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Brasilien

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Brasilien ist das größte Land Südamerikas und nimmt fast die Hälfte des Kontinents ein. Aufgrund seiner Geschichte weist das Land eine große ethnische Vielfalt auf. In Brasilien leben aktuell mehr als 390 Indigene Völker. Viele von ihnen bewahren bis heute ihre eigenen Sprachen, Kulturen und Traditionen. Trotz gesetzlicher Schutzrechte geraten ihre Territorien zunehmend unter Druck. Illegale Holzfäller, Bergbau, Landraub und Infrastrukturprojekte bedrohen ihre Lebensgrundlagen.

Indigene Völker Brasiliens

Laut dem brasilianischen Zensus von 2022 leben rund 1,69 Millionen indigene Menschen in Brasilien. Das entspricht etwa 0,83 Prozent der Gesamtbevölkerung. 

Etwa 730 indigene Territorien sind offiziell vom brasilianischen Staat anerkannt und demarkiert. Ihre Grenzen sind offiziell festgelegt. Viele weitere indigene Gemeinschaften warten jedoch noch auf die vollständige rechtliche Anerkennung und Demarkierung ihrer Gebiete. Für rund 200 bis 250 weitere Gebiete wurde dieser Prozess begonnen, jedoch noch nicht abgeschlossen. Die Verfahren dauern oft Jahre und stoßen regelmäßig auf politischen Widerstand.

Besonders umkämpft sind Regionen im Amazonasgebiet. Dort treffen wirtschaftliche Interessen des Agrarbusiness, des Bergbaus und der Holzindustrie auf die Rechte indigener Gemeinschaften.

Rechte Indigener Völkern in Brasilien

Die brasilianische Verfassung von 1988 schützt die Rechte Indigener Völker. Artikel 231 erkennt das Recht indigener Gemeinschaften auf eigene soziale Organisation, Bräuche, Sprachen, Glaubensrichtungen und Traditionen an. Zudem garantiert er ihnen das Recht auf ihre traditionellen Territorien, einschließlich der Nutzung der natürlichen Ressourcen. 

Für den Schutz dieser Rechte ist die staatliche Behörde FUNAI (Fundação Nacional dos Povos Indígenas) verantwortlich. Sie hat den Auftrag, die Interessen Indigener Völker zu vertreten. Dazu gehören insbesondere die Demarkierung und Anerkennung indigener Territorien sowie die Förderung nachhaltiger Entwicklung, um die Lebenssituation indigener Gemeinschaften zu stärken.

Während der Amtszeit von Präsident Jair Bolsonaro (2019 bis 2022) schwächte die Regierung die FUNAI und damit die Rechte Indigener Völker deutlich. Dadurch nahmen illegale Eingriffe durch Goldgräber und Holzfäller in indigene Territorien zu. Besonders betroffen waren unter anderem die Yanomami, die Guarani-Kaiowá und die Pataxó.

Seit dem Amtsantritt von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva im Jahr 2023 stärkte die brasilianische Regierung zentrale Schutzmaßnahmen erneut. Dennoch bestehen Landkonflikte und politische Spannungen weiterhin. Grund dafür ist auch, dass die Mehrheit der Bundesabgeordneten und Senator*innen im brasilianischen Kongress rechtsgerichtet ist. Dort werden zudem gesellschaftliche Interessen vertreten, etwa vom Agrarbusiness und aus dem Bergbausektor.

Benki Piyãko. Foto: Eliane Fernandes / GfbV

Aktivist*innen riskieren weltweit ihre Freiheit, ihre Sicherheit – und oft ihr Leben. Der indigene Menschenrechtsverteidiger Benki Piyãko stellt sich seit Jahren mutig der Holzmafia im brasilianischen Regenwald entgegen. Durch sein Engagement befindet er sich in ständiger Lebensgefahr.

Er steht beispielhaft für Aktivist*innen weltweit, die starke, solidarische Verbündete brauchen.

Benki Piyãko. Foto: Eliane Fernandes / GfbV

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Die größten Bedrohungen für Indigene Völker in Brasilien:

Die Indigenen Völker Brasiliens stehen vor zahlreichen Bedrohungen, die ihre Lebensweise, Kultur und physische Existenz gefährden. Zu den Hauptbedrohungen gehören:

  • Abholzung und Umweltzerstörung: Für Sojaanbau und Rinderzucht werden große Flächen Regenwald zerstört. Dadurch verlieren indigene Gemeinschaften ihren Lebensraum und wichtige natürliche Ressourcen.
  • llegaler Bergbau: Der illegale Abbau von Gold und anderen Bodenschätzen in indigenen Gebieten verschmutzt Flüsse mit Quecksilber und zerstört ganze Ökosysteme. Viele Menschen leiden dadurch unter Krankheiten und verseuchtem Trinkwasser.
  • Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte: Der Bau neuer Straßen durch indigene Territorien erfolgt häufig ohne angemessene Einbeziehung der betroffenen indigenen Gemeinschaften. Auch Energieprojekte sind eine Energieprojekte eine zunehmende Bedrohung für indigene Gebiete.
  • Landkonflikte und Gewalt: Immer wieder dringen Holzfäller, Bergbauunternehmen, Produzenten von Agrarprodukte wie Fleisch und Soja sowie Landbesetzer illegal in indigene Gebiete ein. Gemeinschaften, die Widerstand leisten, werden bedroht oder angegriffen. Bestehende Landrechte werden nicht ausreichend durchgesetzt.
  • Fehlender Schutz der Landrechte: Gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der indigenen Landrechte werden nicht durchgesetzt. Bürokratische Hürden und politischer Widerstand verzögern die Demarkation ihrer Gebiete.
  • Politischer Druck: Rechtsgerichtete politische Gruppen versuchen regelmäßig, indigene Schutzrechte einzuschränken. Besonders umstritten ist das sogenannte „Marco Temporal“. Dieses Gesetz erschwert die Anerkennung indigener Gebiete deutlich.
  • Klimawandel: Dürreperioden, Waldbrände und veränderte Niederschläge bedrohen die Ökosysteme des Amazonasgebiets. Viele indigene Gemeinschaften verlieren dadurch ihre Lebensgrundlage.
  • Fehlende Versorgung: In vielen indigenen Regionen fehlen medizinische Versorgung, Schulen und staatliche Unterstützung. Besonders abgelegene Gemeinschaften sind davon betroffen. 

Diese Bedrohungen erfordern gezielte Maßnahmen vonseiten der brasilianischen Regierung und internationaler Akteure, um den Schutz indigener Völker und ihrer Lebensweise zu gewährleisten.

Die Arbeit der GfbV in Brasilien und Peru

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt indigene Gemeinschaften entlang der brasilianisch-peruanischen Grenze. Dazu gehören unter anderem die Asháninka, Huni Kuin, Jaminawa, Amahuaca und Apolima-Arara.

Diese Gemeinschaften leben in Regionen, die besonders stark von illegalem Holzeinschlag und Drogenschmuggel betroffen sind. Vor allem im peruanischen Ucayali und im brasilianischen Alto Juruá dringen bewaffnete Gruppen immer wieder in indigene Gebiete ein.

Stand: Juni 2026

Autorin: Dr. Eliane Fernandes
Redaktion: Sarah Neumeyer

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Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.

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Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!

Ihre Ansprechpartnerin

Eliane Fernandes

Dr. Eliane Fernandes

Referentin für Indigene Völker

E-Mail: e.fernandes@gfbv.de

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