Im Jemen leben circa 32 Millionen Menschen. Über 95 Prozent der Bevölkerung sind arabischer Herkunft. 99 Prozent der Einwohner*innen sind Muslim*innen. Die Mehrheit ist sunnitisch (rund 65 Prozent) und 30 bis 45 Prozent sind schiitische Zaidit*innen.
Minderheiten im Jemen
Neben der arabischen Bevölkerungsmehrheit leben im Jemen mehrere ethnische und religiöse Minderheiten. Zu den größten zählt die ethno-kulturelle Minderheit der Al-Muhamaschin (auch Al-Akhdam), deren Zahl auf etwa eine Million Menschen geschätzt wird. Diese Bevölkerungsgruppe ist historisch von sozialer Ausgrenzung betroffen und lebt in Armut und gesellschaftlicher Isolation. Die abwertende Fremdbezeichnung „Al-Akhdam“ („die Diener“) spiegelt ihre anhaltende Diskriminierung wider.
Zu den religiösen Minderheiten gehören außerdemJüdinnen*Juden, Christ*innen, Ismailit*innen und Bahá’í. Die Bahá’í bilden eine kleine religiöse Minderheit von mehreren Tausend Angehörigen, die besonders in den von den schiitisch geprägten Huthi-Rebellen kontrollierten Gebieten verfolgt wird. Extremistische Gruppen betrachten Bahá’í als Anhänger*innen und Agent*innen Israels. Angehörige der Gemeinschaft und Bahá’í-Organisationen berichten von Diskriminierung, Inhaftierungen und dem Versuch, Bahá’í-Anhänger*innen unter Druck dazu zu bringen, ihrem Glauben abzuschwören.
Bürgerkrieg im Jemen seit 2015
Die Republik Jemen ist formell ein Staat mit republikanischem Regierungssystem, doch seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahr 2015 ist das Land politisch zersplittert. Die international anerkannte Regierung kontrolliert nur noch Teile des Landes, während die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen große Gebiete im Norden und Westen des Landes einschließlich der Hauptstadt Sanaa beherrschen. De facto existieren im Jemen mehrere Machtzentren und parallele Verwaltungsstrukturen.
Zusätzlich erschwert die Einmischung regionaler Akteure eine Lösung des Konflikts und trägt zu dessen Fortdauer bei. Saudi-Arabien unterstützt die international anerkannte Regierung im Kampf gegen die Huthi-Rebellen, um den Einfluss Irans einzudämmen. Iran wiederum unterstützt die Huthi-Rebellen mit dem Ziel, seinen regionalen Einfluss auszubauen.
Ohne starke Verbündete ist unsere Arbeit nicht möglich!
Ihre Spende sorgt dafür, dass wir Betroffene vor Ort stärken, Missstände dokumentieren und politischen Druck aufbauen können – konsequent, unabhängig und solidarisch.
Der seit 2015 tobende Bürgerkrieg hat zu einer der größten humanitären Krisen weltweit geführt. Von den 32 Millionen Einwohner*innen sind 19,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, davon sind über 50 Prozent Kinder (Stand: 2025). Die Zahl der Binnenvertriebenen liegt bei etwa 4,5 Millionen Menschen.
Die Menschenrechtslage hat sich seit Beginn des Bürgerkriegs deutlich verschlechtert. Minderheiten sind besonders betroffen. Bewaffnete Gruppen handeln oft ohne rechtliche Kontrolle. Hunger, Vertreibung und Gewalt prägen den Alltag vieler Menschen.
GfbV kitisiert Verfolgung von Minderheiten
Die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert insbesondere die Verfolgung religiöser und ethno-kultureller Minderheiten im Jemen. Wir machen darauf aufmerksam, dass Bahá’í, Al-Muhamaschin und andere Minderheiten häufig Opfer von Diskriminierung, willkürlichen Festnahmen und politischer Verfolgung werden. Die GfbV fordert einen wirksameren Schutz von Minderheiten sowie ein Ende der Straflosigkeit bei Menschenrechtsverletzungen.
Stand: Mai 2026
Autor: Dr. Kamal Sido Redaktion: Sarah Neumeyer
Wofür wir uns einsetzen
Minderheiten & Indigene Völker stärken: Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.
Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen: Wir dokumentieren Unrecht, benennen es klar und bringen es in Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sichtbarkeit schafft Schutz.
Völkermord verhindern & Menschen schützen: Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.
Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!
Fünf Jahre Taliban: Humanitäre Hilfe statt Abschiebungen
Zum fünften Jahrestag der erneuten Machtübernahme der radikalsunnitischen Islamisten der Taliban in Afghanistan am 15. August fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) einen Abschiebestopp für Afghanistan, insbesondere für Angehörige von Minderheiten und Frauen.
„Seit ihrer Machtübernahme begehen die Taliban schwere Menschenrechtsverbrechen. Die elementaren Grundrechte von Frauen werden immer weiter eingeschränkt. Auch Minderheiten wie die Hazara und Tadschiken werden verfolgt.“
Erdbeben in Kolumbien: Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften noch nicht absehbar
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ruft dazu auf, indigene Gemeinschaften bei der Beurteilung der Erdbebenfolgen in Kolumbien nicht zu vergessen. Die Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften sind laut der Menschenrechtsorganisation bislang nicht absehbar. Das Erdbeben am 10. August hatte sein Epizentrum bei der Gemeinde San José del Palmar im Departamento Chocó, einem Gebiet, in dem viele indigene Gemeinschaften leben.
Chiquitano-Trockenwald in Bolivien in Gefahr: Europa entscheidet mit über die Zukunft wichtiger Ökosysteme in Südamerika
Anlässlich des bolivianischen Tags des Chiquitano-Trockenwaldes warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) gemeinsam mit indigenen Organisationen, dass die Zukunft eines der bedeutendsten Ökosysteme Südamerikas auch von internationalen Lieferketten und der europäischen Handelspolitik abhängt. Was in Europa konsumiert und politisch entschieden wird, hat direkte Folgen für indigene Territorien, betonen die GfbV, das Comité de Gestión (Verwaltungsausschuss) des Naturschutzgebiets Tucabaca de Roboré, das Comité Cívico (Bürgerkomitee) der Bewegung zum Schutz des Tucabaca-Tals sowie die indigene Gemeinschaft Quituquiña aus San José de Chiquitos.
Internationaler Tag der Indigenen Völker (9.8.): Indigene Menschenrechtsverteidiger weltweit schützen
Zum Internationalen Tag der Indigenen Völker am 9. August ruft die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) dazu auf, indigene Umwelt- und Menschenrechtsverteidiger weltweit wirksam zu schützen. Viele von ihnen begeben sich in große persönliche Gefahr, wenn sie für die Rechte ihrer Gemeinschaften, den Erhalt ihrer Territorien und den Schutz von Umwelt und Klima kämpfen. In verschiedenen Weltregionen werden sie dafür bedroht und oft auch angegriffen.
Religiöse Unterdrückung in Syrien: Priester verhaftet, Erzbischof zurückgerudert
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) appelliert an die beiden großen christlichen Kirchen, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Römisch-Katholische Kirche, sowie an den Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Lars Castellucci, Glaubensfreiheit in Syrien als Menschenrecht ernst zu nehmen und sich dafür einzusetzen. Hintergrund ist der Verhaftung des kurdisch-christlichen Priesters Nihad Hasan (46) in Afrin am 20. Juli. Die Region wird seit 2018 von der Türkei besetzt. Inzwischen gibt es Berichte, dass Nihad Hassan nach fast drei Wochen Haft wieder freigelassen wurde.
Berichte über Zwangsrückführungen: Keine Sicherheit für Rohingya in Myanmar
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt eindringlich vor der drohenden Zwangsrückführung tausender Rohingya aus Malaysia nach Myanmar: „Für die Rohingya gibt es keinen sicheren Ort. Sie fliehen vor Verfolgung durch das Militär und die De-facto-Herrschaft der Arakan Army im Bundesstaat Rakhine in Myanmar. In Malaysia wüten Hetzkampagnen und Inhaftierungswellen gegen sie”, berichtet Mirjam Kobold, GfbV-Referentin für Asien. „Die Zurückdrängung in die weiterhin gefährliche Lage in Myanmar verletzt eindeutig das völkerrechtliche Refoulement-Verbot, das auch für Malaysia gilt.” Neben den mehr als eine Million Rohingya, die seit Jahrzehnten – in immer neuen Fluchtwellen – ohne Perspektive in den Lagern von Cox’s Bazar in Bangladesch festsitzen, registriert das UNHCR rund 126.000 geflüchtete Rohingya in Malaysia. Das Land hat die Genfer Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet.