Im Osten Ecuadors, zwischen den Flüssen Río Napo und Río Curaray, lebt das Indigene Volk der Waorani. Ihr Territorium liegt im Amazonasregenwald und umfasst Teile des Yasuní-Nationalparks – eines der artenreichsten Gebiete der Erde. Dort kämpfen die Waorani seit Jahrzehnten gegen die Ausweitung der Erdölförderung und für den Schutz ihres Lebensraums.
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts lebten sie als seminomadische Jäger*innen und Sammler*innen in voneinander unabhängigen Familiengruppen. Die Gruppen bezeichneten sich jeweils nach den bedeutendsten Persönlichkeiten. So nannte sich die Gruppe um Guikita beispielsweise als Guikitairi. Erst mit dem Eindringen evangelikaler Missionar*innen und Erdölkonzerne ab den 1950er Jahren kam es zum erzwungenen Kontakt mit der Mehrheitsgesellschaft. Dies veränderte ihrer Lebensweise grundlegend und lösten bis heute andauernde Konflikte um Land, Ressourcen und Selbstbestimmung aus.
Gruppen der Waorani leben in freiwilliger Isolation
Trotz dieser Entwicklungen leben bis heute mehrere Familiengruppen der Waorani in freiwilliger Isolation. Dazu zählen die ((Tagaeri, Taromenane)), Wiñatairi und Dugakairi. Sie meiden jeden Kontakt mit der Außenwelt.
Aktuell umfasst das Volk der Waorani etwa 5.000 Menschen, die in rund 60 dauerhaften comunidades (Dorfgemeinschaften) leben. Ihr Territorium umfasst knapp 20.000 Quadratkilometer im Amazonasregenwald und ist damit ungefähr so groß wie Rheinland-Pfalz. Teile liegen im Yasuní Nationalpark, dem größten Nationalpark Ecuadors und einem der artenreichsten Gebiete der Erde. Seit Jahren tobt dort ein Konflikt um die Ausbeutung lokaler Erdölvorkommen. Besonders umstritten ist diese im Konzessionsblock 43.
Aktivist*innen riskieren weltweit ihre Freiheit, ihre Sicherheit – und oft ihr Leben. Der indigene Menschenrechtsverteidiger Benki Piyãko stellt sich seit Jahren mutig der Holzmafia im brasilianischen Regenwald entgegen. Durch sein Engagement befindet er sich in ständiger Lebensgefahr.
Er steht beispielhaft für Aktivist*innen weltweit, die starke, solidarische Verbündete brauchen.
Benki Piyãko. Foto: Eliane Fernandes / GfbV
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Ölförderung bedroht indigene Gebiete der Waorani
Im August 2023 stimmte die ecuadorianische Bevölkerung in einem historischen Referendum dafür, die Ölförderung dort zu beenden – ein bedeutender Sieg für Umweltschützer*innen, indigene Vertreter*innen und Basisgemeinschaften. Trotz dieses klaren Votums verzögert die Regierung die Umsetzung des Ergebnisses, was zu anhaltenden Spannungen zwischen dem Staat, Ölkonzernen und den indigenen Gemeinschaften führt.
Gleichzeitig treibt der ecuadorianische Präsident Daniel Noboa eine Politik voran, die auf die verstärkte Ausbeutung der Ressourcen setzt. Dadurch wächst der Druck auf das Territorium und die Lebensweisen der Waorani weiter.
Wie viele Indigene Völker weltweit kämpfen die Waorani nicht nur um ihr Land, sondern auch um den Erhalt ihrer kulturellen Identität und ihrer Sprache Waoterero.
Um ihre Interessen zu vertreten, haben die Waorani mehrere Organisationen gegründet, darunter die „Nacionalidad Waorani del Ecuador“ (NAWE) und die Frauenorganisation „Asociación de Mujeres Waorani de la Amazonía Ecuatoriana“ (AMWAE), die sich für größere Autonomie und Mitspracherechte einsetzen.
GfbV-Referent Jan Königshausen (rechts) mit Eduardo Pichilingüe und Manuela Omari Ima, der Gründerin der Frauenorganisation der Waorani, in Graz. Foto: GfbV
GfbV setzt sich für Rechte der Woarani ein
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützen die Waorani seit über 20 Jahren im Kampf um ihre kulturelle Selbstbestimmung. Dabei ist besonders der Schutz indigener Territorien nicht nur eine Frage der Menschenrechte, sondern auch ein entscheidender Beitrag zum Erhalt des Amazonasregenwaldes, eines der wichtigsten Ökosysteme unseres Planeten.
Stand: Juni 2026
Autor: Jan Königshausen Redaktion: Sarah Neumeyer
Wofür wir uns einsetzen
Minderheiten & Indigene Völker stärken: Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.
Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen: Wir dokumentieren Unrecht, benennen es klar und bringen es in Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sichtbarkeit schafft Schutz.
