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Aktuelles News & Artikel Nordsyrien: Vertriebene Kurden fordern ihr Eigentum zurück

Nordsyrien: Vertriebene Kurden fordern ihr Eigentum zurück

Die Rückkehr vertriebener Kurdinnen und Kurden nach Nordsyrien gestaltet sich laut der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) weiterhin schwierig. Seit der gewaltsamen Auflösung der kurdischen Autonomie in Nordsyrien durften vertriebene Kurden zwar in die bislang von der Türkei besetzte Region Afrîn zurückkehren, doch ihre Häuser und ihr Eigentum bleiben oft besetzt.

„Nach dem Abzug der protürkischen Milizen aus vielen Orten in und um Afrîn sind viele Bewohner, vor allem ältere Personen, in ihre angestammte Heimat zurückgekehrt. Dennoch ist die Situation nach wie vor äußerst kompliziert. Niemand weiß, wie es weitergeht. Die Sicherheitslage hat sich zwar deutlich verbessert, es gibt jedoch noch immer einzelne türkische Militärposten, türkische Fahnen und Symbole. Es wird weiterhin in türkischer Lira statt in syrischen Pfund bezahlt“, berichtet der österreichische Politikwissenschaftler und Sozial- und Kulturanthropologe Thomas Schmidinger, der gerade Afrîn und andere Regionen Syriens besucht hat, gegenüber der GfbV. Die Besatzung sei nicht endgültig beendet.

In der kurdischen Stadt Afrîn in Nordsyrien sollen nach Angaben der GfbV etwa 6.000 Häuser sowie Dutzende Immobilien von arabisch-sunnitischen Siedlern besetzt sein. Viele dieser Siedler sollen hohe Posten im neuen Regime innehaben. „Zurückgekehrte Kurden sollen 2.000 bis 6.000 US-Dollar für die Räumung ihrer Häuser zahlen. Angesichts ihrer schwierigen Lebensbedingungen können sie diese Beträge jedoch kaum aufbringen. Menschen, die ihr Haus oder ihr Eigentum zurückfordern, werden schikaniert und mit dem Tod bedroht“, sagt Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der GfbV. Um auf das andauernde Unrecht aufmerksam zu machen, haben Kurden, die 2018 durch die türkische Besatzungsmacht und ihre Söldner aus Afrîn vertrieben wurden, die Kampagne „Mein Haus ist meins“ gestartet.

Auch in der nordsyrischen Stadt Aleppo sind in Stadtvierteln wie Scheich Maksud, die mehrheitlich von Kurden bewohnt werden, viele Häuser und anderes Eigentum der kurdischen Bevölkerung besetzt. Sido ist selbst davon betroffen. „Ich besitze einen Laden in Aleppo, der lange Zeit vermietet war. Seit dem Einmarsch der Islamisten in das Stadtviertel ist er besetzt. Die Person will weder den Laden räumen noch Miete zahlen“, erklärt der aus Afrîn stammende Menschenrechtler.

Hintergrund

Afrîn stand seit 2018 unter türkischer Besatzung. Am 20. Januar 2018 hatte die Türkei ihren Angriff auf Afrîn begonnen. Nach einem rund zweimonatigen Abwehrkampf der Kurden marschierte die Türkei am 18. März 2018 mit ihren islamistischen Söldnern in Afrîn ein und besetzte die Region. Etwa 400.000 Menschen wurden aus der Region vertrieben oder mussten fliehen. Der kurdische Bevölkerungsanteil sank laut Angaben der GfbV von etwa 96 Prozent auf unter 35 Prozent.

Nach dem Sturz des Assad-Regimes griff das neue islamistische Regime die autonomen kurdischen Regionen in Nordsyrien an. Unter dem militärischen Druck des neuen Regimes in Damaskus und der Türkei gaben die Kurden ihren Widerstand gegen das Regime auf. Die meisten Institutionen, die eine Gleichberechtigung der kurdischen und aramäischen Sprachen mit dem Arabischen sowie Frauenrechte und Glaubensfreiheit für alle religiösen Minderheiten wie Yeziden, Alawiten und Christen garantierten, mussten aufgelöst werden.

Kamal Sido

Dr. Kamal Sido

Referent für Nahost

Thematische Schwerpunkte:

  • Ethnische-, religiöse- und sprachliche Minderheiten und Nationalitäten in Nahost
  • Naher und Mittlerer Osten
  • Nordafrika

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Telefon: +49 551 49 906 18