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Sahrauis

Parade zum Nationalfeiertag im Geflüchtetenlager Smara in Algerien, 27. Februar 2024. © Jörg Tiedjen
Parade zum Nationalfeiertag im Geflüchtetenlager Smara in Algerien, 27. Februar 2024. © Jörg Tiedjen

Die Sahrauis sind das Indigene Volk der Westsahara. Jahrhundertelang lebten sie als nomadisch geprägte Gemeinschaften in den westlichen Regionen der Sahara. Sie setzen sich aus verschiedenen arabischen, subsaharischen und Amazigh-Gruppen zusammen. Vor der spanischen Kolonialherrschaft organisierte sich die sahrauische Gesellschaft im sogenannten Ait Arbain, der „Hand der Vierzig“, einem Rat, in dem gemeinsame Entscheidungen für die gesamte Gemeinschaft getroffen wurden. Dieses System bestand bis 1930 fort. Die Sprache der Sahrauis ist Hassaniya, ein arabischer Dialekt. Die Mehrheit von ihnen ist sunnitisch-muslimisch.

Von 1884 bis 1975 war Spanien Kolonialmacht. Mit der marokkanischen Besetzung der Westsahara im Jahr 1975 wurde das Volk der Sahrauis auseinandergerissen. Zu diesem Zeitpunkt lebten etwa 75.000 Sahrauis in der Westsahara. Ein großer Teil der Bevölkerung wurde vertrieben. Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln, doch Schätzungen zufolge leben heute 170.000 bis 200.000 Sahrauis in Geflüchtetenlagern im Südwesten Algeriens, weitere rund 105.000 in den von Marokko kontrollierten Gebieten. Etwa 50.000 Sahrauis leben im Ausland, ungefähr ebenso viele in den freien Gebieten der Westsahara, wobei sich seit 2020 aufgrund marokkanischer autonomer Waffensysteme kaum noch Zivilist*innen dort aufhalten können.

Grundschule im Geflüchtetenlager Aousserd in Algerien. © Jörg Tiedjen
Grundschule im Geflüchtetenlager Aousserd in Algerien. © Jörg Tiedjen

Perspektivlosigkeit in den Geflüchtetenlagern in Algerien

In der Region um Tindouf in Algerien liegen fünf große Lager sowie das Verwaltungszentrum Rabouni. Sie werden von der Frente Polisario, der offiziellen Vertretung des sahrauischen Volkes, verwaltet. Die Camps sind stark von humanitärer Hilfe abhängig, da die Lebensbedingungen äußerst schwierig sind: Die Hamada-Wüste ist mit Temperaturschwankungen zwischen 0 und 50 Grad, häufigen Sandstürmen und durch zunehmende Klimaextreme nahezu unbewohnbar. Regelmäßige Überflutungen zerstören Unterkünfte. Trinkwasser ist knapp und Mangelernährung ist weit verbreitet. Nur ein Drittel der Kinder erhält die Mindestversorgung für ein gesundes Wachstum. Rund 94 Prozent der Menschen sind auf Hilfslieferungen angewiesen. Menschen, die in Bildung, Gesundheit oder Verwaltung arbeiten, erhalten lediglich geringe Aufwandsentschädigungen, die kaum zum Leben reichen. Beschäftigungs- und Bildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche sind begrenzt, was zu großer Perspektivlosigkeit führt.

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Sahrauisches Leben in der besetzten Westsahara

In den von Marokko besetzten Gebieten werden die grundlegenden Menschenrechte der Sahrauis massiv eingeschränkt. Marokko betreibt eine systematische Siedlungspolitik, verdrängt die sahrauische Kultur durch Verbote oder erzwungene Assimilation und verweigert seit Jahrzehnten ein Referendum über den politischen Status der Westsahara. Berichte dokumentieren Überwachung, Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, gewaltsame Unterdrückung, politische Gefangenschaft, Folter und das Verschwindenlassen von Aktivist*innen. Informationen über die Lage in den besetzten Gebieten gelangen nur selten an die Öffentlichkeit. Gleichzeitig nutzt Marokko die natürlichen Ressourcen der Westsahara, darunter Fischbestände, Phosphat und erneuerbare Energien, ohne Zustimmung der Sahrauis und obwohl mehrere internationale Gerichtsurteile dies untersagt haben. Erst 2024 bekräftigte der Europäische Gerichtshof, dass Fischerei- und Handelsabkommen zwischen der EU und Marokko nicht auf die Westsahara angewendet werden dürfen, und unterstrich damit das Recht des sahrauischen Volkes auf Selbstbestimmung.

Eine Straße mit Läden im Geflüchtetenlager Smara in Algerien. © Jörg Tiedjen
Eine Straße mit Läden im Geflüchtetenlager Smara in Algerien. © Jörg Tiedjen

Das Recht der Sahrauis auf Selbstbestimmung – eine ungelöste Frage

Bis heute kämpfen die Sahrauis für ihr Recht auf Selbstbestimmung. Die Trennung des Volkes, die anhaltende Besatzung, prekäre Lebensbedingungen in den Geflüchtetenlagern und die Unterdrückung in den besetzten Gebieten prägen die aktuelle Situation. Der Konflikt bleibt eines der deutlichsten Beispiele dafür, wie koloniale Strukturen und fehlende politische Lösungen ein Indigenes Volk über Generationen hinweg belasten.

Stand: März 2026

Autorin: Laura Mahler
Redaktion: Sarah Neumeyer

Wofür wir uns einsetzen

Minderheiten & Indigene Völker stärken:
Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.

Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen:
Wir dokumentieren Unrecht, benennen es klar und bringen es in Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sichtbarkeit schafft Schutz.

Völkermord verhindern & Menschen schützen:
Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.

Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!

Ihre Ansprechpartnerin

Laura Mahler

Laura Mahler

Referentin für Subsahara-Afrika

E-Mail: l.mahler@gfbv.de 

Telefon: 03051 / 695825-3

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