Die Igbo gehören neben den Hausa-Fulani und den Yoruba zu den drei größten ethnischen Gruppen Nigerias. Sie stellen rund 18 Prozent der Gesamtbevölkerung und leben überwiegend im Südosten des Landes. Die Igbo sind vor allem christlich geprägt. Gemeinsam mit den zwei anderen großen Bevölkerungsgruppen spielen sie seit der Unabhängigkeit Nigerias eine zentrale Rolle in Politik, Wirtschaft sowie in den konfliktreichen Auseinandersetzungen um Macht und Ressourcen.
Koloniales Erbe und ethnische Spannungen in Nigeria
Nigeria entstand unter britischer Kolonialherrschaft als künstlicher Staat, in dem zahlreiche ethnische Gruppen sowie zwei große Religionsgemeinschaften – Christ*innen und Muslim*innen – zusammengefasst wurden. Die Grenzziehung erfolgte ohne Rücksicht auf bestehende gesellschaftliche, kulturelle und politische Strukturen. Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1960 verschärften sich die Spannungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen erheblich. Zunächst wurde das Land in drei große Regionen gegliedert, die jeweils von einer der größten ethnischen Gruppen dominiert wurden: den Hausa-Fulani im Norden, die rund 30 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, den Yoruba im Westen und den Igbo in der Region Biafra im Osten, die beide rund 15 Prozent der Gesamtbevölkerung darstellen. Der Wettbewerb um staatliche Macht sowie die zunehmend lukrativen Einnahmen aus Öl- und Gasexporten führten zu politischer Instabilität, Wahlmanipulationen und wachsendem Misstrauen zwischen den Regionen.
Bereits wenige Jahre nach der Unabhängigkeit eskalierten die Spannungen in einer Serie von Militärputschen und Gegenputschen. Ein Umsturz Anfang 1966 wurde als von Igbo-Offizieren angeführte Revolte interpretiert und löste massive Gewalt gegen Igbo in Nordnigeria aus. Militärangehörige und Zivilist*innen verübten Massaker, die zur Flucht von etwa zwei Millionen Igbo in die Ostregion führten.
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Trotz Bemühungen der nigerianischen Bundesregierung, den Zusammenhalt des Landes zu bewahren, scheiterten die Verhandlungen zwischen der damaligen Bundeshauptstadt Lagos und der politischen Führung der Ostregion an unvereinbaren Positionen. Am 30. Mai 1967 erklärte die Ostregion schließlich ihre Unabhängigkeit als Republik Biafra. Anfang Juli 1967 begann der Bürgerkrieg mit dem Vormarsch nigerianischer Bundestruppen in biafranisches Gebiet. Der anschließende Vernichtungskrieg Nigerias (1967–1970) entwickelte sich rasch zu einer humanitären Katastrophe und sollte später als der Genozid von Biafra bekannt werden. Die militärische Einkesselung Biafras führte zu einer verheerenden Hungersnot, der schätzungsweise Millionen Zivilist*innen, darunter Zehntausende Igbo, zum Opfer fielen. Der Vernichtungskrieg endete am 15. Januar 1970 mit der Kapitulation Biafras.
Heutige Unabhängigkeitsbestrebungen
Auch Jahrzehnte nach dem Krieg ist die Frage um Biafra ein zentrales Thema der nigerianischen Politik. Die ungelösten Folgen des kolonialen Staatsaufbaus, die ungleiche Verteilung von Ressourcen sowie die schwache staatliche Leistungsfähigkeit tragen weiterhin zu ethnischen Spannungen bei. Die Geschichte der Igbo steht exemplarisch für die Herausforderungen Nigerias im Umgang mit ethnischer Vielfalt, Machtverteilung und nationalem Zusammenhalt. Die anhaltende Marginalisierung der Igbo hat in weiten Teilen der Bevölkerung den Wunsch nach Selbstbestimmung verstärkt. Viele Igbo fühlen sich gegenüber dem Rest Nigerias wirtschaftlich und politisch benachteiligt. Politische Ämter sind bis heute nur selten von Igbo besetzt worden. Die Infrastruktur im Südosten des Landes ist weniger stark ausgebaut als in anderen Teilen des Landes. In den vergangenen 30 Jahren haben verschiedene Organisationen mehrfach versucht, Unterstützung für ein unabhängiges Biafra zu mobilisieren. Ihre Anhänger*innen argumentieren, nur ein eigenständiger Staat Biafra könne die Sicherheit der Igbo gewährleisten und ihre politische sowie wirtschaftliche Benachteiligung dauerhaft beenden.
Stand: Mai 2026
Autorin: Laura Mahler Redaktion: Sarah Neumeyer
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Uiguren droht in China Folter – GfbV und WUC verurteilen Abschiebung aus Deutschland
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