Peru ist eines der artenreichsten Länder der Welt und Heimat zahlreicher Indigener Völker. Indigene Gemeinschaften leben seit Jahrhunderten in den Anden, im Amazonasgebiet und an der Küste. Ihre kulturelle Vielfalt, ihr Wissen über Ökosysteme und ihre enge Beziehung zu ihren Territorien sind von unschätzbarem Wert. Dennoch sind Angehörige Indigener Völker in Peru bis heute besonders häufig von Diskriminierung, Marginalisierung und staatlicher Vernachlässigung betroffen. Ihre Rechte werden immer wieder missachtet – vor allem dann, wenn wirtschaftliche Interessen auf ihr Land und ihre natürlichen Ressourcen zielen.
Peru: Indigene Völker im Amazonasgebiet bedroht
Im peruanischen Amazonasgebiet bedrohen Erdölförderung, Bergbau, Holzeinschlag, Straßenbau und andere Infrastrukturprojekte die Lebensgrundlagen zahlreicher indigener Gemeinschaften. Immer wieder werden Konzessionen für Rohstoffprojekte vergeben, ohne dass die betroffenen Völker konsultiert werden. Dabei ist das Recht auf freie, vorherige und informierte Zustimmung ein zentraler Bestandteil internationaler Menschenrechtsstandards und für den Schutz indigener Territorien von entscheidender Bedeutung. In der Praxis werden Konsultationsverfahren jedoch häufig unzureichend umgesetzt, verzögert oder auf formale Prozesse reduziert, die die tatsächliche Mitsprache der Gemeinschaften nicht gewährleisten.
Die Folgen sind gravierend: Flüsse werden verschmutzt, Wälder zerstört, Böden kontaminiert und traditionelle Lebensweisen massiv eingeschränkt. Ölverschmutzungen haben in verschiedenen Regionen schwere Schäden verursacht. Für viele indigene Gemeinden bedeutet dies nicht nur den Verlust ihrer Lebensgrundlage, sondern auch gesundheitliche Gefahren durch verunreinigtes Trinkwasser, vergiftete Fischbestände und belastete Böden. Besonders betroffen sind Kinder, ältere Menschen und Gemeinschaften in abgelegenen Regionen, die nur eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung haben.
Hinzu kommt, dass Indigene Völker, die ihre Territorien verteidigen, Einschüchterungen, Kriminalisierung und Gewalt ausgesetzt sind. Menschenrechtsverteidiger*innen und indigene Führungspersonen werden bedroht, angegriffen oder sogar ermordet. Der Schutz durch den Staat ist oftmals unzureichend. Straflosigkeit bleibt ein schwerwiegendes Problem: Viele Angriffe werden nicht konsequent aufgeklärt, Täter werden nur selten zur Rechenschaft gezogen. Damit sendet der Staat ein fatales Signal an diejenigen, die Gewalt gegen indigene Gemeinschaften einsetzen, um wirtschaftliche Interessen durchzusetzen.
Laut Survival International leben in Peru schätzungsweise 20 Indigene Völker in freiwilliger Isolation oder im Erstkontakt. Sie sind besonders vulnerabel und sind auf den Schutz ihrer Territorien angewiesen. Meist leben sie in entlegenen Waldgebieten. Illegale Abholzung, Drogenhandel, Landraub und die Ausweitung von Rohstoffprojekten dringen jedoch immer weiter in ihre Lebensräume vor. Für diese Völker kann bereits der Kontakt mit Außenstehenden lebensbedrohlich sein, da sie oft keinen ausreichenden Immunschutz gegen eingeschleppte Krankheiten besitzen. Der Schutz ihrer Gebiete ist daher keine politische Option, sondern eine menschenrechtliche Verpflichtung.

Aktivist*innen riskieren weltweit ihre Freiheit, ihre Sicherheit – und oft ihr Leben. Der indigene Menschenrechtsverteidiger Benki Piyãko stellt sich seit Jahren mutig der Holzmafia im brasilianischen Regenwald entgegen. Durch sein Engagement befindet er sich in ständiger Lebensgefahr.
Er steht beispielhaft für Aktivist*innen weltweit, die starke, solidarische Verbündete brauchen.
Helfen Sie mit, Aktivist*innen zu schützen!
Das gelingt nur durch konsequentes Engagement. Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie langfristigen Schutz für gefährdete Menschenrechtsverteidiger*innen. Tragen Sie bei, um:
- Aktivist*innen vor Gewalt und Einschüchterung zu schützen
- Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu machen
- Gemeinschaften zu stärken, die unter Druck stehen
Indigene Rechte in Peru: Kluft zwischen Gesetz und Wirklichkeit
Peru hat internationale Abkommen ratifiziert und nationale Instrumente zum Schutz indigener Rechte geschaffen. Trotz dieser rechtlichen Fortschritte bleibt die Kluft zwischen Gesetz und Wirklichkeit groß. In vielen Regionen fehlt es an politischem Willen und an wirksamen Mechanismen zur Durchsetzung der Rechte. Landtitel werden nur schleppend vergeben, territoriale Ansprüche bleiben ungeklärt, und staatliche Behörden handeln vielfach im Interesse wirtschaftlicher Akteure statt im Sinne des Schutzes indigener Gemeinschaften.
Einsatz der GfbV für den Schutz Indigener Völker
Die Gesellschaft für bedrohte Völker setzt sich dafür ein, dass die Rechte Indigener Völker in Peru konsequent geachtet werden, insbesondere:
- die Anerkennung und den Schutz indigener Territorien,
- die wirksame Umsetzung des Rechts auf freie, vorherige und informierte Konsultation,
- der Schutz indigener Menschenrechtsverteidiger*innen
- wirksame Maßnahmen gegen Umweltzerstörung und Straflosigkeit
- den umfassende Schutz Indigener Völker in freiwilliger Isolation und im Erstkontakt, deren Überleben unmittelbar von der Unverletzlichkeit ihrer Lebensräume abhängt.
Eine nachhaltige Entwicklung in Peru kann nicht auf der Verletzung indigener Rechte beruhen. Weder der Ausbau von Infrastruktur noch die Förderung von Erdöl, Gas, Gold oder anderen Rohstoffen dürfen auf Kosten der Menschen erfolgen, die diese Gebiete seit Generationen bewohnen und schützen. Klimaschutz, Biodiversitätserhalt und Menschenrechte gehören zusammen. Der Schutz des Regenwaldes muss auch den Schutz derjenigen einschließen, die in ihm leben und ihn verteidigen.
Stand: Juni 2026
Autorin: Dr. Eliane Fernandes
Redaktion: Sarah Neumeyer






