Die arktischen Völker leben seit Jahrtausenden in den extremen Klimazonen des Hohen Nordens – in Sibirien, Alaska, Nordkanada, Grönland und den nördlichen Regionen Skandinaviens. Zu ihnen gehören die Inuit, Sámi, Nenz*innen, Tschuktsch*innen, Evenk*innen, Jakut*innen und viele weitere indigene Gemeinschaften. Ihre traditionelle Lebensweise ist eng mit der Natur verbunden, angepasst an die extremen Bedingungen von Eis, Schnee und Permafrost. Über Generationen haben die arktischen Völker ein tiefes Verständnis ihrer Umwelt entwickelt. Sie jagen Robben, Wale und Karibus, fischen in eisigen Gewässern und halten Rentierherden, die für ihre Ernährung, Kleidung und Kultur von zentraler Bedeutung sind. Diese Lebensweise gerät zunehmend unter Druck.
Der Klimawandel verändert die Lebensgrundlagen der arktischen Völker dramatisch. Die Arktis erwärmt sich mindestens viermal schneller als der globale Durchschnitt. Dadurch schmilzt das Meereis, Permafrostböden tauen auf, und unberechenbare Wetterbedingungen erschweren die Jagd und den Zugang zu Nahrung. Für die Indigenen Völker bedeutet das nicht nur den Verlust ihrer Lebensgrundlagen, sondern auch gesundheitliche Risiken: Verschmutztes Wasser, vergifteter Fisch und belastete Luft führen zu Atemwegserkrankungen und Krebs. Viele Gemeinschaften sind gezwungen, ihre traditionelle Lebensweise aufzugeben, um zu überleben.
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Gleichzeitig bedrohen industrielle Projekte wie Öl- und Gasförderung, Bergbau und entstehende Windparks ihre angestammten Gebiete und die Wanderrouten der Tiere, von denen sie abhängen. Neue Schifffahrtsrouten und der Zugang zu Rohstoffen locken Staaten und Konzerne an. Die Ausbeutung dieser Ressourcen geht oft auf Kosten der indigenen Bevölkerung. Diese wird weder angemessen beteiligt noch entschädigt. In vielen Gebieten führt der Rohstoffboom zu Zwangsumsiedlungen, Umweltzerstörung und dem Verlust kultureller Identität.
Die arktischen Völker fordern seit langem mehr Mitsprache und den Schutz ihrer Gebiete. Sie verweisen darauf, dass sie als Hüter*innen der Arktis seit jeher nachhaltig mit der Natur umgehen – im Gegensatz zu den kurzfristigen Interessen von Industrie und Politik.
Die politische Lage der arktischen Völker ist komplex. Sie leben verteilt in Staaten wie Russland, Kanada, den USA, Dänemark (Grönland) und in Nordeuropa. Je nach Staat werden ihre Rechte sehr unterschiedlich gewahrt oder verletzt. Ein Ziel haben jedoch alle Staaten gemeinsam: die Ausbeutung der Ressourcen in der Arktis. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Angehörigen Indigener Völker aus. Seit 1996 gibt es den Arktischen Rat, ein zwischenstaatliches Forum für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung in der Region. Sechs indigene Organisationen sind als „ständige Teilnehmer“ ohne Stimmrecht vertreten und können sich an Diskussionen beteiligen. Doch ihre Einflussmöglichkeiten sind begrenzt, und viele Forderungen – etwa nach Landrechten, Selbstbestimmung und Mitsprache bei Projekten – werden nicht ausreichend berücksichtigt. Besonders in Russland, wo 44 Indigene Völker offiziell anerkannt sind, fehlt es an verbindlichen Regelungen, die ihre Rechte schützen.
Stand: März 2026
Autorin: Sarah Reinke Redaktion: Sarah Neumeyer
Wofür wir uns einsetzen
Minderheiten & Indigene Völker stärken: Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.
Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen: Wir dokumentieren Unrecht, benennen es klar und bringen es in Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sichtbarkeit schafft Schutz.
Völkermord verhindern & Menschen schützen: Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.
Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!
