Die Hazara sind eine religiöse Minderheit in Zentralasien. Ihr traditionelles Siedlungsgebiet befindet sich im zentralen Hochland Afghanistans, in einer Region, die als Hazarajat bekannt ist. Die Hazara sprechen überwiegend Dari beziehungsweise Hazaragi, einen persischen Dialekt. Sie gehören mehrheitlich dem schiitischen Islam an, wodurch sie sich von der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit in Afghanistan unterscheiden.
Neben Afghanistan existieren auch größere Hazara-Gemeinschaften in Pakistan – insbesondere in der Stadt Quetta – sowie im Iran und in verschiedenen Ländern der Diaspora.
Mit vier bis sieben Millionen Angehörigen stellen die Hazara etwa zehn bis 15 Prozent der afghanischen Bevölkerung und gehören damit zu den größten ethnischen Minderheiten des Landes. Weltweit wird die Zahl der Hazara auf zehn bis 14 Millionen geschätzt (Stand: 2026).
Verfolgung der Hazara in Afghanistan – vom 19. Jh. bis heute
Die Hazara haben eine lange Geschichte politischer und sozialer Marginalisierung. Bereits im späten 19. Jahrhundert kam es unter der Herrschaft des afghanischen Emirs Abdur Rahman Khan zu massiven Verfolgungen, bei denen große Teile der Hazara-Bevölkerung getötet, vertrieben oder versklavt wurden. Historiker*innen gehen davon aus, dass damals mehr als die Hälfte der Hazara getötet oder aus ihrer Heimat vertrieben wurde. Diese Ereignisse führten zu tiefgreifenden demografischen Veränderungen und zur Enteignung großer Teile ihres Landes. Auch in den folgenden Jahrzehnten blieb die Minderheit politisch und wirtschaftlich benachteiligt und hatte nur begrenzten Zugang zu Bildung, staatlichen Ämtern oder politischer Repräsentation.
Bis heute sind die Hazara wiederholt Ziel von Gewalt und Diskriminierung. Besonders aufgrund ihrer schiitischen Religionszugehörigkeit werden sie von sunnitischen extremistischen Gruppen angegriffen. Terroranschläge, gezielte Massaker und andere Formen religiös motivierter Gewalt haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder zahlreiche Opfer gefordert. Die Gesellschaft für bedrohte Völker macht darauf aufmerksam, dass Angehörige der schiitischen Hazara-Minderheit in Afghanistan und Pakistan immer wieder Opfer solcher Übergriffe werden.
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Ausgrenzung, Vertreibung und Anschläge unter Taliban-Herrschaft
Unter der Herrschaft der Taliban hat sich die Situation der Hazara deutlich verschlechtert. Die GfbV berichtet regelmäßig von Diskriminierung, wirtschaftlicher Ausgrenzung, Vertreibungen und der Beschlagnahmung von Land. Hazara-Gemeinden sind zudem wiederholt Ziel extremistischer Anschläge, insbesondere durch Gruppen wie den „Islamischen Staat“ (IS). Viele Angehörige der Minderheit sehen sich deshalb gezwungen, ihre Heimat zu verlassen oder ins Ausland zu fliehen.
Insgesamt zählen die Hazara heute zu den am stärksten gefährdeten Minderheiten in Afghanistan. Die GfbV und andere Menschenrechtsorganisationen warnen, dass ohne wirksame internationale Aufmerksamkeit und Schutzmaßnahmen die Gefahr weiterer Übergriffe gegen diese Gemeinschaft bestehen bleibt.
Keine Abschiebung von Hazara-Geflüchteten nach Afghanistan
Angesichts der Verfolgung fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) einen besseren internationalen Schutz für die Hazara. Die GfbV ruft dazu auf, gezielte Gewalt gegen die schiitische Minderheit stärker zu dokumentieren und politische Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen. Zudem kritisiert sie Abschiebungen von Hazara-Geflüchteten nach Afghanistan, da ihre Sicherheitslage aufgrund der anhaltenden Gewalt und Diskriminierung weiterhin äußerst kritisch ist.
