Dagestan, offiziell die Republik Dagestan, liegt im Nordkaukasus an der westlichen Küste des Kaspischen Meeres und ist die südlichste Teilrepublik Russlands. Die Republik grenzt im Süden an Aserbaidschan und Georgien und ist bekannt für ihre große ethnische und sprachliche Vielfalt: Die rund 3,2 Millionen Einwohner*innen verteilen sich auf über 30 verschiedene Ethnien. Zudem gibt es mehr als ein Dutzend Sprachen. Die größten Gruppen sind Awar*innen, Darginer*innen, Kumyk*innen, Lesgier*innen und Russ*innen. Trotz dieser Vielfalt ist Russisch die offizielle Sprache und dient als Lingua franca. Der Islam – vor allem in seiner sufistischen Ausprägung – ist die dominierende Religion und prägt das gesellschaftliche Leben.
Leben unter russischen Strukturen und lokale Konflikte
Seit dem Zerfall der Sowjetunion und besonders seit den 1990er Jahren sind politische Spannungen, gewaltsame Konflikte und eine prekäre Menschenrechtslage kennzeichnend für Dagestan. Die 1990er- und 2000er-Jahre waren stark von den beiden Kriegen im benachbarten Tschetschenien geprägt. Dagestan nahm Geflüchtete auf. Auch in Dagestan selbst kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen.
Bis heute ist die Republik Dagestan ein Brennpunkt für islamistischen Extremismus, Korruption und soziale Ungleichheit. Die wirtschaftliche Situation ist schwierig: Hohe Arbeitslosigkeit, niedrige Einkommen und mangelnde Infrastruktur machen Dagestan zu einer der ärmsten Regionen Russlands. Die lokale Bevölkerung leidet unter der Dominanz von Clanstrukturen, die demokratische Prozesse behindern und Vetternwirtschaft fördern. Jugendliche haben kaum Möglichkeiten der politischen Teilhabe.
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Die ethnische Vielfalt Dagestans bringt nicht nur kulturellen Reichtum, sondern auch Konflikte mit sich. Minderheiten berichten von Diskriminierung, besonders wenn sie nicht zu den dominierenden ethnischen Gruppen gehören.
Die Situation von Frauen ist besonders prekär: Traditionelle Geschlechterrollen sind stark ausgeprägt, und Frauen sind häufig von Zwangsheirat, häuslicher Gewalt und eingeschränkten Bildungs- und Berufschancen betroffen.
Menschenrechtsorganisationen, auch die Gesellschaft für bedrohte Völker, dokumentieren seit Jahren systematische Verletzungen der Frauenrechte, darunter auch Fälle von weiblicher Genitalverstümmelung und Femizide. Queere Menschen leben in ständiger Gefahr, da Homophobie und Gewalt gegen LGBTIQ-Personen weit verbreitet sind. Es besteht kaum rechtlicher Schutz.
Menschenrechtslage und internationale Kritik
Die Menschenrechtslage in Dagestan ist alarmierend. Willkürliche Verhaftungen, Folter, Verschwindenlassen und außergerichtliche Hinrichtungen sind an der Tagesordnung. Sicherheitskräfte gehen oft brutal gegen Verdächtige vor, und die Justiz ist von Korruption durchdrungen. Die GfbV kritisiert die Straflosigkeit der Täter und die systematische Unterdrückung von Zivilgesellschaft und Medien.
Ungelöster Konflikt
Dagestan bleibt eine der instabilsten Regionen Russlands. Die Kombination aus ethnischen Spannungen, religiösem Extremismus, wirtschaftlicher Not und staatlicher Repression schafft einen Nährboden für anhaltende Gewalt. Eine Verbesserung der Lage erfordert nicht nur wirtschaftliche Investitionen, sondern auch den Schutz von Minderheiten, die Stärkung der Frauenrechte und die Beendigung der Straflosigkeit für Menschenrechtsverletzungen.
Stand: März 2026
Autor: Sarah Reinke Redaktion: Sarah Neumeyer
Wofür wir uns einsetzen
Minderheiten & Indigene Völker stärken: Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.