Europäischer Völkermord-Gedenktag für Sinti und Roma (2.8.): Roma in der Ukraine fordern gleichberechtigtes Gedenken und Unterstützung in der Kriegssituation
Anlässlich des europäischen Völkermord-Gedenktages für Sinti und Roma am 2. August fordern Roma in der Ukraine, dass der Genozid an ihren Vorfahren stärker in das nationale Bewusstsein und in die Erinnerungskultur der Ukraine integriert wird, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) berichtet: „In den von ihnen besetzten Gebieten ermordeten die Nationalsozialisten unsere Vorfahren systematisch: im Distrikt Galizien, im Reichskommissariat Ukraine und in der von der Wehrmacht kontrollierten Zone“, erklärt Natalia Tomenko von der GfbV-Partnerorganisation Youth Agency for the Advocacy of Roma Culture (ARCA), deren Großmutter den Völkermord an den Roma der Ukraine überlebte.
12. Jahrestag des Völkermordes an den Yeziden (3.8.): Weiter unsichere Situation für Minderheiten im Irak
Anlässlich des 12. Jahrestags des Völkermords an der yezidischen Bevölkerung im Irak durch den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) wirft die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) der deutschen Bundesregierung vor, die Aufarbeitung verschleppt und keine wirksamen Konsequenzen gezogen zu haben. Mit der Anerkennung des Völkermordes durch den Deutsche Bundestag im Jahr 2023 wäre das erforderlich gewesen. „Auch wenn es noch nicht dazu gekommen ist, werden immer wieder Stimmen laut, Yeziden, die Opfer des Völkermordes geworden sind, in den unsicheren Staat Irak abzuschieben“, kritisierte Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der GfbV, am heutigen Donnerstag in Göttingen. „Auch Angehörige christlicher und anderer Minderheiten sind im Irak und dem islamistisch regierten Syrien nicht sicher. Sie aus populistischen Motiven abzuschieben, würde ihr Leben unmittelbar gefährden.“
Anschlag auf den CSD in Berlin: Wer Islamisten hofiert, stärkt sie
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat heute in einem dringenden Appell an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit mit islamistischen Regimen gefordert. Anlass ist der Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day am 25. Juli 2026, der nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation ein Weckruf für die deutsche Außen- und Migrationspolitik sein muss: „Durch ihre laufende Kooperation mit islamistischen Regimen, zum Beispiel in der Türkei, Afghanistan, Katar oder Syrien macht die Bundesregierung den radikalen politischen Islam salonfähig. Ihre Außenpolitik legitimiert und stärkt damit militante Kräfte, die den gesamten Nahen Osten destabilisieren und auch unsere Sicherheit in Deutschland bedrohen“, betont Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV.
Gefangenenaustausch mit Russland vor zwei Jahren (1.8.): Freiheit für indigene Aktivistinnen Daria Egereva und Natalia Leongardt gefordert
Zwei Jahre nach dem Gefangenenaustausch zwischen westlichen Staaten und Russland sowie Belarus am 1. August 2024, bei dem 16 politische Gefangene freigelassen wurden, fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) einen verstärkten Einsatz für politische Gefangene in Russland: „Die indigenen Menschenrechtsverteidigerinnen Daria Egereva und Natalia Leongardt sitzen seit dem 17. Dezember 2025 in russischer Haft und sind wegen angeblichen Terrorismus angeklagt. Die Frauen sind unschuldig, das Verfahren politisch motiviert, die drohenden Haftstrafen drakonisch“, erklärt Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV.
Uiguren droht in China Folter – GfbV und WUC verurteilen Abschiebung aus Deutschland
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und der Weltkongress der Uiguren (WUC) verurteilen die Abschiebung des 21-jährigen Uiguren Arafat Adil aus Deutschland nach China. Die Abschiebung verstößt gegen das Verbot von Abschiebungen in Folterstaaten, betonen die Organisationen. Die Verfolgung der Uiguren in der Region Ostturkestan/Xinjiang wird von den USA als Völkermord und vom Europäischen Parlament als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft. Aus dem Ausland rückkehrende Uiguren gelten als besonders gefährdet.
Jahrestag der Gründung der kurdischen Universität Afrîn (26.7.): Zerstörung kurdischen Lebens in Nordsyrien dauert an
Vor elf Jahren wurde in der kurdischen Region Afrîn die erste kurdische Universität Syriens gegründet. Zu ihrem Gründungstag am 26. Juli erinnert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) an ihre Zerstörung durch den türkischen Staat und dessen andauernde Verbrechen in Nordsyrien. „Nur drei Jahre nach ihrer Gründung wurde die Universität nach der völkerrechtswidrigen Besatzung Afrîns durch die Türkei geschlossen und zum Teil zerstört. Ihr Schicksal steht symbolisch für die Zerstörung und Verdrängung der kurdischen Kultur und Sprache in Afrin unter türkischer Besatzung“, sagt Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der GfbV.