Sibirien erstreckt sich über weite Teile des asiatischen ((Russlands)) und umfasst etwa 58 Prozent der Landesfläche. Die Region reicht vom Uralgebirge im Westen bis zum Pazifik im Osten, von der ((Arktis)) im Norden bis an die Grenzen Kasachstans, der Mongolei und Chinas im Süden. Damit gehört Sibirien zu den größten und am dünnsten besiedelten Regionen der Erde. Extreme Klimabedingungen und eine einzigartige Natur prägen die Region.
In Sibirien leben 44 offiziell anerkannte Indigene Völker, darunter ((Nenz*innen)), Ewenk*innen, Tschuktsch*innen, Jakut*innen, Chant*innen, Mans*innen und viele andere. Sie umfassen etwa 270.000 Menschen, von denen zwei Drittel in ländlichen Gebieten von traditioneller Rentierhaltung, Jagd, Fischfang und Sammeln leben. Die meisten dieser Gemeinschaften sind klein – einige zählen weniger als 200 Mitglieder, andere wie die Nenz*innen oder Jakut*innen bis zu 34.000. Russifizierung, Umweltzerstörung und politische Repression bedrohen ihre vielfältigen und oft einzigartigen Sprachen und Kulturen.
Sibirien ist eine der rohstoffreichsten Regionen der Welt: Dort lagern riesige Vorkommen an Erdöl, Erdgas, Kohle, Gold, Diamanten, Nickel, Kupfer und Seltenen Erden. Die Arktis und die Halbinsel Jamal sind für ihre Gasfelder bekannt, während die Region um Norilsk zu den größten Nickel- und Palladiumproduzenten zählt. Die Ausbeutung dieser Ressourcen führt zu Umweltverschmutzung, der Zerstörung von Lebensräumen und der Vertreibung indigener Gemeinschaften von ihrem angestammten Land. Trotz internationaler Kritik und völkerrechtlicher Bedenken treibt die russische Regierung den Rohstoffabbau weiter voran – oft unter Missachtung der Rechte der indigenen Bevölkerung.
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Der Klimawandel trifft Sibirien besonders hart und verändert die Region rasant: In der Arktis steigen die Temperaturen zwei- bis dreimal schneller als im globalen Durchschnitt. Permafrostböden tauen auf, Gletscher schrumpfen, und Extremwetterereignisse nehmen zu. Die Ökosysteme verändern sich dadurch unwiderruflich. Für die Indigenen Völker bedeutet dies den Verlust ihrer traditionellen Lebensgrundlagen: Rentierherden finden weniger Weidegründe, Jagd- und Fischbestände gehen zurück, und vertraute Wanderrouten von Tieren werden durch schmelzendes Eis unpassierbar. Gleichzeitig steigt die Gefahr von Umweltkatastrophen wie Ölunfällen, da die Infrastruktur auf aufgetautem Permafrost instabil wird. Die indigenen Gemeinschaften, die seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur gelebt haben, werden gezwungen, ihre traditionelle Lebensweise aufzugeben und in die Städte zu ziehen.
Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die ((Ukraine)) hat sich die Lage der Indigenen Völker Sibiriens doppelt verschärft: Einerseits werden indigene Männer überproportional häufig zum Militärdienst eingezogen – in manchen Dörfern betrifft das bis zu 20 Prozent der männlichen Bevölkerung. Andererseits hat die politische Repression in Sibirien zugenommen: Kritische Stimmen werden kriminalisiert. Die Arbeit von Menschenrechtsorganisationen ist praktisch unmöglich geworden. Viele Indigene sehen sich gezwungen, ins Exil zu gehen oder ihre traditionelle Lebensweise aufzugeben. Gleichzeitig nutzt der russische Staat die Rohstoffvorkommen Sibiriens, um den Krieg zu finanzieren – oft auf Kosten der Umwelt und der lokalen Bevölkerung.
Stand: März 2026
Autorin: Sarah Reinke Redaktion: Sarah Neumeyer
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Völkermord verhindern & Menschen schützen: Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.
Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!