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Völkermord verhindern & Menschen schützen: Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.
Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!
Nach dem russischen Angriffskrieg hat Deutschland im Rekordtempo zwei LNG-Terminals in Betrieb genommen, um unabhängig vom russischen Gas zu werden. Hier zu sehen ist die „Hoegh Gannet“ in Brunsbüttel im Juli 2023, die bis zum Betriebsbeginn des Terminals an Land das Flüssiggas aus den Tankschiffen umwandelt und ins Netz einspeist. Foto: HenSti/Wikipedia BY-SA 4.0
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Die Verabschiedung eines neuen Agrar-Gesetzes in Bolivien könnte nach Einschätzung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und indigener Organisationen zu mehr Landkonflikten führen und indigene Rechte erheblich schwächen. Das „Ley 157“, das die Umwandlung kleinbäuerlicher in mittlere und größere landwirtschaftliche Betriebe erleichtert, stärkt vor allem agrarindustrielle Interessen.
Pressekonferenz mit Vertretern der sudanesischen Zivilgesellschaft (15.4.)
Zum dritten Jahrestag des Kriegsausbruchs im Sudan und im Vorfeld der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin laden sudanesische zivilgesellschaftliche Organisationen zu einer Pressekonferenz ein, auf der sie Forderungen an Entscheidungsträger der Europäischen Union, nationale Regierungen und andere Teilnehmer der Sudan-Konferenz präsentieren. Die Veranstaltung wird vom Center for Environmental and Social Studies (CESS Sudan), weiteren sudanesischen zivilgesellschaftlichen Organisationen und der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ausgerichtet.
Besuch von Donald Trump Jr. in der Republika Srpska
Die Gesellschaft für bedrohte Völker bewertet den heutigen Besuch von Donald Trump Jr. in der Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina als politisch hochproblematisches Signal und fordert konkrete Konsequenzen seitens der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) trauert um den CDU-Politiker Christian Schwarz-Schilling und würdigt seinen konsequenten und glaubwürdigen Einsatz für Menschenrechte, ethnische und religiöse Minderheiten sowie politisch Verfolgte. Die Menschenrechtsorganisation hebt besonders seinen außerordentlichen Einsatz für das Ende des Kriegs in Bosnien und Herzegowina und die Opfer des Genozids an der Seite ihres Gründers Tilman Zülch hervor.
Der IStGH hat seinen Sitz in Den Haag. Er ermittelt in seinen Vertragsstaaten oder gegen Täter aus diesen Ländern, wenn deren nationale Justiz gegen mutmaßliche Verbrecher nicht tätig wird. Bild: OSeveno via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0
Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ahnden – Der Internationale Strafgerichtshof
Zwanzig Jahre nach der Annahme des Römischen Statuts steht der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) mehr denn je zuvor in der Kritik.
Grün stellt die türkische Armee dar, Rot Assads Truppen und Gelb kurdische Kämpfergruppen. Vor dem Beginn der Operation Olivenzweig im Januar 2018 befand sich Afrin im gelben Einflussbereich. Bild: MrPenguin20 via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0
Nordsyrien: Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der Türkei gegen Afrin
Am 20. Januar 2018 leitete die türkische Armee die „Operation Olivenzweig“ gegen die syrisch-kurdische Region Afrin ein. Dieser Angriff in dem seit 2011 laufenden Bürgerkrieg bedeutete neues Leid, besonders für die Zivilbevölkerung.
Im Alevitentum kann jeder Mensch frei bestimmen, wie er seinen Glauben ausübt. So ergeben sich individuelle Interpretationen und Betonungen der Religionslehre. Foto: Miriam Stanke
Memorandum: Aleviten in der Türkei ringen um Anerkennung
Bis heute wird das Alevitentum in der Türkei nicht als Glaubensgemeinschaft anerkannt, sondern vom Präsidium für Religionsangelegenheiten (DIYANET) als anatolische Variante des Islam eingestuft. Als nichtsunnitische Gemeinschaft werden die Aleviten deshalb diskriminiert, unterdrückt und verfolgt.