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Aymara

Blauer Pfeil

Die Aymara gehören zu den ältesten Indigenen Völkern der Anden. Bis heute werden sie politisch, wirtschaftlich und sozial ausgegrenzt. Diese Benachteiligung ist Folge kolonialer Machtstrukturen. Ihre Geschichte ist geprägt von Fremdherrschaft, Landverlust, anhaltender Marginalisierung und daraus resultierendem Widerstand. Konflikte um Land, politische Teilhabe und kulturelle Selbstbestimmung prägen den Alltag vieler Aymara bis heute. Diese Konflikte begannen nicht erst mit der Ankunft der spanischen Kolonialherren, sondern bereits im Inkareich. 

Cholitas auf einem Straßenfest in La Paz. Nach Jahrhunderten der Diskriminierung werden sie als unahängige, selbsstbewusste Frauen zuhnemend zum Ausdruck eines neuen indigenen Selbstbewusstsein. Foto: Hugo Nestor Quispe Saire / Flickr / CC BY 2.0 / https://www.flickr.com/photos/uverhq/7580624808/
Cholitas auf einem Straßenfest in La Paz. Nach Jahrhunderten der Diskriminierung werden sie als unahängige, selbsstbewusste Frauen zuhnemend zum Ausdruck eines neuen indigenen Selbstbewusstsein. Foto: Hugo Nestor Quispe Saire / Flickr / CC BY 2.0 / https://www.flickr.com/photos/uverhq/7580624808/

Aymara: Indigenes Volk der Anden 

Heute zählen die Aymara rund zwei bis drei Millionen Menschen. Sie leben vor allem im Hochland, das sich über die Gebiete der heutigen Länder Bolivien, Peru, Chile und ((Argentinien)) erstreckt. 

Die Aymara gelten als Nachfahr*innen der Tiwanaku-Kultur, einer der bedeutendsten Zivilisationen des präkolumbianischen Andenraums. Mit der Expansion des Inkareichs im 15. Jahrhundert wurden ihre Gebiete eingegliedert, viele soziale und kulturelle Strukturen blieben jedoch bestehen. 

Aymara: Eine der meistgesprochenen indigenen Sprachen Südamerikas

Mit rund 2,2 Millionen Sprecher*innen gehört Aymara neben Quechua und Guaraní zu den meistgesprochenen indigenen Sprachen Südamerikas. Gemeinsam mit den stark gefährdeten Sprachen Jaqaru und Kawki, die in Peru nur noch von wenigen Dutzend beziehungsweise wenigen Sprecher*innen gesprochen werden, bildet Aymara die Aymara-Sprachfamilie, die auch als Aru- oder Jaqi-Sprachen bezeichnet wird.

Spanische Kolonialherrschaft prägt Leben bis heute

Mit der spanischen Kolonialherrschaft begannen systematische Gewalt und Ausbeutung. Die Kolonialherren nahmen den Aymara-Gemeinschaften ihr Land und zwangen sie zur Arbeit in Minen und auf Großgrundbesitz. Koloniale Zwangssysteme wie die Mita (Arbeitsdienst) und das Reparto-System (Zwangsabgaben und -handel) zerstörten ihre territorialen Strukturen, das sogenannte Ayllu-System – gemeinschaftlich organisierte Lebens- und Wirtschaftsräume.

Die Folgen der Kolonialherrschaft prägt das Leben der Aymara bis heute: Land ist in den Händen weniger Eliten konzentriert, während indigene Gemeinschaften weiterhin systematisch verdrängt und ausgegrenzt werden.

Indigenes Leben zwischen Stadt und Land

Ein Seilbahnnetz verbindet die Hauptstadt La Paz mit der Schwesterstadt El Alto. Mittlerweile leben hier mehr Menschen als in La Paz selbst - Ein Großteil der Einwohner sind Aymara. Foto: Dan Lundberg / Flickr / CC BY-SA 2.0 / https://www.flickr.com/photos/9508280@N07/37926547286/
Ein Seilbahnnetz verbindet die Hauptstadt La Paz mit der Schwesterstadt El Alto. Mittlerweile leben hier mehr Menschen als in La Paz selbst – Ein Großteil der Einwohner sind Aymara. Foto: Dan Lundberg / Flickr / CC BY-SA 2.0 / https://www.flickr.com/photos/9508280@N07/37926547286/

Heute leben viele Aymara in Städten.  Armut, Landverlust und Perspektivlosigkeit erschweren das Leben im ländlichen Raum. In städtischen Zentren wie El Alto entstehen neue Formen indigener Identität, die Tradition und das moderne Stadtleben verbinden. Diese Entwicklungen sind Ausdruck von Anpassung – und zugleich von Widerstand gegen anhaltende soziale und politische Ausgrenzung.

