Die Nama sind eine indigene ethnische Volksgruppe im südlichen Afrika. Sie leben insbesondere im Süden Namibias, aber auch in Botswana und Südafrika. Sie gehören zur Khoikhoi-Gruppe und sprechen Khoekhoegowab, eine Sprache, die für ihre Klicklaute bekannt ist. Traditionell führten sie ein nomadisches Leben mit Viehzucht als Hauptwirtschaftszweig.
Während der deutschen Kolonialzeit verübten Truppen des Kaiserreichs den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts an den Nama und Ovaherero. Bis heute kämpfen die Nama gegen die Folgen der deutschen Kolonialgewalt.
Nama: Erster Völkermord des 20. Jahrhunderts
Von 1884 bis 1915 war Namibia die Siedlerkolonie Deutsch-Südwestafrika. In dieser Zeit kam es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen deutschen Siedler*innen und den Nama, Ovaherero sowie Damara und San. Am 12. April 1893 überfielen deutsche Soldaten unter dem Kommando von Curt von François den Ort Hornkranz mit dem Befehl, den Witbooi-Clan der Nama auszulöschen. Bei dem Überfall wurden mindestens 80 Menschen ermordet. Das Hornkranz-Massaker war der erste Akt des Genozids gegen ihre Gemeinschaft.
Ab 1903/1904 bekämpften die Nama die deutschen Truppen in einem Guerillakrieg. Die deutsche Armee reagierte darauf mit brutaler Gewalt, der systematischen Verfolgung der Nama und einer Politik der verbrannten Erde: Infrastruktur, Nahrungsmittel, Felder, Dörfer und ganze Landschaften wurden zerstört, um die Nama aus ihren Gebieten zu vertreiben und sie auszuhungern.
Am 22. April 1905 erließ der deutsche Generalleutnant Lothar von Trotha einen Vernichtungsbefehl gegen alle Nama. Die deutschen Truppen zerstörten gezielt ihre Lebensgrundlagen und inhaftierten die Überlebenden in Konzentrationslagern. Dort starben viele unter unmenschlichen Bedingungen an Hunger, Krankheit und Misshandlung. Schätzungen zufolge kamen durch den Völkermord etwa 10.000 Nama ums Leben, was etwa 50 Prozent ihrer damaligen Bevölkerung entsprach.
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Die Nama heute: benachteiligte Minderheit im eigenen Land
Die Nama leiden bis heute unter den Folgen des deutschen Kolonialismus und des Genozids an ihrer Gemeinschaft. Viele Nachfahr*innen der Nama leben in prekären Verhältnissen. Die Nachkommen der einstigen Kolonisator*innen besitzen hingegen rund zwei Drittel des fruchtbaren Bodens in Namibia, obwohl sie weniger als zehn Prozent der namibischen Bevölkerung ausmachen.
Die deutsche Bundesregierung hat den Völkermord bis heute nicht rechtlich bindend anerkannt. Das sogenannte Versöhnungsabkommen zwischen Deutschland und Namibia, das bislang noch nicht verabschiedet wurde, spricht lediglich von einem Genozid aus heutiger Sicht und umgeht damit eine rechtliche Verantwortung sowie Reparationszahlungen. Darüber hinaus wird das Abkommen von den offiziellen Vertretungen der Nama und Ovaherero nicht anerkannt, da sie nicht in die Verhandlungen miteinbezogen wurden. Dies verstößt gegen internationale Standards im Umgang mit Völkermord.
Grüner Kolonialismus auf Kosten der Nama
Die (neo-)kolonial geprägte Kontrolle über Land und Ressourcen prägt Namibia bis heute. Indigene Gemeinschaften werden nicht ausreichend in Entscheidungen einbezogen.
Für ein geplantes Wasserstoffprojekt im Süden Namibias sollen große Flächen des angestammten Landes der Nama genutzt werden. Auch ein wichtiger Gedenkort an den Völkermord ist durch einen geplanten Hafenausbau auf der Halbinsel Shark Island betroffen. Trotz dieser direkten Auswirkungen auf die Nama werden Entscheidungen oft ohne ihre Mitbestimmung gefällt. Die Nama werden weiterhin benachteiligt und marginalisiert. Gemeinsam mit der Nama Traditional Leaders Association (NTLA) setzen wir uns für die Rechte der Nama ein.