Menschenrechtsaktion zur Hannover Messe (19.4.): Kritik an Partnerland Brasilien
Unter dem Motto „Think Tech Forward – but Indigenous Rights first!“ veranstaltet die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine Mahnwache zur Eröffnung der Hannover Messe 2026. Die Aktion findet am Sonntag, 19. April 2026, von 16 bis 19 Uhr auf der Grünfläche nordöstlich des Hannover Congress Centrums (HCC) statt. Die Menschenrechtsorganisation kritisiert, dass sich das diesjährige Partnerland Brasilien zwar als Vorreiter einer „grünen Transformation“ präsentiert, gleichzeitig jedoch indigene Gemeinschaften entrechtet und ihre Territorien für Rohstoffprojekte opfert.
Anlässlich des dritten Jahrestags des Kriegsbeginns im Sudan am 15. April haben das Center for Environmental and Social Studies (CESS Sudan) und die Menschenrechtsorganisationen Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und Pax for Peace bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin einen stärkeren Fokus auf die Konflikttreiber des Krieges gefordert. Sie betonen, dass europäische Unternehmen indirekt vom Krieg im Sudan profitieren. Zu den deutschen Unternehmen, die Gold aus dem Sudan beziehen, zählt laut einem neuen Bericht von CESS auch der deutsche Autobauer VW.
Am 15. April jährt sich der Ausbruch des bewaff neten Konfl ikts im
Sudan zum dritten Mal. An diesem Tag fi ndet in Berlin die dritte internationale Sudan-
Konferenz statt, die die Bundesregierung gemeinsam mit Großbritannien, Frankreich, den
USA sowie der Europäischen und Afrikanischen Union ausrichtet. Sie vereint drei
Elemente: ein Außenministertreff en, eine humanitäre Konferenz mit Finanzierungszusagen
und eine Zusammenkunft ziviler Akteure, um einen Friedensfahrplan auszuhandeln. Als
Netzwerk, von dem viele Mitglieder seit Jahren im Land Hilfsprogramme umsetzen, fordern
wir konkrete Schritte, um die Menschen im Sudan besser zu schützen und einem Ende des
Krieges, der vor allem die Zivilbevölkerung triff t, näherzukommen.
Koloniales Naturverständnis: Rauchentwicklung einer Brandrodung von Wäldern entlang des Xingu-Flusses im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso. Foto: NASA Johnson Space Center / Wikipedia gemeinfrei
Klimawandel und Kolonialismus
Warum die Klimakrise eine Frage von historischer Verantwortung ist
Von Laura Mahler
Der Asháninka-Anführer Benki Piyãko (mit rotem Shirt) bekämpft das Feuer im September 2023 mit der Hilfe von Feuerwehrmännern, die aus der Stadt Cruzeiro do Sul eingeflogen werden mussten. Foto: Eliane Fernandes
Nach dem russischen Angriffskrieg hat Deutschland im Rekordtempo zwei LNG-Terminals in Betrieb genommen, um unabhängig vom russischen Gas zu werden. Hier zu sehen ist die „Hoegh Gannet“ in Brunsbüttel im Juli 2023, die bis zum Betriebsbeginn des Terminals an Land das Flüssiggas aus den Tankschiffen umwandelt und ins Netz einspeist. Foto: HenSti/Wikipedia BY-SA 4.0
Interview mit Walter Leal
Der Klimawandel wurde zuletzt durch Kriege und protektionistische Politik von der globalen Agenda verdrängt. Über die fatalen Folgen dieser Aufmerksamkeitsverschiebung, globale Hotspots und die Ung…
Wenn heute von Irak oder Syrien gesprochen wird, muss dringend berücksichtigt werden, dass diese beiden Länder als einheitliche politische Gebilde nicht mehr existieren. Auch wenn sie Mitglieder de…
Seit 25 Jahren macht die GfbV dank ihres beratenden Status als Nichtregierungsorganisation bei den Vereinten Nationen jedes Jahr mit Dutzenden Eingaben in der Weltorganisation auf die dramatische Lage bedrohter Völker aufmerksam. Bild: Falcon® Photography via Flickr CC BY-SA 2.0
Dokumentation: Wie China die GfbV in den Vereinten Nationen mundtot machen wollte
Deutsche Außenminister beklagen seit Jahren, dass die Handlungsspielräume von Menschenrechtsorganisationen in autoritär regierten Staaten immer geringer werden. Doch inzwischen gilt dies auch in den Vereinten Nationen.