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Tibet

Tibet-Demo_Berlin_Hanno Schedler
Tibet-Demo Berlin. Foto: Hanno Schedler / GfbV

Tibet liegt im Hochland Zentralasiens und umfasst die Autonome Region Tibet (TAR) sowie angrenzende tibetische Gebiete in den Provinzen Qinghai, Sichuan, Gansu und Yunnan. Insgesamt umfasst das tibetische Plateau 2,5 Millionen Quadratkilometer und ist damit siebenmal so groß wie Deutschland. Die TAR allein umfasst rund 1,2 Millionen Quadratkilometer und ist damit etwa dreieinhalbmal so groß wie Deutschland. Ihre Hauptstadt ist Lhasa.

In der Autonomen Region Tibet leben rund 3,6 Millionen Menschen. Insgesamt leben etwa sechs bis sieben Millionen ((Tibeter*innen)) in ((China)).

Tibet: Seit mehr als 75 Jahren von China besetzt 

Seit dem Einmarsch chinesischer Truppen im Jahr 1950 steht Tibet unter der Kontrolle der Volksrepublik ((China)). Ein Jahr später wurde das sogenannte 17-Punkte-Abkommen unterzeichnet, das die Eingliederung Tibets in die Volksrepublik China festschrieb. Seit mehr als 75 Jahren ist Tibet von China besetzt. Die chinesische Regierung bezeichnet ihre Politik als „Befreiung“. 

1959 eskalierte der Widerstand gegen die chinesische Herrschaft in einem breiten Aufstand, nachdem sich die Sorge verstärkt hatte, der Dalai Lama könne von chinesischen Behörden festgesetzt werden. Der Aufstand wurde gewaltsam niedergeschlagen, woraufhin Tausende Tibeter*innen flohen, darunter auch der 14. Dalai Lama

Tibetische Exilregierung und Dalai Lama im Exil in Indien

Der Dalai Lama ging ins Exil nach Indien, von wo aus er bis heute wirkt. Die tibetische Exilregierung hat ihren Sitz ebenfalls in Indien in der Stadt Dharamsala. Die Central Tibetan Administration (CTA) wurde 1959 vom Dalai Lama gegründet. 2011 gab er seine politischen Ämter ab. Als Ministerpräsident wurde Lobsang Sangay gewählt, der bis 2021 im Amt war. Aktueller Ministerpräsident Tibets ist Penpa Tsering. 

Die Vereinten Nationen erkennen Tibet heute nicht als eigenständigen Staat an, sondern als Teil der Volksrepublik China. Jedoch haben UN-Organe seit 1959 wiederholt Menschenrechtsverletzungen in Tibet kritisiert und auf die Rechte der Tibeter*innen auf religiöse, kulturelle und sprachliche Selbstbestimmung verwiesen. Auch die GfbV kritisiert, dass Chinas politische Kontrolle, Repression und Assimilationspolitik das Recht der Tibeter*innen auf Selbstbestimmung verletzt. 

Politischer Status und Autonomieregelung

Tibet ist seit 1965 formal als „Autonome Region“ organisiert. Diese Autonomie garantiert auf dem Papier kulturelle und sprachliche Rechte. In der Praxis liegt die politische Macht jedoch bei der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Zentrale Entscheidungen in den Bereichen Sicherheit, Bildung, Religion und Verwaltung werden nicht lokal, sondern parteistaatlich getroffen.

Neben der TAR leben große Teile der tibetischen Bevölkerung in anderen Provinzen Chinas. Diese administrative Aufteilung erschwert eine einheitliche politische Vertretung tibetischer Interessen.

Benki Piyãko. Foto: Eliane Fernandes / GfbV

Aktivist*innen riskieren weltweit ihre Freiheit, ihre Sicherheit – und oft ihr Leben. Der indigene Menschenrechtsverteidiger Benki Piyãko stellt sich seit Jahren mutig der Holzmafia im brasilianischen Regenwald entgegen. Durch sein Engagement befindet er sich in ständiger Lebensgefahr.

Er steht beispielhaft für Aktivist*innen weltweit, die starke, solidarische Verbündete brauchen.

Benki Piyãko. Foto: Eliane Fernandes / GfbV

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Staatliche Kontrolle,Umerziehung und Zwangsarbeit

Die Kontrolle über Tibet erfolgt durch ein eng verzahntes System aus Sicherheitsapparat, Überwachung und politischer Steuerung zentraler gesellschaftlicher Bereiche. Dazu gehören insbesondere Bildung, Medien und Religion. Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit sind stark eingeschränkt. Tibet wird daher regelmäßig als eine der am stärksten kontrollierten Regionen der Welt beschrieben, wenn es um politische Rechte und bürgerliche Freiheiten geht.