Stand: Mai 2026
Autor: Dr. Kamal Sido Redaktion: Sarah Neumeyer
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Historische Debatte im Bundestag: Forderungen der Ovaherero und Nama nach Gerechtigkeit müssen umgesetzt werden
Die gestrige Debatte im Deutschen Bundestag über die vollumfängliche Anerkennung der Völkermorde an den Ovaherero und Nama war ein historischer Tag für die Nachkommen der Opfer des Genozids und das Bündnis „No Amnesty on Genocide! / Völkermord verjährt nicht!“. Ein Antrag der Fraktion Die Linke, entstanden in enger Zusammenarbeit mit Vertreter*innen der Ovaherero und Nama, rückte die Forderungen der Nachkommen der Opfer nach Anerkennung, Entschuldigung und Wiedergutmachung erneut ins Zentrum der parlamentarischen Auseinandersetzung. Das Bündnis begrüßt, dass diese Forderungen im Bundestag Gehör fanden und die deutsche Kolonialvergangenheit sowie die daraus erwachsende Verantwortung Deutschlands parlamentarisch verhandelt werden. Ein weiterer Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert die Entschuldigung für die Völkermorde unabhängig von der zwischen der deutschen und namibischen Regierungen ausgehandelten Gemeinsamen Erklärung und unter anderem eine deutsch-namibische parlamentarische Untersuchungskommission.
Genozid-Nachkommen fordern Gerechtigkeit im Bundestag
In der heutigen Plenarsitzung debattiert der Deutsche Bundestag über die vollumfängliche Anerkennung der deutschen Völkermorde an den OvaHerero und Nama im heutigen Namibia von 1904 bis 1908. Die Völkermorde waren die ersten des 20. Jahrhunderts.
Jeweils zwei Vertreter der Ovaherero Traditional Authority (OTA) und der Nama Traditional Leaders Association (NTLA), der beiden wichtigsten Vertreterorganisationen dieser Völker, wohnen auf Einladung der Bundestagsfraktion Die Linke der Plenardebatte bei. Der Parlamentsantrag wurde in direkter Abstimmung mit OTA und NTLA erarbeitet.
Tag des indigenen Widerstands (12.10.): COP17: Indigene Völker brauchen Entscheidungsmacht beim Biodiversitätsschutz
Zum Tag des indigenen Widerstands am 12. Oktober fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) indigene Völker als gleichberechtigte Akteure des Biodiversitätsschutzes anzuerkennen. „Ihre Territorien sind Hotspots der Biodiversität, weil Indigene Völker sie tagtäglich unter größten Risiken gegen Raubbau verteidigen. Darum müssen sie über den Schutz dieser Gebiete auch auf der UN-Biodiversitätskonferenz gleichberechtigt mitentscheiden dürfen“, erklärt Jan Königshause, Referent für Indigene Völker bei der GfbV.
Verbindungen zwischen Trump-Umfeld und Dodik: GfbV fordert EU-Sanktionen und Aufklärung wirtschaftlicher Verflechtungen
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten auf, angesichts wachsender politischer und wirtschaftlicher Verflechtungen zwischen dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump und der zu Bosnien und Herzegowina gehörenden Republika Srpska entschlossen zu handeln. Besonders brisant sind die wahlbezogene Beratung der politischen Führung der Republika Srpska durch enge politische Berater Trumps, wirtschaftliche Interessen rund um ein milliardenschweres Gasprojekt und die Aufhebung der US-Sanktionen gegen den früheren Präsidenten der RS, Milorad Dodik.
Pressekonferenz am 14.10.: Genozid-Nachkommen aus Namibia fordern Gerechtigkeit
Der Deutsche Bundestag verhandelt am Mittwochabend, 14. Oktober, (Stand: 8. Oktober) in seiner Plenardebatte über die Anerkennung der Völkermorde des deutschen Kaiserreiches an den Ovaherero und Nama im heutigen Namibia. Jeweils zwei Vertreter der Ovaherero Traditional Authority (OTA) und der Nama Traditional Leaders Association (NTLA), die zwei wichtigsten Vertreterorganisationen beider Völker, werden der Sitzung beiwohnen. Sie fordern unter anderem finanzielle Wiedergutmachung, die Rückführung aller geraubten menschlichen Gebeine und Kulturgüter aus deutschen Institutionen sowie eine offizielle Entschuldigung der Bundesregierung.
Maasai in Tansania: GfbV und FIAN verurteilen willkürliche Verhaftungen scharf
Die Menschenrechtsorganisationen Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und FIAN Deutschland reagieren besorgt auf die willkürliche Verhaftung von fünf Angehörigen der Maasai. Die Männer waren am Abend des 6. Oktober in Arusha, Tansania, festgenommen worden und sind mittlerweile wieder frei. Was ihnen vorgeworfen wird, ist bislang nicht bekannt. Sie waren unter einem Vorwand in ein Krankenhaus gelockt und dort von der Polizei verhaftet worden.