Ovaherero

Gedenkveranstaltung zum Völkermord an den Ovherero und Nama in Namibia, 2023.

Foto: GfbV-Archiv

Die Ovaherero sind eine ethnische Gruppe im südlichen Afrika. Sie leben vor allem in Namibia, aber auch in Botswana und Südafrika. Sie sind ein Bantu-Volk und sprechen Otjiherero. Traditionell waren die Ovaherero Viehzüchter und siedelten hauptsächlich in den zentralen und östlichen Regionen Namibias.

Namibia: Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts

Die heutige Republik Namibia war von 1884 bis 1915 die Siedlerkolonie Deutsch-Südwestafrika. Während der deutschen Kolonialzeit kam es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen deutschen Soldaten und Kämpfern der Ovaherero. Zwischen Juni und August 1904 ließ der deutsche Generalleutnant Lothar von Trotha die Ovaherero am Waterberg-Plateau umzingeln, 250 Kilometer nördlich von Windhoek, wo am 11. und 12. August die entscheidende Schlacht stattfand. Die Herero-Kämpfer waren den Kolonialtruppen unterlegen und flohen in die Omaheke-Wüste. Die deutsche Kolonialarmee verfolgte die Fliehenden, schnitt ihnen den Zugang zu Wasserstellen ab oder vergiftete diese. Während dieser Flucht in Richtung des heutigen Botswanas verdursteten tausende Ovaherero.

Am 2. Oktober 1904 erließ von Trotha den Vernichtungsbefehl gegen die Ovaherero. Die deutschen Truppen zerstörten gezielt ihre Lebensgrundlagen und inhaftierten die Überlebenden in Konzentrationslagern, wo viele unter unmenschlichen Bedingungen an Hunger, Krankheit und Misshandlung starben. Schätzungen zufolge kamen durch den Völkermord etwa 80.000 Ovaherero ums Leben, was etwa 80 Prozent ihrer damaligen Bevölkerung entsprach.
 

Die Ovaherero heute: benachteiligte Minderheit im eigenen Land

Bis heute leben die Nachfahren der Ovaherero in prekären Verhältnissen. Obwohl die Nachkommen der einstigen Kolonisator*innen weniger als zehn Prozent der namibischen Bevölkerung ausmachen, besitzen sie rund zwei Drittel des fruchtbaren Bodens. 

Die deutsche Bundesregierung hat den Völkermord bis heute nicht rechtlich bindend anerkannt. Das sogenannte Versöhnungsabkommen zwischen Deutschland und Namibia spricht lediglich von einem Genozid aus heutiger Sicht und umgeht damit eine rechtliche Verantwortung sowie bindende Reparationszahlungen. Darüber hinaus wird das Abkommen von den offiziellen Vertretungen der Nama und Ovaherero nicht anerkannt, da sie nicht in die Verhandlungen miteinbezogen wurden. Dies verstößt gegen internationale Standards im Umgang mit Völkermord.

Laidlaw Peringanda ist Gründer des Swakopmund Genocide Museums.
Foto: Stefanie Grolig/GfbV

Das Swakopmund Genocide Museum dokumentiert und klärt auf 

Laidlaw Peringanda ist Herero und trägt in der namibischen Küstenstadt Swakopmund zur Aufklärung über den Völkermord bei. Er arbeitet damit auch seine eigene Familiengeschichte auf, da seine Vorfahren selbst Gefangene in einem der Konzentrationslager waren. Im Swakopmund Genocide Museum und bei Stadtführungen informiert er Interessierte aus aller Welt über die koloniale Vergangenheit der Stadt.  Mehrmals im Jahr geht Peringanda zusammen mit anderen Freiwilligen auf den Herero-Friedhof in Swakopmund. Dort liegen mehr als 2.000 unmarkierte, unbefestigte Gräber. Weil der stetige Wind die Sandgräber vollständig verwehen und damit unkenntlich machen würde, häuft Peringanda mit Freiwilligen die Gräber regelmäßig wieder auf. Wir arbeiten mit Laidlaw Peringanda zusammen, um die Aufklärung über den Völkermord an den Ovaherero zu unterstützen.

Ovaherero-Friedhof in Swakopmund.
Foto: Sarah Neumeyer/GfbV

 

Aktuelle Projekte und Arbeitsschwerpunkte

 

Mediathek

Warum wird der Völkermord an den Herero und Nama auch heute von deutscher Seite nicht anerkannt? Wir erklären es in unserem Dossier zu den Hintergründen und zur aktuellen Debatte um die Anerkennung des Völkermords im heutigen Namibia:

Völkermord verjährt nicht!

 

Reporte und Artikel


 

Pressearbeit


Autorin: Laura Mahler 
Redaktion: Stefanie Grolig
 und Myriam Givens  

Zuletzt bearbeitet im Juni 2025.