufsplitterung der Rebellenbewegungen in Darfur zu stoppen. Es reiche nicht aus, wenn Solana immer wieder die Bedeutung von Friedensgesprächen betone. Die EU müsse die Rebellen in Darfur an einen Tisch bringen, um dafür zu sorgen, dass sie mit einer Stimme sprechen. Nur dann hätten Friedensgespräche Aussicht auf Erfolg.
Geschickt nutze Khartum Rivalitäten unter den Ethnien in Darfur, um verschiedene Widerstandsbewegungen gegeneinander aufzuhetzen. So werde nicht nur die Gewalt im Westen des Sudan angeheizt. Auch die Friedensgespräche in der nigerianischen Hauptstadt Abuja könnten deshalb scheitern. Diese Politik habe Tradition im Sudan. Gezielt habe eine kleine Machtelite in Khartum in den vergangenen 50 Jahren Konflikte zwischen den Ethnien in dem Vielvölkerstaat geschürt, um ihre eigene Herrschaft zu sichern. Mehr als drei Millionen Südsudanesen und Nuba hätten diese Menschen verachtende Politik mit dem Leben bezahlen müssen. „Die EU muss mehr tun, um diesen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und den Tod weiterer Zehntausender Menschen in Darfur zu verhindern“, erklärte Delius.

Gemeinsam handeln – Newsletter abonnieren
Bleiben Sie informiert über unsere Menschenrechtsarbeit, Erfolge und aktuelle Kampagnen. Unser Newsletter bringt Ihnen Stimmen unserer Partner*innen, Analysen und Möglichkeiten zum Mitmachen direkt ins Postfach.