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Belutsch*innen

Blauer Pfeil

Die Belutsch*innen sind ein Volk mit historischer Präsenz im südwestlichen Asien. Sie sprechen belutschisch, eine westiranische Sprache, und gehören überwiegend dem sunnitischen Islam an. Ihre Kultur ist stark durch Gemeinschaftsstrukturen geprägt, die über viele Jahrhunderte gewachsen sind. Traditionell lebten sie als Viehhirt*innen, Händler*innen oder sesshafte Bäuer*innen in weitgehend autonomen Gemeinschaften in einem Gebiet, das heute als Belutschistan bekannt ist, was wörtlich „Land der Belutschen“ bedeutet.

Siedlungsgebiete der Belutsch*innen

Das traditionelle Siedlungsgebiet der Belutsch*innen erstreckt sich über mehrere Staaten: vorwiegend in der südwestlichen Provinz Belutschistan in Pakistan, im Südosten des Iran sowie im südwestlichen Afghanistanentlang der Grenze zum Iran und Pakistan.

Die genaue Zahl der Belutsch*innen ist schwer zu beziffern, da Volkszählungen oft ungenaue oder politisch umstrittene Daten liefern. In Pakistan, dem Kerngebiet ihrer Verbreitung, machen Belutsch*innen etwa 3,5 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Etwa 50 Prozent der pakistanischen Belutsch*innen leben in der Provinz Belutschistan. In Iran wird die Zahl der Belutsch*innen auf etwa 2,5 bis vier Millionen geschätzt. In Afghanistan leben schätzungsweise bis zu rund eine Million Belutsch*innen (Stand: 2026).

  • Pakistan: 8,6 Millionen
  • Iran: 2,5 bis 4 Millionen
  • Afghanistan: 1 Millionen

Strukturelle Benachteiligung in Pakistan

Die Belutsch*innen sehen sich in mehreren ihrer Heimatstaaten erheblichen politischen und strukturellen Herausforderungen gegenüber. In Pakistan, wo die Provinz Baluchistan flächenmäßig die größte des Lbethandes ist, sind die Belutsch*innen politisch marginalisiert und in staatlichen Institutionen unterrepräsentiert. Immer wieder wurden Forderungen nach größerer Autonomie und sogar nach Unabhängigkeit laut, da die Belutsch*innen nicht angemessen an politischen Entscheidungsprozessen und an der Verteilung regionaler Ressourcen beteiligt werden.

Hinzu kommt eine ausgeprägte wirtschaftliche Benachteiligung. Obwohl die Region Belutschistan reich an natürlichen Ressourcen wie Erdgas und Mineralien ist, zählen die Gebiete sowohl in Pakistan als auch im Iran zu den wirtschaftlich schwächsten. Mangelnde Infrastruktur, geringe Investitionen, hohe Arbeitslosigkeit und  ein eingeschränkter Zugang zu Bildungs- und Gesundheitsangeboten prägen vielerorts die Lebensrealität der Bevölkerung.

Schwere Menschenrechtsverletzungen an Belutsch*innen

Die politische Spannung hat in Pakistan wiederholt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen politischen Organisationen der Belutsch*innen und staatlichen Sicherheitskräften geführt. Diese Konflikte forderten zahlreiche Opfer und haben zu einer anhaltenden Destabilisierung der Region beigetragen. Im Zusammenhang mit diesen Unruhen kommt es immer wieder zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Dazu zählen willkürliche Festnahmen, Folter, das gewaltsame Verschwindenlassen von Personen sowie außergerichtliche Tötungen von Aktivist*innen und politischen Akteur*innen, die sich für die Rechte der Belutsch*innen einsetzen

Lage der Belutsch*innen im Iran

Auch im Iran bestehen strukturelle Spannungen. Viele Belutsch*innen gehören dort dem sunnitischen Islam an und unterscheiden sich damit religiös von der schiitischen Mehrheitsbevölkerung. In den Provinzen Sistan und Belutschistan kommt es immer wieder zu Diskriminierungen im Hinblick auf religiöse Gleichberechtigung, politische Teilhabe und wirtschaftliche Entwicklung. Insgesamt sind die Belutsch*innen in mehreren Staaten mit einer Kombination aus politischer Marginalisierung, wirtschaftlicher Benachteiligung und sicherheitspolitischer Repression konfrontiert, was ihre gesellschaftliche Teilhabe nachhaltig erschwert.

Einsatz der GfbV für die Rechte der Belutsch*innen

Die Gesellschaft für bedrohte Völker setzt sich unter anderem für die Belutsch*innen im Zusammenhang mit den 1998 in Pakistan durchgeführten Atomtests ein. Wir fordern insbesondere eine angemessene medizinische Versorgung und Unterstützung für die betroffene Bevölkerung. Noch heute leiden viele Menschen in der Region unter gesundheitlichen Langzeitfolgen der Atomversuche. Berichtet wird unter anderem von einer erhöhten Kindersterblichkeitsrate sowie einem auffälligen Anstieg von Krebserkrankungen, darunter Tumore und Leukämie. Die GfbV mahnt daher eine umfassende gesundheitliche Aufarbeitung sowie konkrete Hilfsmaßnahmen für die Betroffenen an.

Stand: Juni 2026

Autor: Dr. Kamal Sido
Redaktion: Sarah Neumeyer

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