Wie kann Tourismus auf dem Land der Maasai gelingen, ohne ihre Rechte und Lebensgrundlagen zu gefährden? Darauf geben Maasai-Gemeinschaften mit einem eigenen Modell für fairen und gerechten Tourismus eine Antwort. Es wurde erstmals am gestrigen Dienstag, den 3. November, in Genf präsentiert. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), die an den zugrunde liegenden Recherchen beteiligt war, unterstützt die Forderungen nach einem grundlegenden Wandel der Tourismusbranche.
„Der Tourismus-Boom im Norden Tansanias findet zu großen Teilen auf traditionellen Gebieten der Maasai statt. Dort verlieren sie Zugang zu Weideflächen und Wasserquellen. Vertreibungen und andere Menschenrechtsverletzungen stehen vielfach im Zusammenhang mit Tourismusprojekten“, berichtet Laura Mahler, Subsahara-Referentin der GfbV. „Während internationale Tourismusunternehmen und Investoren von den natürlichen Ressourcen und Landschaften profitieren, werden die Maasai in ihren traditionellen Lebensweisen eingeschränkt. Mit ihrem Modell zeigen sie, dass eine andere Form von Tourismus möglich ist: eine, die von den Gemeinschaften selbst gestaltet und kontrolliert wird und ihnen zugutekommt.“
Das Modell richte sich damit ausdrücklich auch an internationale Touristen und Tourismusunternehmen. Reisende könnten es als Orientierung nutzen, um informierte und verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen. Tourismusunternehmen seien aufgefordert, ihre Geschäftspraktiken und Unternehmensrichtlinien an den Menschenrechten und den Bedürfnissen der betroffenen Gemeinschaften auszurichten.
Das Maasai-Modell für fairen und gerechten Tourismus basiert auf Recherchen und einem breit angelegten, partizipativen Prozess. Unter anderem wurden Frauen, junge Leute und traditionelle Führungspersönlichkeiten aus vier Distrikten daran beteiligt. Das Konzept setzt auf einen gemeinschaftsgeleiteten Tourismus, der in den Händen der Maasai liegt und ihnen ermöglicht, selbst über die touristische Nutzung ihres Landes und ihrer Ressourcen zu entscheiden. Dabei sollen sowohl die Gemeinschaften und ihre Viehwirtschaft als auch die Natur gedeihen können.
„Wir wollen ein Tourismusmodell, das unser Land respektiert, das versteht, dass Land für uns Leben bedeutet, dass wir ohne unser Land nicht überleben können. Wir wollen ein Tourismusmodell, in dem unsere freie, vorherige und informierte Zustimmung eingeholt und respektiert wird, sodass keine touristischen Aktivitäten ohne unsere Zustimmung stattfinden. Auf der anderen Seite der Welt wird der Tourismus gepriesen, aber was ist mit den Menschen, die vor Ort leiden? Touristen zahlen viel Geld, aber sie verstehen nicht, dass es Menschen gibt, die leiden“, so eine der Maasai-Vertreterinnen während der Veranstaltung.
Die Vorstellung des Berichts am 3. November in Genf markiert zugleich den Auftakt einer internationalen Lobbytour durch die Schweiz, Frankreich, Belgien, Österreich und Deutschland. Drei Maasai-Vertreter werden die Forderungen und Empfehlungen des Modells an politische Entscheidungsträger*innen und weitere relevante Akteure herantragen. Ziel ist es, internationale Unterstützung für einen Tourismus zu gewinnen, der die Rechte indigener Gemeinschaften achtet und ihnen die Kontrolle über ihr Land und ihre Lebensgrundlagen lässt.
Die Veranstaltung in Genf wurde von der Maasai International Solidarity Alliance (MISA), der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), FIAN International, VIVAT International und dem agrifood collective organisiert.
Das Modell für fairen und gerechten Tourismus finden Sie hier in englischer Sprache.

Laura Mahler
Referentin für Subsahara-Afrika
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