Russland, offiziell die Russländische Föderation, ist der flächenmäßig größte Staat der Welt und erstreckt sich vom östlichen Europa ausgehend über den gesamten nordasiatischen Kontinent. Mit einer Fläche von etwa 17 Millionen Quadratkilometern umfasst die Russländische Föderation elf Zeitzonen und grenzt an 14 Nachbarstaaten. Die Hauptstadt Moskau ist nicht nur das politische und wirtschaftliche Zentrum, sondern auch die größte Stadt des Landes.
Die Bevölkerung der Russländischen Föderation wird auf rund 143 bis 146 Millionen Menschen geschätzt (Stand: 2026), wobei die Bevölkerungsdichte mit etwa neun Einwohner*innen pro Quadratkilometer sehr niedrig ist. Etwa 85 Prozent der Bevölkerung leben westlich des Urals im europäischen Teil des Landes.
Russland: Multiethnischer Staat mit imperialistischer Geschichte
Aufgrund ihrer imperialistischen Geschichte ist die Russländische Föderation ein multiethnischer Staat. Ethnische Russ*innen stellen mit rund 80 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung. Insgesamt leben mehr als 185 ethnische Gruppen in der Russländischen Föderation, darunter Tatar*innen, Tschetschen*innen, Baschkir*innen und viele Indigene Völker Sibiriens und des Fernen Ostens.
43 Völker sind als „indigene zahlenmäßig kleine Völker des Nordens, Sibiriens und des Fernen Ostens” offiziell anerkannt. Um diese Vielfalt abzubilden, bevorzugen Angehörige indigener Gemeinschaften und ethnischer Minderheiten die Verwendung der Bezeichnung „Russländische Föderation“. Der Begriff „Russland“ suggeriert, dass nur Russ*innen in dem Land leben.
Russisch ist Amtssprache, die Sprachen der Minderheiten werden systematisch verdrängt. Die russisch-orthodoxe Kirche ist die dominierende Religionsgemeinschaft. Es gibt jedoch auch bedeutende muslimische, jüdische und buddhistische Minderheiten.
Kolonialisierung und Expansion
Die Geschichte Russlands reicht von der Kiewer Rus (9. bis 13. Jahrhundert) über das Großfürstentum Moskau und das Zarenreich bis zur Gründung der Sowjetunion 1922. Seit der Zarenzeit hat Russland Schritt für Schritt riesige Landflächen und die dortige Bevölkerung kolonialisiert. Dazu gehören die Gebiete der Tatar*innen, Kalmyk*innen, Burjat*innen und der vielen Indigenen Völker. Der Eroberung folgten die Russifizierung und Ausbeutung der Ressourcen dieser Regionen.
Nach dem Zusammenbruch der UdSSR 1991 entstand die Russländische Föderation. Die 1990er Jahre waren von politischer und wirtschaftlicher Instabilität, aber auch von Möglichkeiten für eine demokratische Entwicklung des Staates geprägt. Laut Verfassung ist die Russländische Föderation eine „demokratische föderative Rechtsrepublik“ mit einer Mischform aus präsidentiellem und parlamentarischem System. In der Praxis ist das Land jedoch längst zu einem diktatorischen, autoritären Regime geworden. Präsident Wladimir Putin ist seit 1999 an der Macht, mit einer Unterbrechung von 2008 bis 2012, als sein Gefolgsmann Dmitri Medwedew die Präsidentschaft offiziell innehatte. Mit Putins Machtantritt entfernte sich das Land immer weiter von demokratischen Standards. Der Präsident verfügt über weitreichende Vollmachten, kontrolliert das Innen-, Außen- und Verteidigungsministerium und kann die Regierung entlassen. Er kontrolliert auch den russischen Geheimdienst, der auf allen Ebenen der Verwaltung gegenwärtig ist. Die Merkmale demokratischer Staaten wie ein Parlament und eine Justiz bestehen zwar, diese sind jedoch gleichgeschaltet und folgen dem Willen des Präsidenten.
Seit 2000 hat Russland unter Putin fast durchgehend Krieg geführt: 1999–2007 in Tschetschenien, 2008 in Georgien, 2015 in ((Syrien)), seit 2014 im Osten der ((Ukraine)) und seit 2022 gegen die gesamte Ukraine. Parallel verschärfte der russische Staat sein Unterdrückungsregime im Inland.
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Lage der Minderheiten und Indigenen Völker in Russland
Seit 2000 werden die Rechte von Minderheiten Schritt für Schritt weiter eingeschränkt. Tatar*innen, Tschetschen*innen, Baschkir*innen und Indigene Völker wie die Jakut*innen und Nenz*innen kämpfen um den Erhalt ihrer kulturellen Identität und Sprachen. Im Oktober 2023 hat Wladimir Putin den Austritt aus dem Europäischen Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten beschlossen.
Sprachliche und religiöse Minderheiten berichten von Diskriminierung, staatlicher Überwachung und der Unterdrückung ihrer kulturellen und politischen Aktivitäten. Besonders im Nordkaukasus und in Tschetschenien werden Menschenrechtsverletzungen, Folter und willkürliche Verhaftungen systematisch eingesetzt, um Angst zu verbreiten und jeglichen Dissens im Keim zu ersticken.
Menschenrechtslage in Russland verschlechtert sich
Die Menschenrechtslage in Russland ist seit Jahren schlecht und verschlechtert sich weiter. Heute gibt es praktisch keine Räume für zivilgesellschaftliches Handeln mehr und nur noch im Untergrund eine freie Presse. Die Rechte auf Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit werden systematisch verletzt. Oppositionelle, Journalist*innen und Menschenrechtsaktivist*innen werden mit willkürlichen Strafverfolgungen, hohen Geldbußen und langen Haftstrafen belegt. Unabhängige Medien und NGOs werden als „unerwünschte Organisationen“ verboten oder kriminalisiert. Folter und Misshandlung in Haftanstalten sind weit verbreitet. Russland hat sich 2022 aus der Europäischen Menschenrechtskonvention zurückgezogen, was die rechtliche Situation für Betroffene weiter verschärft.
Völkermord- und Kriegsverbrechen in der Ukraine
In der Ukraine begeht Russland Kriegs- und Völkermordverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dazu zählen die massenhafte Tötung von Zivilist*innen in Butscha, die systematische Zerstörung ukrainischer Kulturgüter, die mit der Leugnung der ukrainischen Souveränität einhergeht sowie Angriffe auf die zivile Infrastruktur. Für diedie Entführung von rund 20.000 ukrainischen Kindern hat der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Haftbefehle gegen Wladimir Putin und Maria Lwowa-Belowa erlassen.
Stand: März 2026
Autorin: Sarah Reinke
Redaktion: Sarah Neumeyer
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