Sogenannte “Cholets” prägen das Bild El Alto’s. Als Aushängeschild eines neuen neo-andinen Architekturstils verbinden sich in ihnen traditionelle Formen und Farben mit futuristischer Bauweise. Foto: Parallelepiped09 / Wikipedia / CC BY-SA 4.0 / https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=175245835
Sogenannte “Cholets” prägen das Bild El Alto’s. Als Aushängeschild eines neuen neo-andinen Architekturstils verbinden sich in ihnen traditionelle Formen und Farben mit futuristischer Bauweise. Foto: Parallelepiped09 / Wikipedia / CC BY-SA 4.0 / https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=175245835

Zwischen Anerkennung und Ausgrenzung

In Bolivien markierte die Wahl von Evo Morales im Jahr 2005 einen historischen Wendepunkt. Erstmals wurde ein Präsident mit indigener Herkunft gewählt. Die neue Verfassung von 2009 erkannte Bolivien als plurinationalen Staat an und stärkte formell die Rechte Indigener Völker. Identitätssymbole der Aymara, wie die Wiphala-Flagge, wurden Teil staatlicher Repräsentation. Die Auswirkungen auf das Leben der Aymara waren jedoch begrenzt: Diskriminierung, soziale Ungleichheit und politische Ausgrenzung bestehen fort – in staatlichen Institutionen ebenso wie im Alltag.

Auch in Peru und anderen Ländern der Region sind indigene Gemeinschaften der Aymara weiterhin unterrepräsentiert und wirtschaftlich benachteiligt.

Benki Piyãko. Foto: Eliane Fernandes / GfbV

Aktivist*innen riskieren weltweit ihre Freiheit, ihre Sicherheit – und oft ihr Leben. Der indigene Menschenrechtsverteidiger Benki Piyãko stellt sich seit Jahren mutig der Holzmafia im brasilianischen Regenwald entgegen. Durch sein Engagement befindet er sich in ständiger Lebensgefahr.

Er steht beispielhaft für Aktivist*innen weltweit, die starke, solidarische Verbündete brauchen.

Benki Piyãko. Foto: Eliane Fernandes / GfbV

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Gewalt und Repression

Die Konflikte um politische Macht und soziale Ungleichheit im Andenraum münden immer wieder in Gewalt. Bei Protesten in Bolivien 2019 wurden Dutzende Demonstrant*innen, viele von ihnen Aymara aus der Stadt El Alto, von offiziellen Sicherheitskräften getötet

Ein ähnlicher Fall ereignete sich Anfang 2023 in Peru. Dort kam es bei Protesten zu tödlicher Gewalt gegen indigene Demonstrant*innen.

Polizei und Militär gehen unverhältnismäßig gegen indigene Bevölkerungsgruppen vor. Die Gewalt wird strafrechtlich kaum aufgearbeitet. Für viele Aymara ist staatliche Gewalt keine Ausnahme, sondern eine wiederkehrende Erfahrung.

Ressourcen als Konflikttreiber

Der Hauptauslöser vieler Konflikte ist der Zugang zu natürlichen Ressourcen. Das angestammte Land der Aymara ist reich an mineralischen Ressourcen und gleichzeitig von Wasserknappheit geprägt. Nichtsdestotrotz interessieren sich Unternehmen und der Staat selbst für die Rohstoffe. Bergbau-, Landwirtschafts- und Infrastrukturprojekte  greifen regelmäßig in ihre Territorien ein. Die Folgen sind Umweltzerstörung, die zunehmende Verschmutzung von Wasserquellen und der damit einhergehende Verlust von Lebensgrundlagen. Oft werden diese Projekte ohne eine vorherige Konsultation der betroffenen Gemeinschaften durchgeführt, ein Recht, das durch verschiedene internationale Abkommen über die Rechte Indigener Völker anerkannt ist.

Dies setzt traditionelle Lebensweisen massiv unter Druck. Für viele Aymara bedeutet dies nicht nur wirtschaftliche Unsicherheit, sondern auch den Verlust kultureller Identität.

Ein ungelöster Konflikt

Der Konflikt um die Rechte der Aymara steht beispielhaft für die  anhaltende Ungleichheit zwischen indigenen Gemeinschaften und politischen und wirtschaftlichen Eliten in Lateinamerika. Solange Landrechte nicht konsequent geschützt, staatliche Gewalt nicht aufgearbeitet und wirtschaftliche Interessen priorisiert werden, bleibt diese Ungleichheit bestehen. Der Widerstand der Aymara richtet sich daher nicht nur gegen einzelne Projekte. Sie kämpfen gegen ein System, das ihre Rechte und Lebensweisen bis heute nicht vollständig anerkennt.

Stand: Juni 2026

Autor: Jan Königshausen
Redaktion: Sarah Neumeyer

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