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Bahá’í

Blauer Pfeil

Die Bahá’í sind Anhänger*innen einer eigenständigen, im 19. Jahrhundert im Iran entstandenen Religionsgemeinschaft.  Die Religion geht auf den Stifter der Bahá’í-Lehre, Bahaʾuʾllah, zurück. Der Name „Bahá’í“ leitet sich von „Baháʼ“ (arabisch für „Herrlichkeit“ oder „Glanz“) ab und bezieht sich auf Gott sowie auf das Prinzip der Einheit aller Religionen und Menschen. 

Die Bahá’í-Gemeinschaft versteht sich als eigenständige Offenbarungsreligion, die den Glauben an die Einheit der Menschheit, die Gleichwürdigkeit aller Menschen und die Harmonie von Religion und Wissenschaft ins Zentrum stellt.

Bahá’í: Weltweite Religionsgemeinschaft mit Ursprung im Iran

Ursprünglich entstanden im Iran, sind Bahá’í heute eine weltweite Gemeinschaft. Bahá’í leben auf allen bewohnten Kontinenten in zahlreichen Ländern, darunter in vielen Staaten des Nahen Ostens, Afrikas, Asiens, Europas und Amerikas. Trotz der globalen Verbreitung zählt der Iran weiterhin zu den Ländern mit der größten Zahl an Glaubensangehörigen – obwohl er zugleich der Ort ist, an dem die Gemeinschaft am stärksten verfolgt wird.

Die genaue Zahl der Bahá’í weltweit ist schwer zu ermitteln, da viele Bahá’í aus Angst vor Repressionen ihre Zugehörigkeit nicht öffentlich zeigen. Schätzungen gehen davon aus, dass es im Iran mehrere Hunderttausend bis über eine Million Bahá’í gibt. Weltweit wird die Mitgliederzahl auf mehrere Millionen Gläubige geschätzt. In zahlreichen europäischen Ländern sowie in Nord- und Südamerika gibt es bedeutende Bahá’í-Gemeinschaften.

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Verfolgung der Bahá’í aufgrund ihres Glaubens

Die Bahá’í sind in vielen Ländern, in denen sie leben, erheblichen Herausforderungen und Diskriminierung ausgesetzt. Ihre Verfolgung hat historische Wurzeln und dauert bis in die Gegenwart an. In mehreren Ländern berwerden sie nicht als eigenständige Religionsgemeinschaft anerkannt und allein aufgrund ihres Glaubens benachteiligt oder verfolgt. Zu diesen Ländern zählt der Iran, wo die Lage besonders gravierend ist. Dadurch dass der Bahá’í-Glaube nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt wird, befinden sich die Angehörigen der Gemeinschaft in einer rechtlich prekären Lage und sind von zentralen staatsbürgerlichen Rechten ausgeschlossen. Auch im Jemen sind Bahá’í Ziel von Verfolgung und systematischer Diskriminierung.

Ein zentrales Instrument der Ausgrenzung im Iran ist der Ausschluss vom Bildungs- und Arbeitsmarkt. Der Zugang zu Universitäten und höheren Bildungsabschlüssen wird ihnen vielfach verweigert. Ähnliche Benachteiligungen bestehen im Berufsleben, wo sie sowohl bei Anstellungen als auch beim Zugang zu bestimmten Tätigkeitsfeldern diskriminiert werden. Diese strukturellen Einschränkungen führen zu einer langfristigen sozialen und wirtschaftlichen Marginalisierung der Gemeinschaft.

Willkürliche Festnahmen und Kriminalisierung der Bahá’í

Darüber hinaus sind zahlreiche Bahá’í, insbesondere engagierte Gemeindemitglieder willkürlichen Festnahmen, Inhaftierungen und schweren Anklagen ausgesetzt. Viele Bahá’í befinden sich allein aufgrund ihres Glaubens oder ihres friedlichen Engagements in Haft, häufig unter Bedingungen, die nicht internationalen menschenrechtlichen Standards entsprechen. Hinzu kommen die Beschlagnahmung von Eigentum sowie die . Diese Maßnahmen zielen darauf ab, sowohl die materiellen als auch die spirituellen Grundlagen der Gemeinschaft zu untergraben. Insgesamt handelt es sich um systematische staatliche Praktiken, die auf eine gesellschaftliche Marginalisierung und faktische Kriminalisierung der Bahá’í abzielen – eine Form organisierter Diskriminierung.

Einsatz der GfbV für Glaubensfreiheit der Bahá’íDie Gesellschaft für bedrohte Völker verurteilt die Verfolgung der Bahá’í scharf. Wir fordern eine umfassende Beendigung der Diskriminierung der Bahá’í im Iran sowie ihre volle rechtliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft. Sie setzt sich für eine rechtsstaatliche Gleichstellung der Bahá’í ein und verlangt, dass ihnen dieselben Rechte gewährt werden wie anderen anerkannten Religionsgemeinschaften im Land. Dazu gehört insbesondere der uneingeschränkte Zugang zu Bildung, beruflicher Ausbildung und Arbeitsmöglichkeiten, da Bahá’í bislang systematisch von Universitäten und bestimmten Berufsfeldern ausgeschlossen werden. Darüber hinaus engagiert sich die GfbV für die Freilassung aller Bahá’í, die aufgrund ihres Glaubens oder ihres friedlichen Engagements inhaftiert wurden, und fordert faire Gerichtsverfahren sowie menschenwürdige Haftbedingungen. Ebenso tritt die Organisation für den Schutz von Bahá’í-Kulturstätten, Friedhöfen und religiösen Versammlungsorten ein, die wiederholt Ziel staatlicher Zerstörung oder Enteignung geworden sind. Insgesamt zielt die Arbeit der GfbV darauf ab, die Religionsfreiheit der Bahá’í zu sichern und ihre gesellschaftliche Gleichstellung nachhaltig zu gewährleisten.

Stand: Mai 2026

Autor: Dr. Kamal Sido
Redaktion: Sarah Neumeyer

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