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Aktuelles News & Artikel Sturzflut in Tibet: GfbV prangert Chinas Zensur an und fordert ungehinderten Zugang

Sturzflut in Tibet: GfbV prangert Chinas Zensur an und fordert ungehinderten Zugang

Mit Nachdruck kritisiert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die anhaltende Informationsblockade der chinesischen Führung nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Tibet und Nepal und gedenkt der Opfer. Die Menschenrechtsorganisation fordert ungehinderten Zugang für unabhängige Medien und humanitäre Organisationen zur betroffenen Region. Zudem müssen Betroffene frei über die Katastrophe berichten können, so die GfbV.

Aus Nepal erreichen die Öffentlichkeit Bilder zerstörter Dörfer, Zeugenaussagen und laufend aktualisierte Opferzahlen. Inzwischen sind dort rund 900 Todesopfer bestätigt und über 4.000 Menschen werden vermisst. Für die Autonome Region Tibet meldeten die chinesischen Behörden bislang dagegen 16 Tote. Zugleich werden 546 Menschen vermisst. Die GfbV führt diese Diskrepanz vor allem auf Pekings strikte Nachrichtenkontrolle zurück.

Diese Kontrolle ist nicht neu, sondern Teil der langjährigen chinesischen Unterdrückungs- und Assimilierungspolitik gegenüber Tibet. Seit der Besetzung Tibets im Jahr 1950 unterdrückt die chinesische Führung jede Form unabhängiger Berichterstattung aus der Region und gewährt ausländischen Medien nur in streng kontrollierten Ausnahmefällen Zugang. Videos vom zerstörten Grenzübergang Gyirong und dem Ausmaß der Zerstörung auf tibetischer Seite verschwanden binnen weniger Stunden von chinesischen Plattformen. Sichtbar bleibt stattdessen vor allem ein Narrativ geordneter Stärke: Rettungskräfte, die in Reih und Glied ausrücken, und Gerettete, die sich bedanken. „Dies ist ein bekanntes Muster chinesischer Staatsmedien. Die Nachrichtensperre ist Teil der umfassenden Assimilierungspolitik, die sich gegen die tibetische Sprache, Religion und kulturelle Eigenständigkeit richtet“, sagt Mirjam Kobold, Asien-Referentin der GfbV.

Diese Unsichtbarmachung der Tibeterinnen und Tibeter setzt sich auch in der internationalen Reaktion fort. In seinem Kondolenzschreiben an die chinesische Regierung sprach Bundeskanzler Friedrich Merz von den Betroffenen der Flutkatastrophe in „China“, ohne Tibet auch nur zu erwähnen.

„Diese Flut ist eine schreckliche Naturkatastrophe. Doch dass wir kaum erfahren, was den Menschen in Tibet widerfährt, ist die gezielte Politik Chinas“, sagt Kobold. „Wenn der Bundeskanzler Tibet nicht beim Namen nennt, spielt er der chinesischen Führung in die Karten. Die Bundesregierung darf die Unterdrückung der Tibeterinnen und Tibeter und die Zensur unabhängiger Berichterstattung nicht länger als innere Angelegenheit Chinas abtun – und sollte bei der eigenen Wortwahl anfangen.“ Die Äußerung von Friedrich Merz kritisierte auch die Tibet Initiative Deutschland: „Selbst inmitten einer Katastrophe drohen die Stimmen, Erfahrungen und Schicksale der Menschen in Tibet unsichtbar zu werden.“

Die GfbV fordert die Bundesregierung auf, sich gegenüber der chinesischen Regierung für freien Zugang zu Tibet einzusetzen. Zudem müsse sie sich für Straffreiheit für Betroffene einsetzen, die mit Angehörigen im Ausland oder mit Medien kommunizieren, sowie für die Achtung der Religions- und Kulturfreiheit der tibetischen Bevölkerung und ein Ende der fortgesetzten Assimilierungspolitik.

Mirjam Kobold. Foto: Sarah Neumeyer / GfbV

Mirjam Kobold

Referentin für Asien

Thematische Schwerpunkte:

  • China
  • Tibet
  • Uigur*innen
  • Rohingya

E-Mail: m.kobold@gfbv.de

Telefon: +49 30 51695825-4