Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) korrigiert ihre Meldung über den Tod des Asháninka-Anführers Américo Pascual Tumisha in Peru. Der 57-Jährige wurde am Mittwoch, 26. August, lebend angetroffen. Gleichzeitig betont die Menschenrechtsorganisation: Die Bedrohung indigener Gemeinschaften im Grenzgebiet zwischen Peru und Brasilien bleibt akut.
Die indigene Dachorganisation ORAU, die ein Team von indigenen Vertretern in die Gemeinschaft Onconashari schickte, um den Fall zu untersuchen, veröffentlichte am Mittwochabend, 26. August, eine Richtigstellung. Vertreter der Organisation hatten die Gemeinschaft Onconashari auf dem Flussweg erreicht und persönlich festgestellt, dass Américo Pascual Tumisha lebt. Nach Angaben von ORAU geht die Todesmeldung auf die Mitteilung eines Gemeindemitglieds zurück. Zuvor hatten auch peruanische Behörden und internationale Medien über seinen vermeintlichen Tod berichtet. Die GfbV bedauert, die unzutreffende Todesmeldung weitergegeben zu haben.
„Wir sind zutiefst erleichtert, dass Américo lebt. Aus dieser guten Nachricht darf jedoch nicht der falsche Schluss gezogen werden, die Bedrohung der Asháninka sei übertrieben worden. Die dokumentierten Vorfälle zeigen das Gegenteil: Kriminelle Netzwerke dringen immer weiter in indigene Territorien vor und bedrohen diejenigen, die sich ihnen entgegenstellen“, sagt Dr. Eliane Fernandes, die sich aktuell im Asháninka-Gebiet auf brasilianischer Seite aufhält. „Die Situation zeigt, wie wichtig die Arbeit der indigenen Wache in unseren Territorien ist: Überwachung, Schutz, territoriale Verteidigung und rechtzeitige Reaktion auf Situationen, die unsere Gemeinschaften betreffen“, so ORAU in ihrem Statement.
„Die Bedrohungslage im Grenzgebiet zwischen Peru und Brasilien ist aktuell sehr hoch. Indigene Anführer berichten uns, dass die Morddrohungen gegen sie in den letzten Wochen stark zugenommen haben“, so Fernandes. In das Asháninka-Dorf Apiwtxa im brasilianischen Bundesstaat Acre waren am 6. Juli 2026 mindestens fünf bewaffnete Männer eingedrungen. Sie suchten gezielt nach den führenden Vertretern der Gemeinschaft. In der Grenzregion wurden 2014 der enge GfbV-Partner und Asháninka-Anführer Edwin Chota sowie drei Mitglieder seiner Gemeinschaft ermordet. Sie waren auf dem Weg nach Apiwtxa, um sich über den Schutz ihrer Territorien vor illegalem Holzhandel und Drogenschmuggel auszutauschen.
Noch ist nicht abschließend geklärt, was genau am 23. August geschah. Die abgelegene Lage der Asháninka-Gemeinschaft Onconashari führte dazu, dass Organisationen wie ORAU den Fall nicht schnell untersuchen konnten. Fest steht, dass der peruanische Staat die gravierende Lage indigener Vertreter, die Morddrohungen ausgesetzt sind, noch immer nicht ernst nimmt. Laut William Villacorta von der GfbV-Partnerorganisation Upper Amazon Conservancy reisten die zuständigen Behörden nicht in die Region, um den Fall zu untersuchen oder nach Américo zu suchen. Die GfbV fordert Brasilien und Peru weiterhin auf, bedrohte indigene Führungspersönlichkeiten wirksam zu schützen, Drohungen konsequent zu untersuchen und gemeinsam gegen grenzüberschreitend agierende kriminelle Netzwerke vorzugehen.

Dr. Eliane Fernandes
Referentin für Indigene Völker
Thematische Schwerpunkte:
- Indigene Völker Brasiliens
- In freiwilliger Isolation lebende Völker
- Asháninka
- Javarital
- Klimawandel und indigene Rechte
E-Mail: e.fernandes@gfbv.de