Stand: Mai 2026
Autor*innen: Laura Mahler und Nadja Grossenbacher Redaktion: Sarah Neumeyer, Stefanie Grolig, Elena Dellmuth und Myriam Givens
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Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat in einem offenen Brief an Papst Leo XIV. appelliert, sich für die Aufklärung des Schicksals der beiden am 22. April 2013 in Syrien entführten christlichen Bischöfe einzusetzen.
Menschenrechtsaktion zur Hannover Messe (19.4.): Kritik an Partnerland Brasilien
Unter dem Motto „Think Tech Forward – but Indigenous Rights first!“ veranstaltet die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine Mahnwache zur Eröffnung der Hannover Messe 2026. Die Aktion findet am Sonntag, 19. April 2026, von 16 bis 19 Uhr auf der Grünfläche nordöstlich des Hannover Congress Centrums (HCC) statt. Die Menschenrechtsorganisation kritisiert, dass sich das diesjährige Partnerland Brasilien zwar als Vorreiter einer „grünen Transformation“ präsentiert, gleichzeitig jedoch indigene Gemeinschaften entrechtet und ihre Territorien für Rohstoffprojekte opfert.
Anlässlich des dritten Jahrestags des Kriegsbeginns im Sudan am 15. April haben das Center for Environmental and Social Studies (CESS Sudan) und die Menschenrechtsorganisationen Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und Pax for Peace bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin einen stärkeren Fokus auf die Konflikttreiber des Krieges gefordert. Sie betonen, dass europäische Unternehmen indirekt vom Krieg im Sudan profitieren. Zu den deutschen Unternehmen, die Gold aus dem Sudan beziehen, zählt laut einem neuen Bericht von CESS auch der deutsche Autobauer VW.
Am 15. April jährt sich der Ausbruch des bewaff neten Konfl ikts im
Sudan zum dritten Mal. An diesem Tag fi ndet in Berlin die dritte internationale Sudan-
Konferenz statt, die die Bundesregierung gemeinsam mit Großbritannien, Frankreich, den
USA sowie der Europäischen und Afrikanischen Union ausrichtet. Sie vereint drei
Elemente: ein Außenministertreff en, eine humanitäre Konferenz mit Finanzierungszusagen
und eine Zusammenkunft ziviler Akteure, um einen Friedensfahrplan auszuhandeln. Als
Netzwerk, von dem viele Mitglieder seit Jahren im Land Hilfsprogramme umsetzen, fordern
wir konkrete Schritte, um die Menschen im Sudan besser zu schützen und einem Ende des
Krieges, der vor allem die Zivilbevölkerung triff t, näherzukommen.
Koloniales Naturverständnis: Rauchentwicklung einer Brandrodung von Wäldern entlang des Xingu-Flusses im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso. Foto: NASA Johnson Space Center / Wikipedia gemeinfrei
Klimawandel und Kolonialismus
Warum die Klimakrise eine Frage von historischer Verantwortung ist
Von Laura Mahler
Der Asháninka-Anführer Benki Piyãko (mit rotem Shirt) bekämpft das Feuer im September 2023 mit der Hilfe von Feuerwehrmännern, die aus der Stadt Cruzeiro do Sul eingeflogen werden mussten. Foto: Eliane Fernandes
Wenn heute von Irak oder Syrien gesprochen wird, muss dringend berücksichtigt werden, dass diese beiden Länder als einheitliche politische Gebilde nicht mehr existieren. Auch wenn sie Mitglieder de…
Seit 25 Jahren macht die GfbV dank ihres beratenden Status als Nichtregierungsorganisation bei den Vereinten Nationen jedes Jahr mit Dutzenden Eingaben in der Weltorganisation auf die dramatische Lage bedrohter Völker aufmerksam. Bild: Falcon® Photography via Flickr CC BY-SA 2.0
Dokumentation: Wie China die GfbV in den Vereinten Nationen mundtot machen wollte
Deutsche Außenminister beklagen seit Jahren, dass die Handlungsspielräume von Menschenrechtsorganisationen in autoritär regierten Staaten immer geringer werden. Doch inzwischen gilt dies auch in den Vereinten Nationen.