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Krimtatar*innen

Blauer Pfeil

Die Krimtatar*innen sind die indigene Bevölkerung der ukrainischen Halbinsel Krim im Schwarzen Meer. 

Ihre Geschichte ist geprägt von politischer Verfolgung, aber auch von Widerstand und Resilienz. Sie stammen von verschiedenen Völkern ab, darunter Taur*innen, Byzantiner*innen, Hunn*innen, Genueser*innen und Griech*innen. 

Während des Krim-Khanats (1441–1783), dem von einem Khan regierten Königreich mit Zentrum auf der Krim, erlebte die krimtatarische Kultur eine Blütezeit. 1783 annektierte die russische Zarin Katharina die Große (1729–1796) die Halbinsel. Daraufhin flohen viele Krimtatar*innen ins Osmanische Reich. In der Türkei lebt daher noch heute eine große Diaspora-Gemeinde der Krimtatar*innen. Nach der Russischen Revolution 1917 und dem russischen Bürgerkrieg (1917–1921) zwischen den “Roten” (Bolschewiki) und den antibolschewistischen “Weißen”, als die Krim die letzte Hochburg der “Weißen Armee” war und erst im November 1920 von der Roten Armee eingenommen wurde, war die Krim eine autonome Republik der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR). Von 1941 bis 1944 besetzte die deutsche Wehrmacht die Halbinsel.

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Deportation der Krimtatar*innen 1944

1944 wurden die Krimtatar*innen auf Befehl Stalins kollektiv deportiert: Über 200.000 Angehörige des Indigenen Volks wurden innerhalb weniger Tage in Viehwaggons nach Zentralasien verschleppt, vorgeblich wegen angeblicher Kollaboration mit den deutschen Besatzern. Über die Hälfte der Deportierten, überwiegend Frauen und Kinder, kam während der Deportation oder in den ersten Jahren der Verbannung um. Dieser Völkermord ist als Trauma tief im Gedächtnis der Krimtataren verankert und seine Folgen sind bis heute spürbar. 

Erst 1967 wurden die Krimtatar*innen offiziell rehabilitiert, doch die Rückkehr auf die Krim blieb ihnen zunächst verwehrt. Beispielhaft ist der jahrzehntelange friedliche Widerstand der Krimtatar*innen gegen die Sowjetmacht und ihr Kampf für eine Rückkehr auf die Krim.

Erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende der 1980er Jahre konnten viele Krimtatar*innen tatsächlich zurückkehren. Gegen viele Widerstände versuchten sie, auf der Krim ihre Sprache, Kultur, ihr Kunsthandwerk und ihr Leben als Indigenes Volk wieder aufzubauen. Der Medschlis, der Nationalrat der Krimtatar*innen, wurde 1991 als politische Vertretung etabliert.

Annexion der Krim 2014 und die aktuelle Lage

Seit der russischen Annexion der Krim 2014 hat sich die Situation der Krimtataren dramatisch verschärft. Sie werden durch die russische Besatzungsmacht systematisch verfolgt. Krimtatarische Medien sowie der Medschlis wurden verboten. Der russische Geheimdienst führt immer wieder willkürliche Hausdurchsuchungen durch und verhaftet und inhaftiert Krimtatar*innen unter fabrizierten Anklagen. Die Angst vor Verfolgung prägt den Alltag der Krimtatar*innen. Von 286 politischen Gefangenen von der Krim sind allein 159 Krimtataren (Stand April 2026), obwohl ihr Bevölkerungsanteil bei weniger als 12 Prozent liegt.

Gleichzeitig werden die krimtatarische Sprache und Kultur unterdrückt. Unterricht in der Muttersprache ist kaum mehr möglich. Auch wirtschaftlich sind Krimtatar*innen benachteiligt: Viele haben ihr Land oder ihren Arbeitsplatz verloren, da russische Behörden ukrainisches Eigentum konfiszierten. Die Halbinsel wird zunehmend militarisiert, und die russische Regierung fördert die Ansiedlung ethnischer Russ*innen, um die demografische Struktur zu verändern.

Widerstand und internationale Solidarität

Trotz der Repressionen setzen die Krimtatar*innen ihren gewaltfreien Widerstand fort. Organisationen wie CrimeaSOS, die Kharkiv Human Rights Protection Group und das Crimean Tatar Resource Center dokumentieren Menschenrechtsverletzungen und kämpfen für die Freilassung politischer Gefangener. Viele Krimtatar*innen mussten die Krim verlassen und setzen sich aus der Diaspora für ihre Rechte und ein Überleben ihres Indigenen Volkes ein. 

Als Gesellschaft für bedrohte Völker arbeiten wir seit Mitte der 1970er Jahre zum Thema Krimtatar*innen und haben unsere Aktivitäten seit der Annexion 2014 nochmals mit vielen Publikationen, Veranstaltungen, Advocacy-Arbeit und Aktionen zur Freilassung der politischen Gefangenen intensiviert.

Stand: März 2026

Autor: Sarah Reinke
Redaktion: Sarah Neumeyer

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