Völkermord verhindern & Menschen schützen: Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.
Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!
Gedenken an Völkermord von Srebrenica darf nicht durch Genozidleugnung und Relativierung entwürdigt werden
Zum Internationalen Tag des Gedenkens an den Genozid von Srebrenica am 11. Juli warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vor der fortschreitenden Normalisierung von Genozidleugnung und Geschichtsrevisionismus in Bosnien-Herzegowina und Serbien. Die GfbV fordert die strafrechtliche und politische Ahndung von Genozidleugnung und der Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher sowie verbindliche Bildungsprogramme über den Genozid in Bosnien und Herzegowina, Deutschland und anderen europäischen Staaten.
Im Schatten der WM – EU-Parlament gibt grünes Licht für weiteres Handelsabkommen mit Lateinamerika
Während in Mexiko noch die WM läuft, haben europäische Abgeordnete heute für ein Handelsabkommen zwischen dem lateinamerikanischen Land und der EU gestimmt, das Umweltschutz und Menschenrechte einseitigen Unternehmensinteressen unterordnet. Über 80 zivilgesellschaftliche Organisationen aus Lateinamerika und der EU forderten die europäischen Mandatsträger*innen in einer Erklärung dazu auf, auf den geopolitischen Druck nicht mit einem schlechten Handelsabkommen zu reagieren.
NATO-Gipfel in Ankara (7.-8.7.): Die Türkei war niemals ein echter Partner
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) betrachtet den NATO-Gipfel am 7. und 8. Juli in der türkischen Hauptstadt Ankara als erneute Bestätigung dafür, dass die NATO-Regierungen geopolitische Interessen über Frieden, Demokratie, Menschen- und Minderheitenrechten stellen. „Diese Werte sind zwar in den Statuten der NATO verankert, gerade das Gastgeberland Türkei tritt sie aber permanent mit Füßen. Wenn die Regierungen der anderen NATO-Staaten ihre eigenen Werte ernst nehmen würden, hätten sie Ankara als Ort des NATO-Gipfels ablehnen müssen“, erklärte GfbV-Nahostreferent Dr. Kamal Sido am heutigen Montag in Göttingen.
Souveränität als Deckmantel für Straflosigkeit: Schutzverantwortung wird aktiv ausgehöhlt
Die internationale Schutzverantwortung (Responsibility to Protect, R2P) läuft zunehmend ins Leere – das Prinzip der Nichteinmischung erlebt stattdessen eine Renaissance. Diese Entwicklung kritisiert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) anlässlich der Plenarsitzung der UN-Generalversammlung zu „Responsibility to Protect and the Prevention of Genocide, War Crimes, Ethnic Cleansing and Crimes against Humanity“. Diese findet am 6. Juli 2026 statt und baut auf dem aktuellen Bericht des UN-Generalsekretärs (A/80/716) auf.
91. Geburtstag des Dalai Lama (6.7.): Bundesregierung muss Religionsfreiheit der Tibeter schützen
Anlässlich des 91. Geburtstags des Dalai Lama am kommenden Montag (6. Juli) warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vor der geplanten Vereinnahmung seiner Nachfolge durch die chinesische Regierung. „Die Volksrepublik China beansprucht die Kontrolle über eine religiöse Institution, über die sie keine Befugnisse hat“, erklärt Mirjam Kobold, GfbV-Referentin für Asien. Die GfbV fordert die Bundesregierung auf, sich klar gegen diese Politik der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) zu positionieren.
Rechtsruck in Lateinamerika erreicht Peru: Die Rückkehr des Fujimorismus
Mit dem Sieg von Keiko Fujimori bei den Präsidentschaftswahlen kehrt der Fujimorismus, die autoritäre politische Bewegung des früheren Präsidenten Alberto Fujimori in Peru, an die Macht zurück. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt vor den Folgen für die Indigenen Völker Perus. Diese gehörten bereits während des internen bewaffneten Konflikts in der Regierungszeit ihres Vaters, Alberto Fujimori, zu den Hauptbetroffenen staatlicher Gewalt. Gleichzeitig schwächt Peru bereits jetzt die juristische Aufarbeitung dieser Verbrechen.
GfbV-Report „Indigene Völker der Arktis – zwischen Klimawandel und Rohstoffboom“:
• Tauende Permafrostböden führen zu Umweltschäden: Geborstener Treibstofftank erst vor einem Monat
• Beginnende deutsche EU-Ratspräsidentschaft sollte Arktisleitlinien zum EU-Maßstab machen
• Arktisstaaten dürfen Verteilungskampf nicht auf Kosten indigener Völker führen
Dokumentation: 25 Jahre nach dem Genozid von Srebrenica
GfbV-Dokumentation über Traumata der Genozid-Überlebenden
In knapp zwei Wochen, am 11. Juli, jährt sich der Völkermord von Srebrenica zum 25. Mal. Zu diesem Anlass veröffentlicht die Gesellschaft …