Die Krimtatar*innen sind die indigene Bevölkerung der Halbinsel Krim im Schwarzen Meer.
Die Geschichte der Krimtataren ist von politischer Verfolgung aber auch Widerstand und Resilienz geprägt. Die Krimtataren sind Nachfahren vieler Völker wie der Tauren, Byzantiner, Hunnen, Genueser, Griechen. Während des Krim-Khanats (1441- 1783) erlebte ihre Kultur eine Blütezeit. 1783 annektierte die russische Zarin Katharina die Große (1729-1796) die Halbinsel. Daraufhin flohen viele Krimtataren ins Osmanische Reich. In der Türkei lebt daher noch heute eine große Diaspora-Gemeinde der Krimtataren. Nach der Russischen Revolution und dem Bürgerkrieg war die Krim eine autonome Republik der RSFSR. Von 1941 bis 1944 war die Krim von der deutschen Wehrmacht besetzt. 1944 wurden die Krimtataren auf Befehl Stalins kollektiv deportiert: Über 200.000 Krimtataren wurden innerhalb weniger Tage in Viehwaggons nach Zentralasien verschleppt, vorgeblich wegen angeblicher Kollaboration mit den deutschen Besatzern. Über die Hälfte der Deportierten, überwiegend Frauen und Kinder, kam während der Deportation oder in den ersten Jahren der Verbannung um. Erst 1967 wurden die Krimtataren offiziell rehabilitiert, doch die Rückkehr auf die Krim blieb ihnen zunächst verwehrt. Beispielhaft ist der Jahrzehnte lange friedliche Widerstand der Krimtataren gegen die Sowjetmacht und ihr Kampf für eine Rückkehr auf die Krim.
Erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende der 1980er Jahre, konnten viele Krimtataren tatsächlich zurückkehren. Gegen viele Widerstände versuchten sie auf der Krim ihre Sprache, Kultur, Kunsthandwerk und Leben als indigenes Volk wieder aufzubauen. Der Medschlis, der Nationalrat der Krimtataren, wurde 1991 als politische Vertretung etabliert.
Ohne starke Verbündete ist unsere Arbeit nicht möglich!
Ihre Spende sorgt dafür, dass wir Betroffene vor Ort stärken, Missstände dokumentieren und politischen Druck aufbauen können – konsequent, unabhängig und solidarisch.
Seit der russischen Annexion der Krim 2014 verschärfte sich die Situation der Krimtataren dramatisch. Sie werden systematisch verfolgt: Verbot krimtatarischer Medien, Verbot des Medschlis, willkürliche Verhaftungen, Hausdurchsuchungen, Inhaftierungen und Angst vor Verfolgung prägen den Alltag der Krimtataren. Zugang zur krimtatarischen Sprache und Kultur wird immer schwieriger, Unterricht in der Muttersprache ist kaum mehr möglich. Auch wirtschaftlich sind Krimtataren benachteiligt: Viele verloren ihr Land oder ihre Arbeitsplätze, da russische Behörden ukrainisches Eigentum konfiszierten. Die Halbinsel wird zunehmend militarisiert, und die russische Regierung fördert die Ansiedlung ethnischer Russen, um die demografische Struktur zu verändern.
Widerstand und internationale Solidarität
Trotz der Repressionen setzen die Krimtataren ihren gewaltfreien Widerstand fort. Organisationen wie CrimeaSOS und das Crimean Tatar Resource Center dokumentieren Menschenrechtsverletzungen und kämpfen für die Freilassung politischer Gefangener. Viele Krimtataren mussten die Krim verlassen und setzen sich aus der Diaspora für ihre Rechte und ein Überleben ihres indigenen Volkes ein. Als Gesellschaft für bedrohte Völker arbeiten wir seit Mitte der 1970er Jahre zum Thema Krimtataren und haben unsere Aktivitäten seit der Annexion 2014 nochmals mit vielen Publikationen, Veranstaltungen, Advocacyarbeit und Aktionen zur Freilassung der politischen Gefangenen intensiviert.
Stand: März 2026
Autor: Sarah Reinke Redaktion: Sarah Neumeyer
Wofür wir uns einsetzen
Minderheiten & Indigene Völker stärken: Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.
Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen: Wir dokumentieren Unrecht, benennen es klar und bringen es in Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sichtbarkeit schafft Schutz.
Völkermord verhindern & Menschen schützen: Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.
Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!
Nach dem russischen Angriffskrieg hat Deutschland im Rekordtempo zwei LNG-Terminals in Betrieb genommen, um unabhängig vom russischen Gas zu werden. Hier zu sehen ist die „Hoegh Gannet“ in Brunsbüttel im Juli 2023, die bis zum Betriebsbeginn des Terminals an Land das Flüssiggas aus den Tankschiffen umwandelt und ins Netz einspeist. Foto: HenSti/Wikipedia BY-SA 4.0
Interview mit Walter Leal
Der Klimawandel wurde zuletzt durch Kriege und protektionistische Politik von der globalen Agenda verdrängt. Über die fatalen Folgen dieser Aufmerksamkeitsverschiebung, globale Hotspots und die Ung…
Editorial: Erderwärmung: Gegenwart und Zukünfte im Ausnahmezustand
Editorial: Erderwärmung
Bildnachweis Titel:Eine Frau geht durch den früheren Sharafkhaneh-Hafen im Nordosten des Urmia-Sees, der mittlerweile komplett trocken liegt. Er ist ein Sinnbild der iranischen Wsserkrise, in der d…
Die Verabschiedung eines neuen Agrar-Gesetzes in Bolivien könnte nach Einschätzung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und indigener Organisationen zu mehr Landkonflikten führen und indigene Rechte erheblich schwächen. Das „Ley 157“, das die Umwandlung kleinbäuerlicher in mittlere und größere landwirtschaftliche Betriebe erleichtert, stärkt vor allem agrarindustrielle Interessen.
Pressekonferenz mit Vertretern der sudanesischen Zivilgesellschaft (15.4.)
Zum dritten Jahrestag des Kriegsausbruchs im Sudan und im Vorfeld der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin laden sudanesische zivilgesellschaftliche Organisationen zu einer Pressekonferenz ein, auf der sie Forderungen an Entscheidungsträger der Europäischen Union, nationale Regierungen und andere Teilnehmer der Sudan-Konferenz präsentieren. Die Veranstaltung wird vom Center for Environmental and Social Studies (CESS Sudan), weiteren sudanesischen zivilgesellschaftlichen Organisationen und der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ausgerichtet.
Besuch von Donald Trump Jr. in der Republika Srpska
Die Gesellschaft für bedrohte Völker bewertet den heutigen Besuch von Donald Trump Jr. in der Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina als politisch hochproblematisches Signal und fordert konkrete Konsequenzen seitens der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) trauert um den CDU-Politiker Christian Schwarz-Schilling und würdigt seinen konsequenten und glaubwürdigen Einsatz für Menschenrechte, ethnische und religiöse Minderheiten sowie politisch Verfolgte. Die Menschenrechtsorganisation hebt besonders seinen außerordentlichen Einsatz für das Ende des Kriegs in Bosnien und Herzegowina und die Opfer des Genozids an der Seite ihres Gründers Tilman Zülch hervor.
Der IStGH hat seinen Sitz in Den Haag. Er ermittelt in seinen Vertragsstaaten oder gegen Täter aus diesen Ländern, wenn deren nationale Justiz gegen mutmaßliche Verbrecher nicht tätig wird. Bild: OSeveno via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0
Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ahnden – Der Internationale Strafgerichtshof
Zwanzig Jahre nach der Annahme des Römischen Statuts steht der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) mehr denn je zuvor in der Kritik.
Grün stellt die türkische Armee dar, Rot Assads Truppen und Gelb kurdische Kämpfergruppen. Vor dem Beginn der Operation Olivenzweig im Januar 2018 befand sich Afrin im gelben Einflussbereich. Bild: MrPenguin20 via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0
Nordsyrien: Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der Türkei gegen Afrin
Am 20. Januar 2018 leitete die türkische Armee die „Operation Olivenzweig“ gegen die syrisch-kurdische Region Afrin ein. Dieser Angriff in dem seit 2011 laufenden Bürgerkrieg bedeutete neues Leid, besonders für die Zivilbevölkerung.
Im Alevitentum kann jeder Mensch frei bestimmen, wie er seinen Glauben ausübt. So ergeben sich individuelle Interpretationen und Betonungen der Religionslehre. Foto: Miriam Stanke
Memorandum: Aleviten in der Türkei ringen um Anerkennung
Bis heute wird das Alevitentum in der Türkei nicht als Glaubensgemeinschaft anerkannt, sondern vom Präsidium für Religionsangelegenheiten (DIYANET) als anatolische Variante des Islam eingestuft. Als nichtsunnitische Gemeinschaft werden die Aleviten deshalb diskriminiert, unterdrückt und verfolgt.