Auch staatliche Arbeits- und Umsiedlungsprogramme sind Teil dieser Kontrolle. UN-Expert*innen warnten Anfang 2026 vor Berichten über staatlich angeordnete Zwangsarbeit gegen ethnische Minderheiten in China, darunter Tibeter*innen. In Tibet werden solche Programme häufig unter dem Deckmantel von Armutsbekämpfung, Beschäftigungsförderung oder ökologischer Umsiedlung umgesetzt. Betroffene werden jedoch stark unter Druck gesetzt, ihre bisherigen Lebens- und Arbeitsformen aufzugeben. Wer sich widersetzt, riskiert schwere Repressionen.

Besonders betroffen sind nomadische und landwirtschaftlich geprägte Gemeinschaften. Sie werden aus ihren bisherigen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen herausgelöst und in neue Siedlungen oder Arbeitsprogramme gedrängt. Dadurch geraten sie stärker in Abhängigkeit von staatlichen Leistungen, zugewiesener Beschäftigung und parteistaatlich kontrollierten Strukturen. Diese Maßnahmen schwächen nicht nur wirtschaftliche Eigenständigkeit, sondern auch die Weitergabe von Sprache, Kultur und religiöser Praxis.

Zwangsinternate für tibetische Kinder

Mit der Einrichtung staatlicher Internate versucht die chinesische Regierung, die nächste Generation von Tibeter*innen von ihrer Kultur und ihrer Religion zu trennen. Fast eine Million tibetische Kinder sind gezwungen, in diesen kolonialen Schulen zu lernen. Dort werden sie mit den Glaubenssätzen der KPCh und deren Vorsitzenden Xi Jinping indoktriniert. Häufig können die tibetischen Kinder in diesen Zwangsinternaten ihre Familien über Monate oder sogar Jahre nicht sehen. Sie dürfen auch nicht mit ihnen telefonieren. Dadurch werden sowohl die Kinder als auch ihre Eltern willkürlich und systematisch traumatisiert.

Zerstörung der tibetischen Kultur 

Seit dem Beginn der Besetzung Tibets hat die chinesische Regierung Tausende buddhistische Klöster zerstört, religiöse Texte verbrannt, religiöse Autoritäten verfolgt und gefoltert oder sie zur sogenannten „patriotischen Umerziehung“ gezwungen. Tausende Mönche und Nonnen wurden von religiösen Instituten ausgeschlossen. Regelmäßig gibt es Berichte über Folter und sexuellen Missbrauch von Mönchen und Nonnen. Die KPCh will den tibetischen Buddhismus genauso wie andere Religionen im Land „sinisieren“, also unter ihre totale Kontrolle bringen.

Strategische Bedeutung

Tibet als Territorium hat für die chinesische Regierung hohe strategische und geopolitische Bedeutung. Als Hochlandregion („Dach der Welt“) ist Tibet Quelle wichtiger Flüsse wie des Brahmaputra, Mekong und Indus und damit zentral für die Wasserversorgung großer Teile Asiens.

Zugleich fungiert Tibet als geopolitische Grenzregion zu ((Indien)) und Nepal sowie als politisches Symbol für territoriale Integrität. Die Kontrolle über Tibet gilt in der politischen Logik Pekings als Beleg dafür, dass der Staat seine Einheit und Souveränität auch in peripheren und ethnisch vielfältigen Regionen durchsetzen kann. Forderungen nach größerer Autonomie oder Selbstbestimmung werden deshalb nicht nur als regionale Anliegen, sondern als potenzielle Bedrohung der staatlichen Einheit interpretiert. Das freie Ausleben von Religion in Tibet ist heute weder in Klöstern noch im Alltag möglich. Diese Faktoren tragen zu einer besonders intensiven staatlichen Kontrolle und zur Unterdrückung von Unabhängigkeitsbestrebungen bei.

Eingeschränkter Zugang und Informationskontrolle

Der Zugang zu Tibet ist für Ausländer*innen stark eingeschränkt. Journalist*innen, Diplomat*innen und internationale Organisationen benötigen Sondergenehmigungen; Reisen finden meist in staatlich begleiteten Rahmen statt. Diese Einschränkungen erschweren unabhängige Berichterstattung und internationale Beobachtung erheblich. Gleichzeitig begrenzen sie die Möglichkeiten, die Menschenrechtslage vor Ort verlässlich zu dokumentieren.

Weiterführende Informationen:

Hanno Schedler (2023): Tibet – Seit über 70 Jahren besetzt, Gesellschaft für bedrohte Völker, Göttingen. Online verfügbar unter: https://www.gfbv.de/fileadmin/redaktion/shop/Aktionsmaterialien/FlyerTibet022023Druck.pdf

Stand: Mai 2026

Autorin: Mirjam Kobold
Redaktion: Sarah Neumeyer

Wofür wir uns einsetzen

Minderheiten & Indigene Völker stärken:
Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.

Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen:
Wir dokumentieren Unrecht, benennen es klar und bringen es in Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sichtbarkeit schafft Schutz.

Völkermord verhindern & Menschen schützen:
Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.

Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!

Ihre Ansprechpartnerin

Mirjam Kobold. Foto: Sarah Neumeyer / GfbV

Mirjam Kobold

Referentin für Asien

E-Mail: m.kobold@gfbv.de 

Telefon: +49 30 51695825-4

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