Die Zoroastrier*innen gehören zu den ältesten religiösen Gemeinschaften der Welt. Der Zoroastrismus war über Jahrhunderte hinweg die vorherrschende Religion im persischen Reich, dem heutigen Iran, Kurdistan und Afghanistan. Als eine der ältesten monotheistischen Religionen und der Zoroastrismus die religiöse Entwicklung des Nahen Ostens nachhaltig geprägt.
Zoroastrismus: Eine der ältesten Religionen der Welt
Die Religion erlebte unter den Sassaniden – der letzten vorislamischen Dynastie ( 224 bis 651 n. Chr.) – ihre letzte große Blütezeit. Mit der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert wurde der Islam im Gebiet des heutigen Iran zur dominierenden Religion, während der Zoroastrismus zunehmend verdrängt wurde. In der Folge kam es zu einer schrittweisen Marginalisierung der zoroastrischen Gemeinschaft, die durch Konversionen und gesellschaftlichen Druck weiter verstärkt wurde. Dennoch konnte sich die Religion bis heute im Iran halten – wenn auch unter schwierigen Bedingungen.
Größte Gemeinschaften im Iran und Indien
Trotz der historischen Bedeutung ist die Zahl der Gläubigen langsam aber stetig zurückgegangen. Heute leben Schätzungen zufolge im Iran nur noch etwa 30.000 Zoroastrier*innen im Iran, vor allem in Städten wie Teheran, Yazd und Kerman. Während sich die Lebensbedingungen in urbanen Zentren wie Teheran teilweise verbessert haben, bleibt die Situation in konservativeren Regionen deutlich schwieriger.
In Indien lebt eine große Gemeinschaft, die als Pars*innen bekannt ist. Sie sind Nachfahr*innen der persischen Zoroastrier*innen, die ab dem 7. Jahrhundert vor der islamischen Expansion aus dem Iran flohen. Die meisten von ihnen leben im Raum Mumbai und Gujarat. Schätzungsweise leben in Indien zwischen 50.000 bis 60.000 Anhänger*innen.
Zoroastrier*innen in Nordamerika
Durch Migration im 19. und 20. Jahrhundert haben sich zudem bedeutende Gemeinden in den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland gebildet.
Allein für Nordamerika wird die Zahl der Zoroastrier*innen und Pars*innen auf 20.000 bis 25.000 geschätzt. Auch in Europa gibt es zoroastrische Gemeinschaften, darunter auch kleine Gruppen in Deutschland. Seit der Entstehung der Autonomie in Kurdistan im Irak in den 1990er Jahren ist die Glaubensausübung dort relativ frei. Diese Freiheit wurde von Menschen genutzt, die wieder die Religion ihrer Vorfahren annehmen wollten. Viele Kurd*innen in Irakisch-Kurdistan sind zum Zoroastrismus konvertiert. So entstand dort eine große Gemeinde.
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In der Islamischen Republik Iran sind Zoroastrier*innen offiziell als religiöse Minderheit anerkannt und besitzen einen rechtlichen Status. Diese formale Anerkennung bedeutet jedoch nicht automatisch Gleichberechtigung im Alltag. In vielen Lebensbereichen sind Zoroastrier*innen weiterhin struktureller Diskriminierung ausgesetzt.
Ihnen bleibt der Zugang zu bestimmten Berufen sowie zu staatlichen Positionen häufig verwehrt, wodurch ihre gesellschaftliche Teilhabe erheblich eingeschränkt ist. Auch im Bildungsbereich bestehen Nachteile, die ihre Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten begrenzen. Darüber hinaus können viele Zoroastrier*innen ihre religiösen Praktiken nicht frei im öffentlichen Raum ausüben, sondern sind gezwungen, diese weitgehend auf den privaten Bereich zu beschränken. In Teilen der Gesellschaft gelten sie als religiös „unrein“, was ihre soziale Stellung zusätzlich erschwert.
Die schwierigen Lebensbedingungen führen dazu, dass viele Zoroastrier*innen den Iran verlassen. Insbesondere die zunehmende Auswanderung sowie die Abkehr vom Glauben – vor allem unter jüngeren Generationen – tragen dazu bei, dass die Gemeinschaft kontinuierlich schrumpft. Der Zoroastrismus steht damit vor einer doppelten Herausforderung: Zum einen dem demografischen Rückgang, zum anderen der langfristigen Sicherung seiner religiösen und kulturellen Traditionen.
Zoroastrismus vom Verschwinden bedroht
Die Situation der Zoroastrier*innen verdeutlicht exemplarisch die Lage historisch gewachsener religiöser Minderheiten im Nahen Osten. Trotz formaler Anerkennung sind sie weiterhin mit Diskriminierung, eingeschränkten Rechten und gesellschaftlicher Ausgrenzung konfrontiert.
Ohne gezielte Maßnahmen zum Schutz ihrer Rechte und zur Förderung religiöser Vielfalt droht langfristig nicht nur der Verlust ihrer gesellschaftlichen Stellung, sondern auch das Verschwinden einer der ältesten religiösen Traditionen der Welt. Daher fordert die GfbV stärkeren Schutz für die Religionsfreiheit historischer Minderheiten, um deren Fortbestehen und Existenz zu sichern.
Stand: Juni 2026
Autor: Kamal Sido Redaktion: Sarah Neumeyer
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